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Prozess in Flensburg : Getöteter Koch auf Sylt: „Ohne Kokain wäre das anders ausgegangen“

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Ein Koch starb auf Sylt nach einem Streit mit zwei Männern. Vor Gericht ging es am Dienstag um die Frage: Was hat Kokain mit dem Tod des Japaners zu tun?

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2015 | 16:02 Uhr

Flensburg | Zwei Gutachten haben am Dienstag im Prozess um den gewaltsamen Tod des Kochs Miki Nozawa auf Sylt für Wirbel gesorgt. Insbesondere ging es vor dem Landgericht Flensburg darum, welche Auswirkungen der Kokainkonsum des Opfers gehabt haben könnte. Die Staatsanwaltschaft wirft zwei 51 und 38 Jahre alten Angeklagten vor, in einer Tabledance-Bar mit dem Koch in Streit geraten zu sein.

Der Hintergrund: Die beiden Angeklagten sollen mit einem am Vortag in dessen Imbiss eingenommenen Essen nicht zufrieden gewesen sein. Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der 51-Jährige den Koch gewürgt, der 38-Jährige ihn getreten und geschlagen haben. Der Koch starb.


Ein Sachverständiger erklärte am Dienstag, bei dem 57 Jahre alten Opfer sei ein ausgedehnter Sauerstoffmangelschaden festgestellt worden. Als Todesursache nannte er eine schwere Wassersucht des Gehirns. In einem weiteren chemisch-toxikologischen Gutachten eines Kollegen, das der Sachverständige ebenfalls vorstellte, war zudem vom Drogenkonsum des Kochs die Rede.

Außerdem kamen Vorerkrankungen des Opfers zur Sprache: Der Mann hatte demnach Bypässe, Arteriosklerose und Bluthochdruck. „Das Herz war ohnehin sehr vorbeschädigt.“ Nach Einschätzung des Gutachters ist es zudem fraglich, ob der Tod auch ohne den Kokainkonsum eingetreten wäre. Auch eine „nichttraumatische Ursache“, also eine nicht durch Schläge oder Tritte entstandene Ursache, könne bei einer Hirnblutung nicht ausgeschlossen werden. „Ohne Kokain, gesundes Herz, junger Mann - dann wäre das anders ausgegangen“, sagte der Sachverständige.

Der Vertreter der Nebenklage stellte daraufhin den Tatvorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge infrage. Der Vorsitzende Richter ließ jedoch durchblicken, dass sich für ihn keine grundlegende Änderung ergebe. Es handele sich nur um einen neuen Aspekt.

Ein Polizeibeamter erklärte, an den Schuhen des 38-jährigen Angeklagten hätte sich zwar DNA-Material des Opfers befinden können - dies sei aber aufgrund der geringen Spuren nicht weiter verfolgt worden. Zudem sei am Nacken des Kochs eine Abdruckspur entdeckt worden, die sich mit dem Schuhprofil des 38-Jährigen „in Einklang bringen“ lasse. Dies habe sich jedoch nicht eindeutig feststellen lassen.

Der Prozess soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden.

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