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Kultur auf Sylt : Geschichten vom Leichenschmaus und aus dem Paradies

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vor 150 begeisterten Zuhörern präsentierte Schauspieler Axel Pape im Kursaal³ seine Lesung „Küstennebel“

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 05:18 Uhr

Unprätentiös wie er selbst, war auch sein Erscheinen: Schauspieler Axel Pape betrat die Bühne des Wenningstedter Kursaal³ quasi durch die Hintertür. Gemütlich schlenderte er durch den Saal, grüßte hier, schüttelte dort die Hand eines Zuschauers, bevor er schließlich die Bühne betrat und seine Lesung unter dem Titel „Küstennebel“ passend einläutete – „für den heutigen Abend habe ich mir extra eine kleine Nebelmaschine angeschafft“, schmunzelte der Künstler.

Es war eine Premiere für Axel Pape und für Sylt gleichermaßen. Zwar hat der aus zahlreichen TV-Auftritten wie „Die Wache“, „Tatort“ oder „Alarm für Cobra 11“ bekannte Mime vor kurzem erst wieder in Emden eine Lesung gehalten, doch „KüstenNebel“ und Sylt, das war neu.

„Ich würde die Lesungen auf Sylt gerne fortsetzen, wenn sie das Interesse der Sylter und Gäste finden“, hatte der mit der Insel sehr verbundene Schauspieler im Vorwege konstatiert, und der Erfolg des Abends dürfte diese Absicht beflügeln: Rund 150 Zuschauer dankten mit kräftigem Applaus.

Drei Geschichten der beiden renommierten Autoren Jan Brandt und Hans-Erich Viet hatte Pape für den Abend ausgewählt, die mal humorvoll, mal tragisch an der Küste spielten. Konnten die Zuschauer etwa noch herzhaft darüber lachen, wie Brandt einen norddeutschen „Leichenschmaus“ schilderte, der mit zunehmenden Alkoholkonsum („Sogar Mutter trank ausnahmsweise mehrere Schnäpse“) die lukullische Fleischeslust thematisierte und für den veganen Erzähler unerquickliche Züge annahm („Kein Fleisch? Das ist wohl noch kindlicher Trotz“), so hinterließ die filigran konzipierte Geschichte „Das Paradies“ von Hans-Erich Viet, die ebenso unaufdringlich wie wirkungsvoll die Demenz thematisierte und in einer Tragödie gipfelte, am Ende betroffene Stille im Saal.

Für Sylter Lokalkolorit sorgten zwischen den Erzählungen kurzweilige Zitate von Prominenten wie Romy Schneider („Und in jeder Welle hängt ein nackter Arsch“) oder Emil Nolde („In den Sylter Nächten spürte ich den blassen kalten Mond, und draußen blitzten die Leuchtfeuer. Wein trank ich, als ob ich Trinker wäre“).

Es war ein gelungenes Sylt-Debüt, das Axel Pape abgab, wobei der Abend nicht nur von den Inhalten, sondern gerade auch von dem Vortrag lebte: Pape akzentuierte geschickt, wechselte Stimmlagen treffend und las in fehlerfreier Brillanz. Zu erwarten ist daher: Fortsetzung folgt ...


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