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Hebammenmangel auf Sylt : Gemeinde wird zum Geburtshelfer

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Damit auch weiterhin Babys auf Sylt geboren werden können, hat die Gemeinde Sylt eine Lösung parat. Ob die Nordseeklinik dabei mitspielt, ist allerdings noch unklar.

Sylt | Manchmal kann die Lösung eines Problems relativ einfach sein. Das Konzept für die künftige Geburtshilfe auf Sylt, das am Mittwochabend auf der Sondersitzung des Gesundheitsausschuss der Gemeinde Sylt von den Beteiligten präsentiert und von der Gemeinde unterstützt wurde, scheint so eine „einfache“ Lösung zu sein. Nachdem die Wogen wegen des Fehlens einer zweiten Hebamme, der daraus resultierenden zeitweiligen Schließung der Geburtsstation und der öffentlichen Hilferufe der Nordseeklinik in den vergangenen Wochen vor allem in sozialen Netzwerken und Internetforen hoch geschlagen waren, haben alle Beteiligten außer der Nordseeklinik nun offenbar eine Ideallösung gefunden, damit es auf der Insel auch weiterhin gebürtige Sylter und vor allem sichere Geburten geben kann. Einziges Manko des Konzeptes: Die Nordseeklinik hat weder daran mitgewirkt, noch an der Sitzung teilgenommen, muss dabei jedoch mitspielen, da es sich um ihre Belegstation handelt.

Und so sieht die Idee aus: Statt der derzeit einzigen Hebamme Cornelia Bäcker werden sich künftig drei Sylter Hebammen um die Geburten kümmern. Die Hälfte der Dienste übernimmt Bäcker, die andere Hälfte teilen sich Anke Bertram und Heidrun Hepper. Da die Klinik lediglich für zwei Hebammen die Versicherungsbeiträge in Höhe von knapp 4500 Euro pro Jahr übernimmt, haben Politik und Bürgermeisterin signalisiert, den Rest zu übernehmen – möglichst ohne „Förderung einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Kapitalgesellschaft durch den Steuerzahler“, wie es der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm ausdrückte. Auch das Ausscheiden eines der beiden Gynäkologen zum Jahresende ist vom Tisch. Neben Dr. Zbigniew Budkowski wird auch Dr. Andreas Kirstein weiterhin Entbindungen vornehmen. „Wir werden uns die Arbeit lediglich anders aufteilen als bisher“, erklärte Budkowski am Mittwoch im Ausschuss.

Neben der Finanzierung der Versicherungsbeiträge einer dritten Sylter Hebamme aus dem Fonds „Familien in Not“ wäre die Gemeinde im Falle der Anstellung einer vom Festland kommenden zweiten Hebamme bereit, bei der Suche nach einer adäquaten Wohnung zu helfen. Zu dem von Kinderarzt Dr. Rainer Stachow, der neben der Leitung der Fachklinik Sylt auch die Neugeborenen betreut, vorgestellten Konzept gehört allerdings auch die Bereitschaft der Asklepios Nordseeklinik, die Vergütung der Rufbereitschaft für die Hebammen „an tarifliche Bestimmungen anzunähern“, wie Stachow es ausdrückte. In der möglichen Spanne von 50 bis 150 Euro pro Tag liegt die Nordseeklinik derzeit „am unteren Ende“, wie der vom Ausschuss befragte Betriebsratsvorsitzende Jörg von Böhlen erklärte. Zudem würden das Führen von Akten und Reinigungstätigkeiten nicht zu den normalen Aufgaben gehören, sondern müssten extra vergütet werden.

Eine in der Sitzung mehrfach als „genial“ und „ideal“ bezeichnete Lösung, die vielleicht dazu beitragen könnte, die Geburtenzahl in der Klinik zu steigern, nachdem im vergangenen Jahr 20 Prozent der Mütter freiwillige auf dem Festland entbunden haben. Allerdings blieben auch am Mittwoch einige Fragen offen. Neben der Frage, was die Klinik dazu sagen wird, gehört dazu auch, wie genau deren Versorgungsauftrag für die Insel aussieht und wie das Land als Auftraggeber zu der Situation steht. Unklar ist auch, warum Asklepios die Belegärzten seit Monaten auf neue Verträge ab 2014 warten lässt. Nachdem es am Vormittag vor der Sitzung zu einem Treffen von Vertretern von Asklepios und der Gemeinde Sylt gekommen war, sagte Bürgermeisterin Petra Reiber: „Wir haben den Eindruck, dass die Klinik wirklich bemüht ist, das Problem zu lösen.“

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erstellt am 04.Okt.2013 | 05:30 Uhr

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