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Debatte auf Sylt : Gericht verbietet Bordell in Westerländer Innenstadt

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Entscheidung im Streit ums „Eve's“: Der Westerländer Nachtclub darf umziehen - allerdings nicht als Bordell.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 10:01 Uhr

Niebüll/Westerland | Im Bordell-Streit auf Sylt hat das Niebüller Amtsgericht am Mittwochmorgen eine Entscheidung getroffen: In das Appartementhaus „Ankerlicht" in der Innenstadt von Westerland auf Sylt darf kein Bordell einziehen. Die Räumlichkeiten dürften nicht für den Betrieb eines Bordell oder eines ähnliches Vergnügungsbetriebs an Dritte überlassen werden, verkündete eine Richterin.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich auf Sylt Widerstand gegen ein Bordell im Zentrum Westerlands regt. Vor gut eineinhalb Jahren scheiterte ein Bordellbetreiber aus Süddeutschland, ein Edelbordell in Westerland zu eröffnen.

Eigentümer von Wohnungen in dem Haus hatten gegen den geplanten Umzug des Westerländer Etablissements „Eve's“ geklagt, weil sie keinen Bordellbetrieb in ihrem Haus haben wollen. Einer der Eigentümer der Räumlichkeiten, Sven Paulsen, hatte allerdings damit argumentiert, dass die „Eve's“-Betreiberin Eva Gablenz in den neuen Räumlichkeiten eine ganz normale Schankwirtschaft betreiben würde. Das darf sie auch, bestätigte das Gericht.

Sollte es allerdings doch zu einem Bordell- oder bordellähnlichem Betrieb kommen, müsse der Vermieter ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro zahlen, beschied das Gericht.

Eva Gablenz wollte sich am Mittwoch zu dem Gerichtsbeschluss nicht äußern - auch nicht zu der Frage, ob sie derzeit ein Bordell betreibe und dies auch für die neuen Räumlichkeiten plane. Im Juli dieses Jahres betonte sie, nur eine Schankwirtschaft betreiben zu wollen – allerdings inklusive der freiberuflich arbeitenden „Mädels“, wie sie sagte: „Die gehen mit den Männern dann gegebenenfalls raus, alles andere spielt sich woanders ab“, erklärte die 67-Jährige.

Wohin die  Frauen gehen, das führte sie nicht weiter aus.  Auf der Homepage des „Eve's“ wird das Angebot eher vage beschrieben: „Wir sind ein seriöses Traditionsunternehmen mit reichhaltiger Erfahrung. Hier können Sie in gediegener Atmosphäre entspannen und sich wohlfühlen. In diskreter Manier kümmern wir uns um Ihren Abend. Kommen Sie vorbei und probieren Sie es aus."

Zudem wird dort unter der Rubrik „Jobs" derzeit nach neuen Mitarbeiterinnen gesucht: „Wir suchen internationale Mitarbeiterinnen! Wir bieten guten Verdienst und es sind Wohnmöglichkeiten in gepflegten Zimmern vorhanden. Du arbeitest auf der schönsten Insel Deutschlands und mit einem gepflegten Kundenkreis."

Ob das von Gablenz beschriebene Geschäftsmodell gegen die Auflage des Gerichts verstoßen würde, ist unklar: „Das wäre Auslegungssache“, sagte Gerichtssprecherin Sandra Johannsen auf Nachfrage unserer Zeitung. Gegebenenfalls könnten die Kläger einen Antrag stellen, dass das Ordnungsgeld fällig wird. Dann entscheidet das Gericht, ob diesem Antrag stattgegeben wird oder nicht.

Carsten Büttcher, einer der Kläger gegen den Eve’s-Umzug, sagte gestern, die Klägergruppe müsse nun hinsichtlich des weiteren Vorgehens Rücksprache mit ihrem Rechtsanwalt halten. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass Frau Gablenz ihr bisheriges Geschäftsmodell ändern wird“, so Büttcher weiter, „ich glaube nicht, dass sie die Pacht, von der man so hört, aufbringen kann, wenn sie in den neuen Räumlichkeiten lediglich Getränke ausschenkt.“

Büttcher, der selbst mehrere Ferienwohnungen im „Haus Ankerlicht“ besitzt, betont außerdem, sich weniger um das zu sorgen, was Eva Gablenz in den neuen Räumlichkeiten plane: „Bisher ging das ja immer ruhig über die Bühne.“ Er fürchte aber, dass Gablenz ihren Betrieb in näherer Zukunft aus Altersgründen aufgeben könne und anschließend andere Betreiber ihre Arbeit fortsetzen.

 

 

 

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