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Sylter Flughafen : Großalarm nach Airbus-Fehllandung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Linienflugverkehr für 24 Stunden gesperrt / Hamburger Bergungsteam brachte Flugzeug in der Nacht auf festen Boden zurück

von
erstellt am 01.Okt.2017 | 20:35 Uhr

Nieselregen, 100 Meter Sicht, mäßiger Ostwind – auf die 82 Passagiere von Flug AB 6880 aus Düsseldorf wartet am frühen Sonnabend kein schönes Wetter bei der Landung auf dem Sylter Airport. Mit seitlichem Rückenwind landet der Airbus A320-200 auf der Landebahn 32 des Tinnumer Fliegerhorstes. Auf der regennassen Piste bringen die Piloten die Maschine nicht rechtzeitig zum Stehen, sie schießt fünfzig Meter über das Ende der Landebahn hinaus. Auftakt für ein ereignisreiches Wochenende, bei dem aber keiner zu Schaden kommt.

Auf der Insel wird Großalarm ausgelöst: „Um 8.29 Uhr erhielten die Feuerwehren Tinnum und Westerland und der Rettungsdienst die Alarmmeldung, dass ein Airbus beim Landeanflug über die Landebahn hinausgerollt ist“, berichtet Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth. Die Sylter Polizei war ebenfalls schnell vor Ort. Teil der Rettungskette sind auch Einheiten auf dem Festland, die sich in Bewegung setzen, und zwei Hubschrauber. Doch am havarierten Flugzeug konnten die Einsatzkräfte schnell Entwarnung geben. Es bestand keine Feuergefahr, die Passagiere konnten die Maschine mithilfe der Gangway verlassen. Das Fahrwerk des Airbus war zwar leicht im feuchten Erdboden eingesunken, aber unbeschädigt. „Wir sind heilfroh, dass dieses Landemanöver so glimpflich ausgegangen ist“, sagt Kloth. „Bei weichem Untergrund hätte es weitaus schlimmer enden können.“

„Für uns war es ein ganz normaler Landeanflug“, berichten Dino und Anke Conti Mica aus Düsseldorf, die zu den 82 Fluggästen gehörten. Zum Schluss ein Ruckeln – mehr hätten die Insassen nicht bemerkt, und grünen Rasen beim Blick aus dem Kabinenfenster. Erst die Ansage „Attention, Attention“ aus dem Cockpit ließ sie aufhorchen, verbunden mit dem Hinweis, angeschnallt sitzenzubleiben. Etwa eine Viertelstunde habe es gedauert, bis die Türen geöffnet wurden und die Passagiere über die Gangway das Flugzeug verlassen konnten. „Es lief alles sehr routiniert ab“, sagt Anke Conti Mica, keiner sei nervös geworden. „Der Pilot hat sich mehrmals entschuldigt.“

Der Flugunfall traf die Nordseeinsel zum denkbar ungünstigsten Moment. Am Freitag hat der Surfworldcup begonnen, der traditionell viele Gäste anlockt und für ausgebuchte Hotels und Ferienwohnungen sorgt. Der Sonnabend war zudem Ferienbeginn in sieben Bundesländern und für viele Sylt-Besucher Auftakt für ein verlängertes Wochenende, das Dienstag mit dem Tag der Deutschen Einheit zuende geht. Das Malheur der Morgen-Maschine aus Düsseldorf blockierte den Linienflugverkehr für den gesamten Sonnabend, acht Landungen und neun Starts wurden abgesagt. Die Lufthansa-Maschine aus Frankfurt, die um 8.20 Uhr auf dem Tinnumer Flugfeld landen sollte, wurde kurz vor ihrer Ankunft nach Hamburg umgeleitet. In der Abflughalle von Terminal 1 warteten bereits die abgefertigten Passagiere für die nächsten beiden Abflüge nach Stuttgart und Frankfurt. Am Infoschalter erhielten die Fluggäste stattdessen Tickets für die Bahnfahrt nach Hamburg, um von Fuhlsbüttel aus die Reise fortzusetzen.

Gegen 18 Uhr trafen drei Beamte der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Tinnum ein, etwas später die „Aircraft Recovery“-Einheit des Hamburger Flughafens mit Spezialgerät in mehreren Lkw. Für die Braunschweiger Fachleute ist die „Runway Excursion“ des Airbus eine „Schwere Störung“ im Flugverkehr, erst bei Personenschäden gilt die Klassifizierung „Flugunfall“. Noch am Abend nahmen die Beamten bei Dauerregen das Flugzeug unter die Lupe und stellten die beiden „Blackboxen“ sicher, die die Cockpitgespräche und die Flugzeugdaten aufzeichnen. Anschließend konnten die Hamburger Experten mit der Bergung des Airbus beginnen.

„Trotz heftigen Regens gelang es, den havarierten Airbus morgens gegen 6 Uhr wieder auf festem Boden zu haben und um 10 Uhr den Flughafen wieder in den Normalmodus zu bringen“, erklärte Flughafen-Chef Peter Douven, der die missglückte Landung zufälligerweise ganz aus der Nähe von der Hundewiese beobachtet hatte. Sein Fazit: „Das war ein Vorfall, den niemand braucht, aber es kam niemand zu Schaden – das ist das Wichtigste.“

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