Parkplätze auf Sylt : Große Aufregung um neue Zeiten und Gebühren

Auf dem obersten Deck im Parkhaus am ZOB in Westerland stehen fast ausschließlich Fahrzeuge von Vermiet-Unternehmen.
Foto:
1 von 2
Auf dem obersten Deck im Parkhaus am ZOB in Westerland stehen fast ausschließlich Fahrzeuge von Vermiet-Unternehmen.

Leser der Sylter Rundschau machen ihrem Unmut Luft. Bürgermeister verspricht „Augenmaß“ in der Übergangszeit

von
24. März 2017, 17:25 Uhr

Hohe Wellen unter den Lesern der Sylter Rundschau schlägt die neue Verordnung über Parkgebühren im Gemeindegebiet Sylt, über die wir in der gestrigen Ausgabe berichteten. Die Gebührenerhöhung sei „Wucher“, schreibt zum Beispiel Felix Lehrke auf unserer Facebook-Seite. „Wir sind hier auf Sylt und nicht in Hamburg, Berlin oder Frankfurt. Damit ist ja dann das wilde Parken in Westerland eröffnet. Jeder sucht die kostenfreien Zonen auf und die Anwohner haben in abgelegeneren Straßen das Nachsehen.“ Der richtige Weg sei es, Parkgebühren ganz abzuschaffen, Politessen und teure Automaten einzusparen und stattdessen die Kurabgabe zu erhöhen, schlägt Lehrke vor.

Katrin Brause ist der Meinung, Sylter sollten eine günstige Jahresgebühr zahlen und überall ganztägig parken dürfen. „Wenn man in der Innenstadt arbeitet und alle Urlauber die Plätze belegen, die noch kostenfrei sind, dann ist das für uns absolut frech“, so die Facebook-Nutzerin. Die neuen Gebühren seien „Abzocke vom Feinsten“ ärgert sich Melanie Schmitz auf der Facebook-Seite der Sylter Rundschau. „In der Steinmannstraße stand den Winter über immer, dass man dort bis 31.3. für 1,50 Euro parken darf. Still und heimlich erhöht – ist schon echt dreist! Zum Glück ist Frühlingswetter und ich kann auf den Roller umsteigen. Aber wer aufs Auto angewiesen ist, tut mir nur leid.“

Doch die neue Gebührenverordnung betrifft nicht nur Insulaner, die in der Westerländer Innenstadt parken wollen: „Ich bin Sylter und pendle von Montag bis Freitag ‚gegen den Strom‘ zum Arbeiten von der Insel bis nach Niebüll“, schreibt Sylter Rundschau-Leser Simon Rietz aus Archsum. Die Strecke durch die Wiesen zum Morsumer Bahnhof fahre er gerne mit dem Rad. Bei schlechtem Wetter, Sturm oder Zeitknappheit aber auch mal mit dem Auto. „Ich bin also kein ‚Dauerparker‘ und kaufe mir mein Parkticket dann ‚tagesaktuell‘. Seit Mitte dieser Woche hat die Gemeinde Sylt, die ja den Parkplatz der Bahn von ihrem Ordnungsamt kontrollieren lässt, die Preise zum Parken jedoch um teilweise 100 Prozent angezogen. Das finde ich schon recht ordentlich“, kritisiert Simon Rietz. „Zwölf Stunden kosteten sonst 50 Cent, jetzt einen Euro. Parkt man mal länger und nutzt die Höchstparkdauer, zahlt man jetzt sechs Euro, zuvor nur 3,50 Euro.“

In der Tat waren die vor allem von Pendlern genutzten Parkplätze an den Bahnhöfen in Morsum und auch in Keitum schon immer gebührenpflichtig. Die günstigen Tarife dort würden jedoch dazu führen, dass viele Unternehmen, die auf der Insel aktiv sind, ihre Fahrzeuge über Nacht oder übers Wochenende dort abstellen, damit ihre auf dem Festland wohnenden Arbeitnehmer kurze Wege zu ihren Dienstfahrzeugen haben, heißt es in der Begründung für das neue Parkraumbewirtschaftungskonzept. Diese sehr gut genutzten Möglichkeiten entlasteten zwar den Ortsteil Westerland, führten aber in Keitum und Morsum dazu, dass die vorhandenen Parkplatzkapazitäten zumeist erschöpft wären. Deshalb wurden auf den Parkplätzen an den Bahnhöfen die Gebühren deutlich erhöht sowie die Höchstparkdauer von 120 Stunden auf 72 Stunden eingeschränkt. Außerdem gelten die neuen Preise dort jetzt das ganze Jahr über und nicht wie auf anderen Parkplatzflächen nur in der Sommersaison.

Auch das Parkhaus an dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Westerland stellt eine Sonderform da. In der Vergangenheit konnte es zunächst einmal kostenlos genutzt werden, erst ab einer Parkdauer von mehr als zwölf Stunden wurde eine Gebühr erhoben. Darüber hinaus galt auch dort eine Höchstparkdauer von 120 Stunden. Von der 12. bis zur 24. Stunde kostete das Parkhaus ZOB einen Euro, von der 24. bis zur 72. Stunde 2,50 Euro und dann – wie die Bahnhofsparkplätze im Inselosten – 3,50 Euro bis zur 120. Stunde. Diese günstigen Tarife hätten viele gewerbliche Unternehmen veranlasst, ihre Fahrzeuge dort abzustellen, um sich eigene Abstellmöglichkeiten zu ersparen. Dadurch würde dem ursprünglich einmal angedachten Nutzerkreis, den Beschäftigten örtlicher Betriebe sowie Bewohnern der Insel, die zu Behördengängen aufs Festland müssten, eine wichtige Parkmöglichkeit in zentraler Lage entzogen – so die Begründung für die neuen Gebühren und Nutzungszeiten.

Ein Dorn im Auge waren Politik und Verwaltung besonders die verschiedenen Autovermieter, die ihre Fahrzeuge vor allem in der Hauptsaison im ZOB-Parkhaus abstellten und damit das gesamte obere Deck blockierten (siehe Foto). Ab sofort sind dort ab der ersten Stunde Parkgebühren fällig und die zulässige Höchstparkdauer wurde ebenfalls auf 72 Stunden verringert.

Laut einer Pressemitteilung der Gemeinde Sylt soll für eine möglichst reibungslose Umstellung der Parkgebühren eine Übergangszeit bis Ende März gewährt werden. Kontrolle und Ahndung würden in dieser Zeit „mit Augenmaß“ ausgeübt, so Bürgermeister Nikolas Häckel. Für Fragen und Anregungen stehe im Ordnungsamt René Petersen (Telefon: 04651-851524) zur Verfügung.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen