Sylter Heidebrennen : Glühende Heidepflanzen

Margit Ludwig hat die Entwicklung der Braderuper Heide immer im Blick.
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Margit Ludwig hat die Entwicklung der Braderuper Heide immer im Blick.

Die Naturschutzgemeinschaft Sylt wird mit Hilfe eines Fachmanns, zwei Hektar Heidefläche abbrennen.

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30. Juli 2014, 06:00 Uhr

Lodernde Flammen in der Heide – das wird es wohl nicht geben, auch wenn sich das Stichwort „Heidebrennen“ genau danach anhört. Vielmehr werden etwa zwei Hektar Heideflächen verglühen, wenn alles nach Plan läuft.

Katrin Fifeik, Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, verkündete in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter, dass die Naturschutzgemeinschaft Sylt Fördergelder zum Abbrennen der Heide erhalten habe und diese Maßnahme noch im Sommer umgesetzt werden soll.

Bisher steht allerdings kein Datum für die Aktion fest, erklärt Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft, auf Nachfrage der Sylter Rundschau. In der kommenden Woche wird der Fachmann zu Vorgesprächen erwartet, der die Heide in Brand setzen soll. „Zwei Hektar bei einer Gesamtfläche von 137 Hektar sind natürlich sehr wenig“, so Margit Ludwig. Die Kosten dafür liegen bei 15 000 Euro. Gemeinsam werden in der nächsten Woche die Flächen ausgesucht, die abgebrannt werden sollen. „Wir haben sehr viel alte Heide im Gebiet, die zum Teil 40 bis 60 Jahre alt und stark verholzt ist.“ Sie brauche also dringend eine Verjüngungskur.

In früheren Jahrhunderten passierte die Heidepflege unabsichtlich im alltäglichen Geschäft. Damals wurde die Heide als Einstreu fürs Vieh und als Heizmaterial verwendet. Heutzutage gibt es diese Nutzung nicht mehr. Also muss die Heide anderweitig gepflegt werden. Neben einer Schafherde, die in den vergangenen Jahren über die Flächen zog und zumindest die Gräser abfras, gibt es außer dem Brennen auch die Möglichkeit, die Heide zu plaggen. Dabei wird die Heide mit zehn Zentimetern Mutterboden ausgegraben und abtransportiert. Zurück bleibt eine Art Mondlandschaft, die erst nach acht oder zehn Jahren wieder zugewachsen ist. Für diese Maßnahme erhält die Naturschutzgemeinschaft in diesem Jahr weitere 25 000 Euro Fördergelder für einen Hektar im Naturschutzgebiet Morsum Kliff.

Margit Ludwig sieht den Vorteil im Heidebrennen darin, dass es keine Biomasse gibt, die von der Insel gebracht werden muss, was mit hohen Kosten verbunden ist. Im Winter kann die Heide nicht verbrannt werden, da sie zu nass ist. „Jetzt im Sommer brauchen wir einen warmen, trockenen Tag und nur wenig Wind“, erläutert Margit Ludwig. Die Heide werde gegen den Wind gebrannt, so dass sie eher vor sich hin glühe und in die Tiefe brenne. Da ein Flächenbrand erzeugt werde, wandere die Glut langsam voran, sodass Tiere, die sich in der Heide aufhalten, ausweichen können. „Natürlich werden auch einige Insekten in Mitleidenschaft gezogen, aber das ist leider so. In der dann nachwachsenden jungen Heide finden wieder etwa 2 500 Tier- und 150 Pflanzenarten ihr zu Hause.“

Das letzte Heidebrennen ist über zehn Jahre her. Auch deshalb sehe die Naturschutzgemeinschaft dringend Handlungsbedarf. Wenn die Heide nicht gepflegt werde, drohe sie zu verbuschen, immer mehr Bäume würden einwandern, auch die Heckenrose würde sich radikal ausbreiten und die Heide verdrängen.

Auf Sylt wächst die Hälfte der schleswig-holsteinischen Heideflächen insgesamt und „es gibt hier ein großes öffentliches Interesse, dass die Heide erhalten bleibt“, so Margit Ludwig.

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