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Ehemaliges Bundeswehr-Gelände in Tinnum : Gemeinde Sylt muss 192.000 Euro an den Bund nachzahlen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Obwohl die Gemeinde Sylt die Hallen 28 und 25 abreißen will, muss sie das Geld aufbringen. „Das ist vertragsgemäß - die Summe muss gezahlt werden“, weiß Bürgermeister Nikolas Häckel.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 12:45 Uhr

Tinnum | Ein klobiger, rund zehn Meter hoher Klinkerbau mit riesigen mintgrünen Stahltoren - das ist die Halle 28 in Tinnum. Jetzt muss die Gemeinde Sylt 192.000 Euro für das Gebäude sowie die dazugehörige Halle 25 nachzahlen. „Das ist vertragsgemäß - die Summe muss gezahlt werden“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel.

Gerade verhandelt er mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die das ehemalige Bundeswehrgelände 2008 an die Gemeinde Sylt verkauft hatte. Der Vertrag war damals allerdings unter der Bedingung geschlossen worden, dass das gesamte Areal renaturiert und die Hallen abgerissen werden. Doch obwohl die Gemeinde dieser Abmachung jetzt nachkommen will, muss sie den halben Wert der Halle für die „ruhige Nutzung“ nachzahlen.

„Eine weitere Verwendung der Hallen wäre rechtswidrig und laut Vertrag nicht vorgesehen – Verhandlungsspielraum gibt es hier nicht“, betont Häckel. Weil aber die Hallen zuletzt weiter genutzt wurden, muss jetzt gezahlt werden. Sollte dieser Gebrauch weiter geschehen, müssten die maroden Teile aufwendig renoviert werden, so Häckel. Diese Instandsetzung würde – laut Bürgermeister – insgesamt rund fünf Millionen Euro kosten, hinzu kämen demnach unter anderen Kosten für Straßenbau und Beleuchtung.

Seit rund sechs Jahren wird über die Gebäude mit den inzwischen angerosteten Toren auf der Insel diskutiert. Nach langem Hin-und Her hatten die Kommunalpolitiker im März beschlossen, die Klinkerbauten abzureißen. Die große Halle 25 soll bereits Anfang kommenden Jahres dem Erdboden gleichgemacht werden, teilte der Bürgermeister auf Anfrage unserer Zeitung mit. Ein genauer Termin stünde noch nicht fest. Der andere Gebäudeteil soll dann in rund zwei Jahren verschwinden. Bis Frühjahr 2018 soll das Vorhaben umgesetzt sein und das weitläufige Areal am Sylter Flughafen renaturiert werden.

Mit einem Bürgerbegehren wollen einige Sylter gegen diese sogenannte Null-Lösung, also den Abriss der ehemaligen Bundeswehrhallen sowie die anschließende Renaturierung, vorgehen. Die Abrisskritiker - zu deren Unterstützern auch die CDU, die Piratenpartei sowie die Sylter Unternehmer zählen – machen sich weiter für den Erhalt der Halle 28 stark, weil das Gebäude in ihren Augen im Katastrophenfall wichtige Funktionen übernehmen könnte. Die Insel brauche eine zentrale und geräumige Notunterkunft sind sie sich sicher. Außerdem hätten DRK und Feuerwehr keinen Platz für ihre Geräte und müssten sich dann komplett aus dem Katastrophenschutz zurückziehen.

„Bis Ende des Jahres werde ich die nötigen Unterschriften zusammenhaben“, sagt Lars Schmidt, Vorsitzender der Aktion Inselliste zukunft.sylt. Rund 2000 Signaturen brauche er, damit sein Antrag Aussicht auf Erfolg hat. „Wir sind da dran – das Ding ist noch nicht tot“, zeigte Schmidt sich kämpferisch.

Auch Oliver Ewald (CDU) ist zuversichtlich: „Wenn das Bürgerbegehren kommt, schätze ich die Chancen, dass genügend Unterschriften zusammenkommen, als realistisch ein“.

Seit sieben Jahren wird die Halle 28 vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Feuerwehren der Insel als Katastrophenschutzhalle genutzt: Dort werden zum Beispiel Sandsäcke gelagert und bei Katastrophen können hier bis zu 300 Menschen Zuflucht finden. „Aber nur um die Hallen für den Notfall für die Unterbringung von Personen vorzuhalten sind diese einfach zu teuer“, sagt Häckel. Was hingegen der Abriss sämtlicher Gebäude koste, müsse noch ermittelt werden.

Die hohen Kosten, die für den Erhalt anfallen würden, war für die Gegner der Hallen ohnehin das größte Argument. SPD, SSW, SWG und Grüne halten daher weiter an dem vor rund einem halben Jahr mehrheitlich getroffenen Beschluss fest, der die Abrisse bis 2018 vorsieht. „Die Gemeinde muss sich auch von Dingen trennen können“, sagt Gerd Nielsen (SPD). Ein mögliches Bürgerbegehren hat in den Augen des Abrissbefürworters keine Chance. „In die Halle müssten mehrere Millionen investiert werden, wenn sie nicht abgerissen werden – ich glaube nicht, dass die Sylter zu so etwas zustimmen werden.“ Zudem seien Unterkünfte für den Notfall in dieser Größenordnung auf der Insel nicht notwendig.

Doch die Hallen auf dem ehemaligen Militärflughafen bleiben solange stehen, bis ein Konzept für einen dezentrale Katastrophenschutz-Plan in Turnhallen und Hotels erarbeitet ist, lässt die Gemeinde Sylt mitteilen. Wenn es nach den Plänen der Abrissbefürworter geht, könnte bald ein Naherholungsgebiet auf der Fläche des Fliegerhorstes entstehen – mit einem Fahrradweg der dann auf direkterem Weg als jetzt von Tinnum nach Munkmarsch führt. „Das ist ein ganz besonderes Gebiet mit wilden Wiesen und Weiden sowie einem der ältesten Waldstücke auf der Insel“, schwärmt Gerd Nielsen.

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