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Wohnungsbau auf Sylt : Gewoba findet keine Grundstücke

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Statt auf Neubauten konzentriert sich die Baugenossenschaft auf die Renovierung ihres Insel-Bestandes an 1000 Wohnungen

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erstellt am 06.Okt.2017 | 05:20 Uhr

Der Druck auf dem Sylter Wohnungsmarkt ist nach wie vor groß – das erfahren auch die Mitarbeiter der Gewoba Nord nahezu täglich. Das Kundencenter der Baugenossenschaft ist für viele Wohnungssuchende auf Sylt neben der KLM-Kundenbetreuung der erste Anlaufpunkt, wenn es um günstige Mietangebote geht. Zwischen Rantum und List verfügt die Gewoba Nord über rund 1000 Wohnungen. Allerdings habe sich die Nachfrage in den letzten Jahren „leicht entspannt“, sagt Dirk Schmidt, der von seinem Niebüller Büro aus das Bestandsmanagement in der nördlichen Gewoba-Region leitet. Die Zentrale befindet sich in Schleswig, wo die Baugenossenschaft 1949 gegründet wurde. Für den leichten Nachfrage-Rückgang hätten aber nicht nur die Neubauprogramme gesorgt. Insbesondere viele Familien hätten sich entschieden, auf dem Festland ein bezahlbares Wohnhaus zu errichten und künftig für den Broterwerb nach Sylt zu pendeln, so Schmidt.

Die Gewoba Nord ist eine Baugenossenschaft – wer ein Wohnungsangebot möchte, muss zunächst fünf Genossenschaftsanteile im Gesamtwert von 260 Euro zeichnen, hat dann aber auch Anspruch auf eine Dividende. Wohnungssuchende können sich in die Warteliste eintragen lassen – wenn’s eilig ist, auch mit einem Nachweis der Dringlichkeit. Über die Wohnungsvergabe entscheidet dann ein neutrales, sechsköpfiges Gremium. Dabei wird auch die Dauer der Zugehörigkeit zur Genossenschaft angerechnet. Sofern der Mietvertrag zustande kommt, müssen je nach Wohnungsgröße weitere Anteile übernommen werden. Die Gewoba Nord verfüge derzeit über 6200 Wohnungen zwischen Hamburg und der dänischen Grenze, berichtet Schmidt, die Zahl der Mitglieder betrage 13  000. Mit 1000 Wohnungen auf Sylt sei die Insel „ein wichtiger Markt für uns“, erklärt der Abteilungsleiter. Allerdings kein einfacher Markt – denn es fehlt an Grundstücken für genossenschaftliche Neubauten. Sylter Grundstücke seien durchweg zu teuer, als dass sie durch Mieten zwischen sieben und acht Euro finanziert werden könnten. Durchschnittlich zahlten Gewoba-Nord-Mitglieder auf Sylt eine Miete von 7,50 Euro pro Quadratmeter. Die höchste Miete von elf Euro werde für eine Wohnung in der Westerländer Paulstraße berechnet.

Die Baugenossenschaft habe es sich in ihrem Fünf-Jahres-Programm zum Ziel gesetzt, 1000 weitere Wohnungen zu bauen, insbesondere an den Standorten Kiel, Schleswig, Flensburg und Husum. „Schade, dass auf der Insel Sylt nichts Neues zustande kommt“, bedauert Dirk Schmidt. Allerdings verfüge die Baugenossenschaft auf Sylt über einen großen Bestand an Wohnungen: „Wir haben für jeden Mieter die passende Wohnung.“ Die Mitglieder seien größtenteils Normalverdiener, auf Sylt viele Handwerker und Gastronomie-Beschäftigte.

Während genossenschaftsweit derzeit maximal ein Prozent der Wohnungen leerstünden, sei auf Sylt alles vermietet, berichtet Dirk Schmidt. „Die Nachfrage ist überdimensional groß.“ Interessenten kommen demnach nur zum Zuge, wenn jemand auszieht.Auf Sylt kann die Gewoba Nord derzeit zwar nicht in Neubauten investieren, steckt aber drei Millionen Euro in die Renovierung ihres Hochhauses Kirchenweg 17 – dem Leuchtturm-Haus neben der Westerländer Polizeiwache. Der Bau wird energetisch auf Vordermann gebracht, die Aufzüge und Treppenhäuser werden renoviert, einige Wohnungen auch komplett mit neuen Küchen, Badezimmern und Fußböden saniert. Nach Abschluss der Sanierung wird jede Wohnung über einen Balkon verfügen. Die Miete steigt von durchschnittlich fünf Euro auf 6,50 Euro, die komplett sanierten Wohnungen werden 8,50 Euro pro Quadratmeter kosten.

In der Planung ist der Neubau der einstmals als Seniorenwohnhäuser errichteten Hochhäuser in der Alten Bahnhofstraße 18, 19 und 20 in List. Dort seien derzeit 18 Wohnungen belegt. Die alten Gebäude sollen schrittweise abgerissen und durch Neubauten mit 24 bzw. 20 Wohnungen ersetzt werden. Das Projekt sei noch in der Vorbereitung, die Mieter würden jetzt behutsam in die Planung eingebunden. Das Dach über dem Kopf verliert keiner – als Mitglied der Gewoba genießt jeder ein lebenslanges Wohnrecht in den eigenen vier Wänden.

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