Kaserne in List auf Sylt : Gericht entscheidet über Wohnungsbau

Nach dem Scheitern der Internatspläne wollen die Eigentümer der Ex-Marineversorgungsschule in List den Bau von bis zu 370 Wohnungen erzwingen. Die Klage wurde bereits beim Verwaltungsgericht eingereicht.

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13. Dezember 2012, 08:56 Uhr

List | Dass List kein Internat bekommt, steht fest. Ob auf dem Grundstück der ehemaligen Marineversorgungsschule stattdessen Dauerwohnraum entsteht, ist unklar - und soll nun durch das Verwaltungsgericht in Schleswig geklärt werden. Die Klageschrift der Nordsee-College-Sylt Besitzgesellschaft (NCS) um Philipp Graf von Hardenberg ist am 6. Dezember bei der Gemeinde List eingegangen, erklärte Joachim Rück, freiberuflicher Berater der Gemeinde, in der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses.
Hardenberg hatte, wie berichtet, darauf gedrängt, einen Nachtrag zum Durchführungsvertrag zwischen Gemeinde und Besitzgesellschaft abzuschließen. Darin sollte unter anderem die Wohnbebauung auf dem Grundstück festgelegt werden. Die Gemeinde hatte daraufhin die Landesplanung um eine Stellungnahme gebeten. "Ein freiwilliger Verzicht der Gemeinde auf die beiden entscheidenden Passagen, 1,7 Millionen Euro Investition und drei Internats-Betriebsjahre, ist laut der Landesplanung nicht zulässig", so Joachim Rück. Wären diese beiden Bedingungen erfüllt, könnte möglicherweise ein Ergänzungsvertrag abgeschlossen werden.

"Eigentlich wollen wir beide dasselbe"

Hardenbergs Anwälte sehen das als gegeben, die Landesplanung und der Anwalt der Gemeinde allerdings nicht. "Wir streben ein Mediationsverfahren an", erklärte Philipp Graf von Hardenberg auf Nachfrage. Dabei wird ein Mediator zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Erfahrungsgemäß dauere so eine Verfahren bis zu einem halben Jahr. Ein Gerichtsurteil wäre frühestens nach eineinhalb bis zwei Jahren zu erwarten, so Hardenberg. "Und davon hätten beide nichts. Wir nicht und die Gemeinde auch nicht. Denn eigentlich wollen wir beide dasselbe: Wohnraum schaffen." Das bekräftigte auch Lists stellvertretender Bürgermeister Ronald Benck: "Es soll Dauerwohnraum entstehen, und es ist uns wichtig, dass es gesicherter Dauerwohnraum bleibt." Außerdem gebe es die Überlegung, das Grundstück zurückzukaufen. Mehr als eine Überlegung sei das aber im Augenblick nicht.
Bürgermeister Wolfgang Strenger wird am 18. Dezember ein Gespräch mit Vertretern der Landesplanung führen. "Wir hoffen, dass wir Argumente an die Hand bekommen, die wir auch vor Gericht vortragen können", erklärte Joachim Rück. Was bei dem Gespräch herauskommt, wird Thema in der Gemeindevertretersitzung am 19. Dezember sein.
Den Mitgliedern des Amtsausschusses ging es in ihrer Sitzung am Montag eigentlich um die künftige Nutzung der Schwimmhalle, die der NCS-Besitzgesellschaft gehört. Bis zum 31. Juli 2013 läuft noch der bestehende Nutzungsvertrag. Die Amtsgemeinden sprachen sich einstimmig dafür aus, Anfang nächsten Jahres Verhandlungen mit der NCS-Besitzgesellschaft aufzunehmen, um die künftige Nutzung der Lister Schwimmhalle für den Schul- und Vereinssport sicher zu stellen. Laut Rück ist die öffentliche Nutzung der Schwimmhalle im Durchführungsvertrag zwischen der NCS-Besitzgesellschaft und der Gemeinde List festgeschrieben. Hardenberg wollte sich auf Nachfrage der Sylter Rundschau nicht dazu äußern, wie es mit der Schwimmhalle weitergeht. "Eins nach dem anderen. Der Vertrag läuft ja noch bis zum Sommer."

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