Plankton am Strand : Glibber-Teppich vor Sylt war ungefährlich

Während viele Strandgänger besorgt reagierten, freute sich Umweltbeauftragter Norbert Grimm über das Auftauchen der rötlichen Planktonteppiche. Foto: Jesumann
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Während viele Strandgänger besorgt reagierten, freute sich Umweltbeauftragter Norbert Grimm über das Auftauchen der rötlichen Planktonteppiche. Foto: Jesumann

Ein rostroter Glibber-Teppich verunsicherte viele Strandgänger. Doch es waren harmlose Algenfresser, die oft Meeresleuchten mit sich bringen. Auf Sylt hat das leider nicht geklappt.

shz.de von
06. Juli 2013, 05:54 Uhr

Sylt | Gert Haltermann war am Donnerstagmorgen nicht der Einzige, der besorgt auf das Wasser am Weststrand der Insel blickte. Wie dem Urlauber aus Bremen am Brandenburger Strand fiel vielen Spaziergängern an verschiedenen Abschnitten die rosa bis rostrote Färbung des Wassers auf. "So etwas habe ich hier noch nie gesehen - und ich gehe hier regelmäßig baden. Ich hoffe, dass es sich um eine Alge handelt und nicht um eine giftige Chemikalie."
Binnen kürzester Zeit mehrten sich die besorgten Anfragen bei den Tourismus-Services der Insel sowie im Sylter Umweltamt. Der Umweltbeauftragte, Diplom-Biologe Norbert Grimm, machte sich gleich auf den Weg, um die Ursache für die trübe, gallertartige Masse im Wasser zu ermitteln. Für den Planktologen keine allzu schwierige Aufgabe: Ein Blick und ein kurzer Geruchstest und Grimm identifizierte die schleimige Masse als Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans), ein Planktonorganismus, der sich von mikroskopisch kleinen Kiesel- und Schaumalgen ernährt. Grimm: "Die einen knappen Millimeter großen Meeresleuchttierchen weiden quasi die Algenblüte ab und sorgen nicht nur für klares Wasser, sondern sind zugleich Vorboten des Meeresleuchtens, eines der faszinierendsten Naturschauspiele an unserer Küste."

Ungewöhnlich nah am Strand

Auch wenn die Planktonteppiche ungewöhnlich nah am Strand trieben, sind sie doch ein für diese Jahreszeit typisches - und vor allem völlig ungefährliches - Phänomen. So deutlich wie Donnerstag sind die Massenansammlungen allerdings nur selten zu sehen. Die Organismen, die aussehen wie kleine begeißelte Ballons, treiben in großer Anzahl an der Oberfläche zusammen und bilden hier bei ruhigem Wetter rosa gallertig-glibberige Teppiche. "Darin kann man auch bedenkenlos baden, wenn einen die Konsistenz nicht stört - Algen sollen ja sogar gut für die Haut sein", erklärte Grimm.
Auch in Westerland und List ging man dem Naturphänomen auf den Grund: Eine vorsorglich durchgeführte Untersuchung der Feuerwehr Westerland ergab, dass weder Öl, noch Lauge oder Säure im Wasser nachweisbar war. "Die Routinemessung des Alfred-Wegener-Instituts an der Wattenmeerstation ergab eine hohe Konzentration von Leuchttierchen, aber auch von Schaumalgen", sagte der Leiter des Erlebniszentrums Naturgewalten, Dr. Matthias Strasser.

Der Wind war dann doch zu stark

Für alle, die sich besorgt bei ihm erkundigten, hatte Norbert Grimm einen Tipp parat: "Wenn diese Planktonteppiche auftauchen, sollte man sich freuen und mit Einbruch der Nacht an den Strand zurückkehren. Die Chance, Meeresleuchten zu erleben, ist dann sehr groß. Wer etwas Glück hat, kann sehen, wie das Meer bei jeder Bewegung aufleuchtet oder die Fußabdrücke am Strand blinken und glitzern."
Auf Sylt klappte das Donnerstagabend leider nicht mehr. Der Wind hatte die Kleinstlebewesen schon wieder zu weit auseinandergetrieben. "Vielleicht haben wir aber noch mal das Glück, wenn es windstill ist und diese Massen am Nachmittag oder gegen Abend auftauchen", sagte Grimm.

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