Dauerwohnraum auf Sylt : Gemeinde vermietet „Bürgermeister-Wohnung“

Nahe an der Westerländer Innenstadt und direkt an den Dünen: Im Schützenhaus ist nun eine große Wohnung für 1600 Euro warm frei.
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Nahe an der Westerländer Innenstadt und direkt an den Dünen: Im Schützenhaus ist nun eine große Wohnung für 1600 Euro warm frei.

1600 Euro Warmmiete: Nach politischen Querelen ist nun die Sieben-Zimmer-Wohnung im Schützenhaus auf dem Dauerwohn-Markt.

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19. Juni 2014, 06:00 Uhr

Sieben Zimmer, Küche, zwei Bäder und Blick auf die Dünen: So eine Wohnung findet sich auf dem insularen Dauerwohnraum-Markt verhältnismäßig selten. Die hier beschriebene, 165 Quadratmeter große Unterkunft im Schützenhaus am Gaadt 31, hatte zwischenzeitlich für politische Verstimmungen gesorgt. Nun bietet sie das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) zum ersten August für rund 1600 Euro Warmmiete an.

Einst hatte die Gemeinde die Wohnung für Bürgermeisterin Petra Reiber vorgesehen. Als diese sich für eine andere Unterkunft entschied, die dem Energieversorger Sylt gehört, wurde die Wohnung vermietet. Der jüngste Mieter war die Asklepios Nordseeklinik, die die Wohnung im vergangenen Herbst per Losentscheid „gewonnen“ hatte und darin einen Arzt unterbringen wollte, sie dann aber offenbar leer stehen lies. Dies ärgerte unter anderem Gemeindevertreter Holger Flessau: „Die Nordseeklinik hat einen eigenen Wohnungsbestand“, sagt der CDU-Politiker, der findet, dass die Nordseeklinik aus diesem Grund gar nicht in den Lostopf gehört hätte. Nun wurde der Vertrag mit Asklepios aufgelöst – und beim KLM schon einige potenzielle Mieter vorstellig. „Es gibt Bewerbungen aus dem Bereich der Darseinsvorsorge, also beispielsweise Lehrer, Ärzte oder Polizisten“, bestätigt KLM-Leiter Marcus Kopplin unserer Zeitung. Es sei wichtig, dass die Wohnung an jemanden vermietet wird, „der für die Insel einen Mehrwert bietet“. Da auf den Listen des KLM kein passender Bewerber für die ungewöhnlich große und nicht für jeden bezahlbare Wohnung zu finden sind, wurde das Objekt nun öffentlich ausgeschrieben. Die Vergabekriterien, nach denen das Kommunale Liegenschafts-Management normalerweise die Dringlichkeit einer Wohnungssuche überprüft, werden bei dieser Vergabe nicht angewandt. Wer das zweite Stockwerk des Schützenhauses letztendlich bewohnen wird, entscheidet der Vergabeausschuss der Gemeinde Sylt.

Bevor der Hauptausschuss entschied, die Wohnung neu zu vermieten, wurde auch darüber diskutiert, sie bis zum kommenden Jahr frei zu halten, damit eventuell ein neuer Bürgermeister mit möglichem Familienanhang dort einziehen kann. Holger Flessau hätte davon nichts gehalten: „Petra Reiber ist da auch nicht eingezogen – vielleicht will es der oder die Neue auch nicht.“ Dafür würde Reiber nach Ende ihrer Amtszeit das von der EVS zur Verfügung gestellte Haus verlassen – und es damit gegebenenfalls für einen Nachfolger frei machen. „Ich bin erst einmal froh, dass wir die Wohnung im Schützenhaus endlich vermieten“, so Flessau. Für den nächsten Bürgermeister werde die Gemeinde schon eine passende Unterkunft finden.

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