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Gastronomie auf Sylt : Geöffnet in allen vier Jahreszeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Immer mehr Sylter Gastronomen entscheiden sich gegen eine lange Winterpause und haben auch in der Nebensaison normal geöffnet.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 16:56 Uhr

Winterpause: Das war in den 70er und 80er Jahren in der Sylter Gastronomie noch gang und gäbe. „Damals kam in den meisten Lokalen auf der Insel im September ein Schild ins Fenster auf dem ‚Geschlossen bis März‘ stand“, sagt Stephan Beck, Vorstand des Sylter Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Doch die Zeiten haben sich geändert: Immer mehr Lokale auf der Insel öffnen nun auch im Winter ihre Türen. Das liege vor allem an dem Umstand, dass sich Sylt in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer Ganzjahresdestination entwickelt hat, so Beck. „Das Gästeaufkommen ist auch in der kalten Jahreszeit hoch“, sagt er, „und anders als früher ist heute die Versorgungsleistung auf der Insel absolut gegeben.“

Auch Jutta Vielberg von Sylt Marketing weiß, dass der Winter auf Sylt für viele Gäste attraktiv ist. „Der Anteil der Gäste, die zwischen Oktober und März auf die Insel reisen, liegt immerhin bereits bei knapp 29 Prozent“, sagt sie, „und die schätzen nicht nur das raue Nordseeseeklima und die Ruhe abseits des Sommertrubels, sondern eben auch die touristische Infrastruktur – angefangen von der Möglichkeit, während eines ausgedehnten Strandspaziergangs einkehren zu können bis hin zur Möglichkeit, sich anschließend eine Wellness-Anwendung zu gönnen.“

 


Arbeitnehmer wollen Sicherheit


 

 

Aber auch ein anderer Grund lässt viele Betriebe von einer langen Winterpause absehen: „Die Arbeitnehmer in der Gastronomie wollen heute Sicherheit“, sagt Beck. „Da spielt natürlich auch Hartz IV eine wichtige Rolle. Viele Mitarbeiter legen Wert auf eine ganzjährige Beschäftigung und brauchen Verlässlichkeit. Im Sommer Koch auf Sylt, im Winter Skilehrer in St. Moritz, das gibt es so nicht mehr“.

Dass er seinen Mitarbeitern Sicherheit geben will sagt auch Jan Scharfe, Geschäftsführer vom Beachhouse Sylt an der Westerländer Strandpromenade. Er hat sein Lokal ganzjährig geöffnet. „Ich möchte viele meiner Leute fest beschäftigen“, sagt er, „vor allem, weil ich Mitarbeiter mit Familie habe, die im Winter nicht stempeln gehen sollen. Ich möchte ihnen einfach Sicherheit und Perspektive geben.“ Für Scharfe seien aber auch die Wintergäste Grund, den Laden geöffnet zu haben. „Gerade viele Stammgäste, die die ruhige Jahreszeit genießen, kommen im Winter gerne zu uns. Die freuen sich natürlich, dass wir offen haben.“

Auch Thorsten Möller, Inhaber von Möllers Anker in Hörnum, hat im Winter geöffnet. Nur im Januar legt er eine zweiwöchige Betriebspause ein. „Wir gehören hier unten im Süden allerdings zu den Einzelkämpfern“, sagt Möller, „fast alle anderen Betriebe haben geschlossen.“ Generell würde sich die Arbeit im Winter für ihn lohnen, „es sind genug Gäste da“, sagt er, „nur wenn das Hotel Budersand im Januar Winterpause hat, merken wir das deutlich.“

Doch nicht alle Restaurants öffnen im Winter ihre Türen. „Jeder gastronomische Betrieb soll natürlich selbst entscheiden, ob er im Winter auf hat oder nicht“, sagt Stephan Beck. Eine Sylter Gastronomin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schließt ihr Westerländer Restaurant von Anfang Januar bis Anfang März. „Das hat ganz klar wirtschaftliche Gründe“, sagt sie. „Wir können in der Saison unsere Mitarbeiter einfach nicht in einen dreiwöchigen Urlaub schicken, dafür bräuchten wir mehr Personal.“ Sogar über Biike bliebe der Betrieb geschlossen. „Es lohnt sich einfach nicht, für eine Woche den Laden aufzumachen und alles hochzufahren, da in der Zeit nach Biike die Insel wieder leer ist.“ Viele ihrer Mitarbeiter würden für die Winterpause gekündigt, bekämen allerdings gleich mit ihrer Kündigung ein Schreiben mit der Zusage, dass sie im März wieder eingestellt werden.

„Das machen viele so“, sagt Christian Groborsch, Sprecher der Agentur für Arbeit in Schleswig-Holstein. „Im Dezember und Januar schießen die Arbeitslosenzahlen in die Höhe, das kennen wir schon. Spätestens zu Ostern normalisiert sich das dann wieder und die Zahlen gehen wieder nach unten.“

So macht es auch Carla Wonneberger vom Restaurant Wonnemeyer in Wenningstedt. Ihr Lokal schließt (mit einer Unterbrechung über die Feiertage) im November und öffnet wieder im März. „Wir sind immer hin- und hergerissen“, erzählt sie, „natürlich ist es auch ein Service am Gast, den Betrieb geöffnet zu haben, aber bei uns hat es sich jetzt so eingependelt, dass wir schließen. Außerdem sind wir noch ein Sonderfall: Durch unsere direkte Strandlage sind wir, wenn es friert oder ein Sturm kommt, völlig ungeschützt. Daher sind wir im Winter sogar gezwungen zu schließen, weil es einfach zu kalt wird.“

Für ihre festen Mitarbeiter sei diese Pause wohltuend: „Nach einer erfolgreichen Sylter Saison ist eine Erholungsphase extrem wichtig“, sagt sie, „damit man auch wieder gestärkt in die neue Saison gehen kann.“

 

 

 

 

 

 

 

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