Serie Zuürckgeblättert : Grippe, Glätte, Gret und ein Glas Grog

Die Mitarbeiter des Streudienstes konnten mit der Arbeit kaum nachkommen...
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Die Mitarbeiter des Streudienstes konnten mit der Arbeit kaum nachkommen...

In der heutigen Folge der Serie Zurückgeblättert beschäftigen wir uns mit den schönen und weniger schönen Seiten des Januars 1970.

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24. Januar 2015, 05:53 Uhr

Sylt im Januar 1970. Eine Grippewelle und heftige Schneefälle setzen der Bevölkerung massiv zu. Die Sylter Apotheken decken sich überproportional mit Medikamenten ein – nicht zuletzt seien es Winterurlauber, die in die Arztpraxen kämen und die Grippe auf Sylt verbreiten würden, berichtet die Sylter Rundschau und schreibt weiter: „Es gibt derzeit kaum einen Betrieb oder eine Behörde auf der Insel, die nicht unter den Erkrankungen zu leiden haben. Vor allem die Nordseeklinik hat unter einem noch nie da gewesenen Ausfall des Pflegepersonals zu leiden. Das geht soweit, dass sogar ein Soldat freiwillig eine Nachtwache übernahm.“

Auch anderweitig zeigt die Grippewelle ihre Auswirkungen: Bei der Post ist jeder vierte Zusteller krank geschrieben, mehrere Bezirke können daher erst in den nachfolgenden Tagen beliefert werden.

Doch dies ist nicht das einzige Problem: Auf der Insel bleiben Autos in Schneewehen stecken, Züge und Busse haben erhebliche Verspätungen, der Flugverkehr wird komplett eingestellt. In der Nordseeklinik arbeitet die chirurgische Abteilung von früh bis spät: „Die Zahl der Knochenbrüche durch Stürze wegen Glätte ist enorm angestiegen“, berichtet Abteilungsleiter Dr. Stolowski.

Als es in der Westerländer Steinmannstraße brennt und 13 Personen zeitweilig obdachlos werden, kann die Feuerwehr erst verspätet löschen – die Hydranten sind vereist.

Ein ungewöhnliches Freizeitvergnügen eröffnet der Winter hingegen in Keitum: Das Meerwasser-Schwimmbad öffnet seine Pforten – und die Resonanz ist immens. „Wegen Überfüllung konnten zeitweilig keine Besucher mehr eingelassen werden. Im 24 Grad warmem Wasser genossen die Badenden das Schneetreiben. „Im Schwimmbad-Café schauten die Besucher nach dem Baden in das winterliche Panorama und in das Grogglas.“

Mit der Überschrift „Kirsten ist die Höflichste“ leitet die Zeitung einen Bericht über die Tankwartin Kirsten Petersen ein: „Bei einer Frageaktion einer großen deutschen Zeitung wurden die höflichsten Mitarbeiter in Feriengebieten gesucht. Zu ihnen zählt Kirsten Petersen, die stellvertretend von einem Leser als stets höflich, hilfsbereit und charmant gelobt wurde.“

Eine positive Bilanz für das abgelaufene Jahr 1969 zieht der Sonderhort der Lebenshilfe Sylt: „Neben einem Lehrraum stehen nun auch ein Werkraum mit Kochnische und weitere Räume zur Verfügung. Ein Kleinbus, der dem Sonderhort von der „Aktion Sorgenkind“ übergeben wurde, holt die behinderten Kinder zum Schulunterricht ab und bringt sie auch wieder heim.“

Im Rahmen der Hauptversammlung des Freiwilligen Rettungscorps Westerland wird Fritz Hansen erneut zum Vorsitzenden gewählt, zu seinem Stellvertreter bestimmen die Kameraden „Pieten“ Andresen.

Fritz Hansen verweist unter anderem auf die neue Kooperation mit der Söl’ring Foriining: Das Korps wolle dadurch an der Erhaltung des Brauchtums und der Sprache sowie bei der Thematik des Küstenschutz mitwirken.

In List verbringt derweil die populäre Ausdruckstänzerin Gret Palucca einen vierwöchigen Urlaub. „Schon vor dem Krieg war sie auf Sylt und verlebte am Ellenbogen in tiefer Einsamkeit erholsame Urlaubstage. Auch heute noch unternimmt sie dort täglich ausgedehnte Spaziergänge.“

In List feiert Gret Palucca auch ihren Geburtstag – während in Archsum Meinert Nielsen 65 Jahre alt wird. Sowohl als Schulleiter wie auch als Bürgermeister setzte „Manje“ Nielsen in dem kleinen Dorf Akzente und engagierte sich zudem „für die Pflege des Sylter Brauchtums und der Sylter Sprache“.


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