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Familientradition auf Sylt : Geschwister Herold: Kunst im Blut

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sie sind in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten und haben eigene Galerien in Kampen und Keitum eröffnet: Katharina Marie und Patrick Herold.

Das ist echtes Family Business: Seit einem Jahr sind Katharina Marie und Patrick Herold aktiv im Galeriebetrieb der Familie auf Sylt und in Hamburg tätig. Im Gespräch mit der Sylter Rundschau ziehen die Beiden ein erstes Fazit und werfen einen Blick in die Zukunft. Die Eltern haben es vorgelebt: Seit den 1970er Jahren in Hamburg und seit knapp 20 Jahren in Kampen auf Sylt betreiben Karin und Rainer Herold Kunstgalerien, spezialisiert auf die norddeutsche, klassische Moderne. „So war die Leidenschaft für Kunst bei uns Kindern schon immer vorhanden. Uns war immer klar, dass wir eines Tages in den familiären Betrieb einsteigen werden“, erläutert Sohn Patrick. „Nur der Zeitpunkt war lange ungewiss, bis der Moment im letzten Jahr plötzlich da war“ ergänzt seine Schwester Katharina Marie, die meist nur „Mausi“ genannt wird.

Bevor sich die Wege der Familie wieder in der norddeutschen Heimat kreuzen sollen, schwärmen die Kinder in die Welt hinaus. Erst einmal die Fühler ausstrecken, selbstständig sein. So studiert Patrick Herold bildende Kunst in England, um anschließend über die Sujets Grafik und Gestaltung in der Werbebranche zu landen. Nach dem Absolvieren der „Miami Ad School“ in Hamburg führt sein Weg nach New York, wo er bis 2014 als Werbetexter arbeitete.

Seine Schwester Katharina Marie studiert Kunstgeschichte am „University College of London“, bleibt anschließend an der Themse, um unter anderem bei Christie's im Department für alte Meister zu wirken. Während einem New York-Aufenthalt fängt sie an, eigenen Schmuck zu kreieren. Jedes Teil ein Einzelstück, meistens zusammengesetzt aus antiken Teilen und Flohmarkt-Funden: Das Schmucklabel „Heroldian Jewellery“ ist geboren. 2014 ist sie mit ihrem Job in einem Auktionshaus in Berlin nur teilweise zufrieden, auch Bruder Patrick fehlt die weitere Passion für seinen Job in der New Yorker Werbewelt.

Diese Umstände sind die Initialzündung für eine Familienzusammenführung: „Mausi“ zieht aus der deutschen Hauptstadt ins Kapitänsdorf Keitum. eröffnet in der Bahnhofstraße im August ihre eigene Galerie. Dort zeigt sie Bilder norddeutscher Künstler, Antiquitäten und individuelle Schmuckstücke. Bruder Patrick zieht mit seiner australischen Lebensgefährtin Elizabeth aus Brooklyn nach Hamburg, die beiden teilen sich mit dem Vater fortan die Ausstellungsfläche am Hamburger Standort in den Colonnaden und ergänzen das dortige klassische Programm mit zeitgenössischer Kunst. „Natürlich hat sich Hamburg gegen New York erst einmal angefühlt wie ein Dorf. Und mir fehlen ein paar Dinge wie das kulturelle Angebot, die einmalige Vielfalt des Essens und die amerikanischen Sportarten“ konstatiert Patrick.

Aber alles halb so schlimm. Denn Hamburg bietet seiner Meinung nach viel Potenzial, was den zeitgenössischen Kunstmarkt angeht. „Gerade im Bereich Urban- und Streetart passiert eine ganze Menge. Die Chancen, aktiv im Kunstbetrieb mitzumischen, sind viel größer als in New York.“ Seit kurzem stellt Patrick mit seiner Lebensgefährtin auch im Kampener „ Haus Meeresruh“ zeitgenössische Kunst aus, ihre Vernissage letzte Woche war ein großer Erfolg. „In der Hauptsaison und an wichtigen Feiertagen sind wir nun auf Sylt präsent, die restliche Zeit in Hamburg, eine schöne Abwechslung“, so schwärmt der Jung-Galerist von seiner alten und zugleich neuen Heimat.

Schwester „Mausi“ fühlt sich in Keitum rundum wohl. „In dem einen Jahr ist meine Galerie super angenommen worden, nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen.“ Über das nette Miteinander und die Hilfsbereitschaft im Dorf freut sie sich ganz besonders, denn dieser Aspekt macht ihr Leben hier besonders lebenswert. Das tröstet sie auch darüber hinweg, dass ihr die Live-Musik fehlt, die in London überall präsent war. Für die Zukunft ist es „Mausi“ besonders wichtig, die Familientradition fortzuführen und ihre eigene Passion, Schmuck zu gestalten, weiter voran zu treiben. Gerade hat sie sich eine Werkstatt über ihrer Galerie eingerichtet, um sich ihrer Leidenschaft noch besser und öfter widmen zu können.

In einem Punkt sind sich die Geschwister Herold übrigens besonders einig: weder im kulturell omnipotenten New York, noch im musikalischen London kann man nach Feierabend so genussvoll in brausende Fluten springen wie in der Nordsee ...



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