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Sylter Zeitgeschichte : Geplatzte Sylter Deichträume

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind teilweise kuriose Sylter Deichbau-Pläne geschmiedet worden. Ein Nazi tat sich dabei als besonders weltfremder Phantast hervor.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Kaum hatte der Hindenburgdamm 1927 eine feste Brücke zwischen Sylt und dem Festland geschlagen, da spukten bereits weitere große Bauprojekte durch die Köpfe. Es war kein Geringerer als der Reichsmarschall Hermann Göring, der diese Pläne voran trieb. Göring, ein treuer Gast der Insel, hatte den Syltern im Jahr 1933 – er war just in Kampen zum Ehrenbürger ernannt worden – großspurig eine Deichverbindung hinüber zur Nachbarinsel Föhr versprochen, „so dass dem Meere das verschlungene Land wieder abgerungen wird und ein weites, fruchtbares Marschgebiet vielen Deutschen Platz, Brot und Arbeit gibt“.

Die Sylter Presse berichtete: „Hermann Göring ist ein Hauptprojekt ans Herz gewachsen: Die Deichverbindung Sylt-Föhr. Die Bevölkerung kann versichert sein: Es wird gemacht!“ Den großen Worten folgten jedoch keine Taten: Die immensen Kosten und später der Krieg machten die ehrgeizigen Pläne zunichte. Vor einigen Jahren wurde die Idee wieder aufgegriffen – diesmal aber aus einem anderen Grund: der verstorbene Sylter Küstenschützer Dr. Claus Andersen plädierte nachdrücklich für einen Deich zwischen Sylt und Föhr, um den Sturmfluten ein Bollwerk entgegen zu setzen.

Aber dies war nicht das einzige Projekt, das nach dem Bau des Hindenburgdamms angekurbelt werden sollte. Ebenfalls in den 1930er Jahren sann man ernsthaft darüber nach, den Hindenburgdamm auch für den Autoverkehr freizugeben. Verschiedene Lösungen waren im Gespräch; favorisiert wurden dabei eine Verbreiterung des Dammes um etwa sechs Meter zugunsten einer Straße oder aber eine Verkleidung der Bahnschienen mit Bretterbohlen, damit Kraftfahrzeuge den Damm in zugfreien Zeiten passieren konnten.

Dieses Thema beschäftigte die Bevölkerung in hohem Maße, wie diverse Zeitungsberichte und Leserbriefe insbesondere in den Jahren 1933 und 1934 dokumentierten. So gab ein Schreiber im Leserforum der Sylter Zeitung seiner Hoffnung Ausdruck, dass „unter dieser Voraussetzung zweifellos viele zahlungskräftige Gäste mit ihren Wagen herüber kommen“. Ein anderer sah im Geiste auf der neuen Straße bereits Autorennen stattfinden: „Das würde eine ideale Fahrbahn für den Autosport werden – freie Bahn auf der ganzen Strecke, denn es sind dort ja keine Häuser und Bäume vorhanden.“ Aber auch hier bremste der Zweite Weltkrieg das Vorhaben abrupt.

Die Idee aber lebte weiter. Im Jahr 1952 beispielsweise orakelte der Landesverkehrsverband Schleswig-Holstein in seinem Grußwort anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Damms: „Vielleicht wirst Du, lieber Hindenburgdamm, eines Tages ein Schwesterlein bekommen, die Autostraße an Deiner Seite; sie soll Dir einen Teil der Last abnehmen, die Du zu tragen hast, weil die Zahl der Kinder dieses Schwesterleins – die Autos – zu groß wird.“ Auch heute kommt der Vorschlag dann und wann erneut auf den Tisch, eine mautpflichtige Straße zu bauen. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Damms nebst eines jeweils hundert Meter breiten Streifens links und rechts der Schienen aber wäre schön dumm, ihr Monopol aufzugeben: Der Hindenburgdamm ist eine wahre Goldader, auf der jährlich nahezu eine Million Fahrzeuge von und nach Sylt befördert werden.  

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