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Naturschutz auf Sylt : Glückliche Rinder auf dem Fliegerhorst

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ende des Jahres soll das renaturierte Gelände für die ersten Besucher geöffnet werden. Neuer Metallzaun trennt „Exklave“ der Hallen 25 und 28

Wie in einem geschützten Sondergebiet befinden sich jetzt die Hallen 25 und 28 plus des Vorfelds auf dem Marinefliegerhorst – mittlerweile abgesichert durch einen mehrere Kilometer langen und fast drei Meter hohen Metallzaun inklusive Stacheldraht. Nur ein kleiner Zugang führt hinüber zum Gelände des neuen Eigentümers, der Flughafen Sylt GmbH, an welche die beiden früheren Flugzeughallen per Mehrheitsbeschluss der Sylter Gemeindevertretung übertragen und damit das Votums des Bürgerentscheids umgesetzt wurde.

Ringsherum um diese „Exklave“ ist ein Großteil der Renaturierungsarbeiten auf dem ehemaligen Militärgelände mittlerweile abgeschlossen, berichtet Ruth Weirup, die Leiterin des Umweltamts der Gemeinde Sylt. Damit sind auch die Voraussetzungen geschaffen für einen baldigen „Einzug der neuen Bewohner“: Drei größere Teilbereiche der 40 Hektar, also 400  000 Quadratmeter umfassenden Gesamtfläche des Fliegerhorsts sollen künftig als „extensive Weiden für Robustrinder“ genutzt werden. Dazu seien bereits Pachtverträge mit Theide Andersen abgeschlossen, so Ruth Weirup. Der Fleischermeister und Landwirt aus Keitum darf künftig auf landwirtschaftlichen Flächen von insgesamt etwa 20 Hektar seine Galloway-Rinder weiden lassen, zur Zeit seien davon bereits acht Hektar nutzbar. Allerdings sind auf solchen ökologisch verträglichen „wilden Weiden“ nur 1,5 Großvieh-Einheiten je Hektar erlaubt – am Ende könnten in dem renaturierten Gebiet also zirka 30 der Rinder mit dem auffällig gelockten Fell leben.

Vorgeschrieben ist außerdem, dass die extensiven Weideflächen miteinander verbunden sind. Deshalb werden mehrere „Viehtunnel“ gebaut, damit die Galloways sich ungehindert von einem Teilbereich in den anderen bewegen können. Darüber hinaus sollen sich auf dem Gelände zumindest temporär auch Wanderschafherden aufhalten dürfen.

Doch damit noch nicht genug der tierischen Vielfalt in dem neuen Sylter „Ökoparadies“: In den beiden Waldstücken Lornsenhain und Friesenhain seien Nisthöhlen für Fledermäuse aufgehängt worden, berichtet die Umweltamts-Chefin. „Allerdings sind die Tiere wohl etwas scheu – zumindest sind sie bisher nicht in ihre neuen Wohnungen eingezogen.“ Anders dagegen in den ehemaligen Bunkeranlagen: Alle Eingänge seien zwar aus Sicherheitsgründen zugemauert, aber es gebe dort spezielle Vorrichtungen, damit die Fledermäuse weiterhin ihre geliebten Winterquartiere erreichen könnten. Durch das Anlegen von Kleingewässern sowie von Sand- und Steinhaufen wird auf dem Fliegerhorst außerdem zusätzlicher Lebensraum für Amphibien – die auf Sylt aktuell stark rückläufig sind – sowie für bedrohte Reptilienarten wie Zauneidechsen geschaffen.

Abgeschlossen sei mittlerweile die Entsorgung der zum Glück nur gering mit Schadstoffen belasteten Erdmassen, so Ruth Weirup. Knapp 12  000 Kubikmeter wurden aus dem Gelände abtransportiert und für Wegebaumaßnahmen auf der Insel verwendet. Ein sehr kleiner Teil, zum Beispiel aus Bereichen um frühere Tankstellen, musste als Sondermüll aufs Festland gebracht werden. Rund 20  000 Kubikmeter Boden wurden zur Landschaftsgestaltung und zur Modellierung von Hügeln und Wällen innerhalb des Gebietes selbst verwendet.

Die nächste größere Maßnahme, die auf dem Fliegerhorst ansteht, ist laut Umweltamtschefin die Anlage eines knapp ein Kilometer langen Wanderwegs für Fußgänger und Radfahrer. Er soll dem bestehenden Hauptweg durch das Gelände folgen und somit eine neue Verbindung von Munkmarsch bis nach Westerland schaffen. Zugänglich gemacht wird die Durchquerung des Geländes durch das Ostertor am sogenannten Paaner und das Westertor gegenüber der Turnhalle. Als weitere Zufahrt zu den Hallen 25 und 28 wurde ein neues Tor westlich in Richtung Flugwerft errichtet. Mit der Öffnung des renaturierten Geländes rechnet Ruth Weirup ungefähr für Ende dieses Jahres: „Wir liegen voll im Plan – zeitlich, aber auch finanziell.“ Bisher seien für alle erforderlichen Maßnahmen zirka 700  000 Euro ausgegeben worden. Im laufenden Jahr kämen weitere 200  000 Euro hinzu, insbesondere für den Wanderweg.

Für den Bau des aufwändigen Metallzaunes rings um die „Exklave“ wurden zirka 80  000 Euro fällig – allerdings nicht aus dem Budget für Renaturierung, sondern von der gedeckelten halben Million Euro zum Erhalt der Katastrophenschutzhalle. Dadurch sowie für Architektenleistungen und Gutachten zum Zustand der Hallen seien nunmehr rund 150  000 Euro bereits ausgegeben, wie Bürgermeister Nikolas Häckel bereits auf der letzten Gemeindevertretersitzung im Dezember einräumen musste.







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erstellt am 03.Feb.2017 | 18:00 Uhr

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