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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 00:42 Uhr

Glückliche Momente, mühsame Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Frieda Johannsen feiert heute ihren 105. Geburtstag / Die älteste Sylterin verfolgt noch immer sehr aufmerksam das Geschehen auf der Insel

Wenn Frieda Johannsen als junges Mädchen mit ihrer Familie eine der seltenen Reisen zum Festland antrat, dann konnte sie nicht einfach den Zug besteigen, sondern musste in Munkmarsch auf dem Dampfer einschiffen. Denn den Hindenburgdamm gab es noch gar nicht. Als dieser endlich eingeweiht wurde und ganz Sylt auf den Beinen war, um den Reichspräsidenten zu begrüßen, fehlte Friede Johannsen: „Ich hatte schlimme Halsschmerzen und musste das Bett hüten“, erinnert sich die hochbetagte Keitumerin, die heute ihren 105. Geburtstag feiern darf und damit zugleich der älteste Mensch der Insel ist. Es müssen wohl die guten Gene sein, die Frieda Johannsen von ihrem Vater mit auf den Lebensweg bekam. Jürgen Kamp, Ehrenbürger von Kampen, verstarb im Alter von hundert Jahren, und das war zu jener Zeit schon weit mehr als außergewöhnlich.

Im Laufe ihres langen Lebens erlebte die Jubilarin glückliche Momente, aber auch viele Zeiten der Mühsal: Ob in jungen Jahren („Zu jedem Konfirmationsunterricht und jedem Gottesdienst mussten wir von Kampen bis zur Keitumer Kirche laufen“), ob im Kriegszeiten („Man musste sich meistens mit Kohlsuppe und Gerstengrütze begnügen“) oder auch noch im Alter, als erst ihr Mann und später drei ihrer Töchter verstarben. Dennoch: Ihre Willensstärke hat Frieda Johannsen nie verloren. Diese kam ihr auch zugute, als sie 1949 mit ihrem Ehemann Erich ein altes Friesenhaus in Keitum erwarb, der Stammsitz des heutigen Hotels „Benen-Diken-Hof“, das inzwischen ihr Enkel führt. Zunächst betrieb das Ehepaar Johannsen hier noch Landwirtschaft, später wurden Zimmer für die ersten Gäste hergerichtet.

Frieda Johannsens besondere Freude sind heute die 14 Urenkel, gern spielt sie abends mit ihrer Tochter Erkel Karten („Da schummelt Mutter auch schon mal ein bisschen“), schaut sich im Fernsehen jedes Reitturnier an („Da darf sie dann keiner stören“) und genießt es, mit Sohn Claas ein paar Schritt in der Frühlingssonne zu gehen. Auch am Geschehen auf Sylt und in der Welt ist „Oma Frieda“, wie sie allgemein genannt wird, immer noch sehr interessiert. „Man will ja auch gerne was wissen“, betont die betagte Seniorin. Nur als sie kürzlich von ihrem Sohn durch ihr einstiges Heimatdorf Kampen kutschiert wurde, war sie nicht so begeistert: „Es ist nicht alles schön, was sich auf der Insel seit früher verändert hat.“

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