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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 22:04 Uhr

Gemeinsam einen guten Weg machen

vom

Über 45 Jahre seines Lebens verbrachte der Kampener Kapitän Falk Eitner mit Seefahrt - heute zeigt der 71-Jährige Gästen die Insel

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kampen | Wenn Falk Eitner über die Hecke seines Gartens blickt, dann ragt dort unweit seines Hauses der Kampener Leuchtturm in den Himmel. Genau wie das verlässlich blinkende Wahrzeichen, ist auch der 71-Jährige Eitner eine weithin sichtbare Erscheinung. Es bereitet keine große Mühe sich vorzustellen, wie der Zwei-Meter-Mann von der Brücke eines Tankers Kommandos auf schmächtige Matrosen herab brüllt: Eitner ist 45 Jahre zur See gefahren und groß wie ein Baum. Neben der Größe, hat der Kapitän im Ruhestand noch etwas mit dem schwarz-weißen Leuchtturm gemein: Auch er gibt Orientierung - als Kampener Gästeführer.

Heute hat der "Kampener Jung", wie er sich selber nennt, viel Zeit, um sich Gedanken über sein Leben zu machen, das er über viele Jahrzehnte dem Meer gewidmet hat. "Ich habe mein ganzes Leben auf dem Wasser, im Wasser und am Wasser verbracht." Bereits als 15-Jähriger bestieg er sein erstes Schiff, um das Seemannshandwerk zu erlernen. "Als Ziel haben wir damals Rio de Janeiro angesteuert." Der junge Falk Eitner war von dem Kontrast zu seiner Heimatinsel Sylt geradezu erschlagen: "Die Temperatur, die Farben und die Lebensfreude waren einmalig." Dagegen sei Sylt im Jahre 1958 noch "grau in grau" gewesen. Auf diese erste große Fahrt folgten noch tausende weitere Stunden auf dem Meer - unter dem Strich wurden es 45 Jahre Seefahrt. Ganze 25 Jahre davon lenkte Falk Eitner die Fähre "Vikingland" zwischen Röm und Sylt.

Die vielen Erfahrungen, die er während seiner Reisen zwischen den Inseln und Kontinenten gesammelt hat, stimmen den gebürtigen Kampener bis heute dankbar, aber auch nachdenklich. "Früher, als ich jung war, da habe ich die Welt nicht richtig gesehen", erinnert sich Eitner selbstkritisch. Damals habe ihm der Kompass und das Auge für die wesentlichen Dinge gefehlt. Nach seiner Pensionierung aus dem Fährdienst sollte sich dies grundsätzlich ändern: "Als ich in den Ruhestand ging, habe ich erst einmal vier Monate lang Brötchen auf dem Campingplatz verkauft, um zu lernen, mich nicht mehr so ernst zu nehmen."

Kurz darauf trat ein alter Freund mit einer Bitte an ihn heran: Der ehemalige Konteradmiral Klaus-Jürgen Steindorff, der über Jahre als Gästeführer in Kampen aktiv gewesen war, musste sein Hobby aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und vererbte es an den frischgebackenen Pensionär Falk Eitner. "Falk, nun bist du an der Reihe."

Das war im Jahr 2006 und der Ruheständler war anfangs skeptisch. Doch mittlerweile kann sich der 71-Jährige ein Leben ohne die Führungen nicht mehr vorstellen. "Der gemeinsame Weg" mit den Gästen habe ihm einen neuen - den "echten" - Blick auf die Dinge ermöglicht. "Ich habe schnell gemerkt, dass viele der Leute mit denen ich gehe, sehr beladen sind", berichtet Eitner. Dies sei auch der Grund dafür, dass er seine Führungen sehr persönlich und kommunikativ gestalte, "damit die Leute anfangen miteinander zu reden". Damit sein Konzept auf den Führungen auch aufgeht, ist der Kapitän mit seiner Zeit sehr freigiebig: "Meine Touren können gerne auch mal vier bis fünf Stunden dauern", droht er scherzhaft, "aber die Hauptsache ist, dass am Ende alle zusammen einen guten Weg gemacht haben".

Als weiteres Ziel seiner lehrreichen Ausflüge hat sich der Kapitän die Insel Röm ausgesucht. Dies verwundert nicht, war die dänische Insel doch jahrelang Dreh- und Angelpunkt seiner täglichen Fährfahrten und damit schon früher ein wichtiger Teil seines Lebens. "Ich liebe diese Naturinsel, die so ganz anders ist als Sylt", schwärmt der Vater einer erwachsenen Tochter. Es waren ganz besondere Momente, die Falk Eitner die Zuneigung für Sylts Nachbarinsel noch tiefer eingegeben haben: "Einmal habe ich dort acht Stunden allein am Strand verbracht und gegen 16 Uhr standen plötzlich Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel - da habe tief in mir gespürt: es ist schön auf der Welt zu sein."

Diese Devise scheint der aufgeräumte 71-Jährige verinnerlicht zu haben und möchte seine Erkenntnis über das Glück seither auch an andere Menschen weitergeben. Um an seiner dankbaren Einstellung festzuhalten, braucht Falk Eitner dabei nach eigener Aussage keine Religion, es reiche stattdessen ein kleiner Rucksack: "Den schnallen sie sich auf, suchen sich eine schöne Ecke auf dieser Welt und dürfen dann nur eines nicht vergessen einzupacken- Zeit."

www.unterwegs-mit-menschen.blogspot.de

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