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Konkurrenz für Sylt Shuttle : Getestet: Mit dem RDC-Autozug auf die Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zum ersten Mal nahm Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß den blauen Weg nach Sylt - ein Erfahrungsbericht.

„We wish you a pleasant journey“, knarzte es in einwandfreiem Englisch aus den kleinen Lautsprechern am Autozug Sylt. Der amerikanische Bahnkonkurrent Railroad Development Corporation (RDC) fährt also zweisprachig, dachte ich sofort – vielleicht auch ein bisschen, um zu demonstrieren, dass man wenigstens in einem Punkt der Deutschen Bahn überlegen ist.

Aber der Reihe nach: Am vergangenen Sonntag nahm ich nicht wie bisher den roten, sondern den blauen Weg nach Sylt. Ich hatte mich – als vorausschauende Beifahrerin – bereits in Hamburg über mein Smartphone informiert und wusste, dass passend zur Ankunft in Niebüll der Autozug von RDC abfahren würde. Das große Schild am Terminal „Nächste Abfahrt 11 Uhr“ war zwar eigentlich ein deutliches Signal – aber anscheinend für viele ankommende Reisende nicht überzeugend genug. Das wurde spätestens im Wartebereich vor der Verladung deutlich: Lediglich ein weiteres Fahrzeug stand vor uns in der RDC-Schlange. Das signalisiert nicht unbedingt Sicherheit. „Bestimmt werden es noch mehr“, sagten wir uns, „es ist ja schließlich der nächste Zug, der fährt.“ Aber alle Autos, die sich nach und nach einreihten, standen nicht auf unserer Seite, sondern auf der Spur des Sylt Shuttles. Dass die Bahn so treue Kunden hat, hätten wohl selbst die Kunden nicht erwartet.

Schließlich fuhren drei Autos auf den Autozug, während etwa 40 neben uns in der Sylt Shuttle-Schlange auf ihre Abfahrt 30 Minuten später warteten. Immerhin versuchte die Bahn, den Wartenden die Zeit etwas zu versüßen: „Der nächste Syltshuttle öffnet für Sie in 30 Minuten. Schauen Sie doch so lange in unserem Shop- und Bistro-Bereich vorbei“, tönte es alle paar Minuten fröhlich durch die Lautsprecher.

Auf unserem RDC-Autozug ging es auch fröhlich zu. Die Mitarbeiter klatschten und jauchzten bei jedem entfernt auftauchenden Wagen: „Da kommt noch einer, da kommt noch einer“ – um ihn dann mit einem enttäuschten Seufzen in die Sylt-Shuttle-Schlange fahren zu sehen. Der leere Autozug setzte sich schließlich in Bewegung und wie der rote rollte auch der blaue – wenn auch sehr einsam – nach Westerland. Bei der Ankunft hatte das allerdings einen Vorteil: So schnell waren wir noch nie vom Zug auf der Straße.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 05:30 Uhr

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