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Flüchtlinge auf Sylt : Gezielte Qualifizierung

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Während es bundesweit schwierig ist, auch nur vorübergehend Jobs für Flüchtlinge zu schaffen, geht die Insel den Weg gezielter Qualifizierung.

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erstellt am 15.Dez.2016 | 10:00 Uhr

„Job-Programm für Flüchtlinge floppt“ lautete gestern die Schlagzeile der Zeitungen des sh:z. Mit bisher nur 24 von 3400 vorgesehenen Stellen wäre Schleswig-Holstein deutschlandweit eines der Schlusslichter. Doch was heißt das für Sylt, wie ist die aktuelle Situation auf der Insel? Die Sylter Rundschau hat nachgefragt. Das Programm „Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen“ (FIM) des Bundesarbeitsministeriums sei ausschließlich dafür gedacht, Flüchtlingen Zusatzjobs in kommunalen oder gemeinnützigen Institutionen zu bieten, erläutert Peter Martensen, der Integrationsbeauftragte für den Kreis Nordfriesland. Aufgrund des „relativ robusten Arbeitsmarktes mit vergleichsweise geringer Arbeitslosigkeit“ bestünden auf Sylt in diesen Jobbereichen kaum Einsatzmöglichkeiten für Flüchtlinge, weil durch das Programm reguläre Beschäftigungen grundsätzlich nicht verdrängt werden dürften.

Anders sieht es jedoch in der freien Wirtschaft auf der Insel aus, insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie. Hier herrscht steigender Arbeitskräfte- und vor allem Fachkräftemangel. Deshalb haben Sylter Hoteliers wie Gordon A. Debus aus List und Claas-Erik Johannsen, Vorsitzender des Dehoga Sylt, das bundesweit einzigartige Pilotprojekt „Festmachen auf Sylt“ zur systematischen Vermittlung von Flüchtlingen in die Gastro- und Hotelausbildung ins Leben gerufen (wir berichteten). Unterstützt von Institutionen wie der Kreisverwaltung, dem Jobcenter Nordfriesland, der Agentur für Arbeit Flensburg, dem Verein Sylter Unternehmer und der Integrationshilfe Sylt sollen junge Asylbewerber durch berufsbezogenen Unterricht und Sprachbildung fit gemacht, im September 2017 eine reguläre dreijährige Berufsausbildung im Gastgewerbe beginnen können.

„Das Programm ‚Festmachen auf Sylt‘ ist am 17. Oktober mit mehr als 20 Teilnehmern sehr gut gestartet“, freut sich Danica Jansen von der Integrationshilfe Sylt. „Im Moment läuft die erste Praktikumsphase bei einem der 18 Dehoga-Betriebe, die den Geflüchteten im Anschluss auch einen Ausbildungsplatz anbieten.“ Insgesamt werden in Betrieben wie dem Benen-Diken-Hof, dem Arosa, Fitschen am Dorfteich, Landhaus Stricker oder dem Hotel Ringholt 32 Plätzezur Ausbildung als Restaurant- oder Hotelfachkräfte sowie als Koch geschaffen. „Am 1. Februar 2017 startet dann die zweite Phase zur Einstiegsqualifizierung, zu der noch weitere Teilnehmer erwartet werden, die jetzt aus verschiedenen Gründen noch nicht teilnehmen können“, erläutert Danica Jansen. Andere Asylbewerber machen bereits eine Ausbildung als Fliesenleger, in der IT-Branche oder als Elektriker. Viele der Geflüchteten arbeiten jedoch bereits in Betrieben auf Sylt – zum Beispiel in der Spülküche, im Housekeeping, als Maler oder als Dachdecker. „Es ist ja keineswegs so, dass nur unqualifizierte Personen nach Deutschland kommen – ganz im Gegenteil“, so Danica Jansen. Wichtig sei vor allem das Erlernen der deutschen Sprache. Volkshochschule und Integrationshilfe bieten ein umfangreiches Sprachangebot inklusive Kinderbetreuung bis zu fünf Tagen in der Woche an. Geflüchtete, die noch nicht arbeiten, helfen zum Beispiel, gespendete Fahrräder wieder fahrtauglich zu machen oder können ihre Räder selbstständig reparieren. „Auch hier werden einige Talente entdeckt und dann in Praktika oder Arbeit vermittelt“, so Danica Jansen. Vor einiger Zeit sei auch eine Mitarbeiterin des Landesförderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ mehrfach auf der Insel gewesen, um mit den Geflüchteten über die Anerkennung ihrer Zeugnisse und Zertifikate zu sprechen.

„Festmachen auf Sylt“ sei ein gutes Programm, dass von der Gemeinde sehr stark gefördert würde, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Darüber hinaus würden die VHS-Sprachkurse, die sehr gut frequentiert seien und auf die Basiskurse des Integrationsvereins aufbauen, durch die Gemeinde finanziell unterstützt. Aktuell sind auf Sylt 259 Flüchtlinge untergebracht, heißt es von der Gemeindeverwaltung. Unter ihnen sind 143 Männer, 50 Frauen sowie 66 Kinder. Diese Zahlen sind etwa seit April des Jahres weitgehend stabil. Zu- und Abgänge halten sich weitgehend die Waage.

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