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Streit ums Essen : Getöteter Koch auf Sylt: Urteil erst am 23. März

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Ein Streit ums Essen soll Anlass für zwei Männer gewesen sein, Miki Nozawa brutal anzugreifen. Sie sehen das anders.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 07:29 Uhr

Flensburg | Im Prozess um eine tödliche Attacke auf den Sylter Koch Miki Nozawa sind am Freitag auch die Plädoyers verschoben worden. Zuvor war bereits das angekündigte Urteil verschoben worden. Die Schlussvorträge werden nun - wie auch das Urteil - am 23. März erwartet. Laut einer Sprecherin des Gerichts hatte die Kammer noch Beratungsbedarf. Für die Plädoyers hatte der Vertreter der Nebenklage für sich um eine Velegung auf den Tag des Urteils gebeten, der Staatsanwalt schloss sich an.

Vor dem Landgericht müssen sich zwei Männer, 38 und 51 Jahre alt, verantworten. Sie sollen im Mai 2013 mit dem 57-jährigen Koch in einer Tabledance-Bar in Westerland in Streit geraten sein. Dabei ging es laut Staatsanwaltschaft um ein Essen, das die Männer am Vortag im Imbiss des Kochs bekommen hatten. Das Opfer starb im Krankenhaus an schweren Hirnverletzungen. Der jüngere Angeklagte soll den Koch geschlagen und getreten, der ältere ihn gewürgt haben. Der 38-Jährige ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, der 51-Jährige wegen versuchter Nötigung.

Ein Sachverständiger erklärte am Dienstag, bei dem 57 Jahre alten Opfer sei ein ausgedehnter Sauerstoffmangelschaden festgestellt worden. Als Todesursache nannte er eine schwere Wassersucht des Gehirns. In einem weiteren chemisch-toxikologischen Gutachten eines Kollegen, das der Sachverständige ebenfalls vorstellte, war zudem vom Drogenkonsum des Kochs die Rede.

Außerdem kamen Vorerkrankungen des Opfers zur Sprache: Der Mann hatte demnach Bypässe, Arteriosklerose und Bluthochdruck. „Das Herz war ohnehin sehr vorbeschädigt.“ Nach Einschätzung des Gutachters ist es zudem fraglich, ob der Tod auch ohne den Kokainkonsum eingetreten wäre. Auch eine „nichttraumatische Ursache“, also eine nicht durch Schläge oder Tritte entstandene Ursache, könne bei einer Hirnblutung nicht ausgeschlossen werden. „Ohne Kokain, gesundes Herz, junger Mann - dann wäre das anders ausgegangen“, sagte der Sachverständige.

Nach dem Tod des Kochs gestalteten Freunde eine Gedenkstelle vor der Table-Dance-Bar.
Nach dem Tod des Kochs gestalteten Freunde eine Gedenkstelle vor der Table-Dance-Bar. Foto: Reussner

Am Freitag standen zwei weitere Gutachten im Mittelpunkt. Die massive Gewalt gegen den Koch wurde durch den Bericht einer Pathologin deutlich. Bei der Obduktion wurden unter anderem Schwellungen am Kopf festgestellt, Rippenbrüche sowie Blutergüsse an Brustkorb, Kniescheibe und „fingerkuppengroß“ an der Hand. An Nacken und Brustkorb gebe es zudem Muster, die „als mögliches Schuhprofil gedeutet werden können“. Das Gericht nahm die Schuhe der Angeklagten in Augenschein. Laut einem weiteren Gutachten waren an den Schuhen des 38-Jährigen Spuren gefunden worden, die vom Opfer stammen können. Die Schilderungen einer Zeugin, der 38-Jährige habe den Koch an den Schultern zu sich gezogen und sein Knie in den Bauch gestoßen, passen der Gutachterin zufolge zu den Verletzungen. „Mit Zugreifen auf die Schultern kann man sich das gut erklären.“

Ein zweiter Gutachter berichtete von einem Gespräch mit dem 38-Jährigen. „Er war sehr darauf bedacht, mir gegenüber fast schon eine Mauer hochzuziehen.“ Der Angeklagte habe gesagt, „dass es das Schlimmste sei, dass er den Ablauf nicht mehr wisse“. In einer vorgelesenen Erklärung hatte der Mann behauptet, einen Angriff des Kochs mit einem Schlag abgewehrt zu haben. Zudem will er vor der Tat 15 bis 20 halbe Liter Bier getrunken haben. Der 38-Jährige sei zumindest zum Tatzeitpunkt alkoholabhängig gewesen, sagte der Gutachter. Eine alkoholbedingte Persönlichkeitsänderung im Ausnahmezustand schloss er nicht aus.

Der Jüngere hatte am Mittwoch eine Tötungsabsicht bestritten. In einer Erklärung, die sein Verteidiger verlas, hieß es, der 38-Jährige sei selbst von dem Koch angegriffen worden. Der Angeklagte sei entsetzt, dass ein Leben ausgelöscht wurde. Er habe keinerlei Absicht gehabt, jemanden zu verletzen und den Tod eines Menschen zu verursachen.

Auch der ältere Angeklagte äußerte sich bislang nicht persönlich. In einem vom Richter verlesenen Brief an seinen Sohn erklärte er aber ebenfalls, das Opfer habe ihn angegriffen.

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