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Sylter Küstenschutz : Gibt das Land die Hörnumer Odde auf?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Anlieger und Gemeinde sind in Sorge. Zukünftig soll es keine weiteren Schutzmaßnahmen mehr für die Hörnumer Odde geben. Trotzdem verspricht der oberste Küstenschützer: „Die Odde geht nicht verloren und die Ortslage wird gesichert“

Richtiges Urlaubsgefühl mag bei Hausbesitzer Dirk Rasenack nicht aufkommen: Zu groß sind der Unmut und die Sorgen, die sich bei dem 58-Jährigen und seiner Frau in diesen Tagen regen, wenn sie die Sandabgänge in Sichtweite ihrer kleinen Immobilie im Süderende beobachten. „Wir befürchten, dass das Gebiet als Puffer gegen das Meer bald nicht mehr da ist“, sagt Rasenack und zeigt in Richtung des unteren Leuchtfeuers. Seine Befürchtung hat erst in der letzten Woche neue Nahrung bekommen, als eine Expertengruppe aus dem Kieler Umweltministerium gemeinsam mit Gemeindevertretern die Hörnumer Odde besichtigte. „Es gab im Anschluss eine klare Ansage“, berichtet Hörnums Bürgermeister Rolf Speth. Zunächst werde es keine weiteren Maßnahmen wie Sandaufspülungen oder neue Tetrapoden für die Odde geben, so der Entschluss der Fachleute. „Damit überlässt man die Odde schutzlos den Kräften der Natur und es wird sie bald nicht mehr geben“, schlussfolgert Anwohner Rasenack. Und auch Bürgermeister Speth, der die Zusammenarbeit mit den Küstenschützern in den letzten Jahren nach eigenen Worten zu schätzen weiß, ist mit dieser Strategie nicht glücklich: „Für mich und die Hörnumer Bürger ist die Odde natürlich schützenswert – wir werden weiter das Gespräch suchen.“ Auch er sieht die Gefahr, dass die Dünenlandschaft des Nehrungshakens dauerhaft unter den Fluten verschwindet.

Eine Sorge, die Dietmar Wienholdt, Leiter der Küstenschutzabteilung des Umweltministeriums, gestern zu entkräften bemüht war: „Die Situation südlich des Tetrapoden-Längswerkes sieht dramatischer aus, als sie ist. Für die bebaute Ortslage besteht keine Gefahr, sie ist durch den Umbau der Tetrapoden sogar besser geschützt als vorher.“ Weil die Erosion immer näher an die Ortslage rückte, hatte man erst im vergangenen Jahr freiliegende Tetrapoden vom Längswerk abgetragen und damit das Querwerk erhöht und nach Süden hin verlängert.

Auch diese Maßnahme hatten viele Anwohner während den letzten Monaten mit Skepsis verfolgt. Zwar würde der hinter den Tetrapoden liegende Strandabschnitt jetzt besser geschützt, doch dafür sei der Sandverlust unterhalb des Küstenbollwerks nun umso größer, berichtet Anlieger Dirk Rasenack, der den Küstenverlust regelmäßig mit seinem Fotoapparat dokumentiert.

Auch hier warnte Experte Wienholdt vor falscher Analyse: „Jedes feste Bauwerk führt zu Veränderungen. Für uns ist es ein Versuch und derzeit beobachten wir, was sich genau verändert und wie wir darauf reagieren.“ So habe sich hinter dem Längswerk ein starkes Sandpolster aufgebaut, das den Ort schütze, dafür habe die Erosion weiter südlich zugenommen. Gemeinsam mit der Gemeinde und dem Landschaftszweckverband Sylt werde man sich auf eine südliche Linie verständigen, bis zu der gegen die Erosion vorgegangen werde, so Wienholdt. Er verwies darauf, dass die Hörnum-Odde selbst noch nie durch Küstenschutzmaßnahmen gesichert wurde und somit ständigen Veränderungen unterworfen sei. „Die Odde, die ja auch erst relativ jung ist, wird also nicht verloren gehen, sondern sich weiter verändern. Dass sollte eigentlich jedem bewusst sein. Wir werden aber dafür sorgen, dass es genug Sandreserven gibt, um den Ort Hörnum vor Sturmfluten zu schützen.“

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erstellt am 04.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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