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Pflegeplätze auf Sylt : Gemeinde Sylt kauft zwei Seniorenheime

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Einschnitt bei den Pflegeplätzen: AWO und Diakonie geben ihre Sylter Seniorenheime auf. Die Gemeinde Sylt springt ein.

Westerland | Im kommenden Jahr stehen große Entwicklungen in den Seniorenwohnanlagen in der Steinmannstraße und im Wenningstedter Weg an: Beide Gebäude werden vom Kommunalen Liegenschafts-Management der Gemeinde Sylt (KLM)für insgesamt 12 Millionen Euro gekauft. Die stationäre Pflege in der Steinmannstraße soll im Zuge dessen geschlossen werden, die dort untergebrachten Menschen sollen nach und nach in die Einrichtung am Wenningstedter Weg ziehen. Diesem Plan stimmten die Gemeindevertreter der Gemeinde Sylt in nicht-öffentlicher Sitzung einstimmig zu.

Alle Beteiligten an dieser „Senioren-Rocharde“ betonten, dass sich die Bewohner der Einrichtungen keine Sorgen machen müssten einen Pflegeplatz zu verlieren oder künftig schlechter leben zu müssen. Der Umzug in die Einrichtung am Wenningstedter Weg soll vorsichtig und im Einvernehmen mit den Bewohnern vonstatten gehen, heißt es.

Zunächst aber zu den genauen Pläne: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die die stationäre Pflege mit 55 Plätzen am Wenningstedter Weg bisher betreibt, will sich komplett von der Insel zurückziehen. Der soziale Träger habe die Einrichtung nicht mehr „zukunftsgerecht und wirtschaftlich“ betreiben können, sagte Bürgermeisterin Petra Reiber in einem Pressegespräch. Das Gebäude wird vom KLM gekauft, die es an die Johanniter verpachten, damit dieser Träger dort künftig die stationäre Pflege betreiben kann.

Ihre bisherige stationäre Pflegeeinrichtung an der Steinmannstraße mit 64 Plätzen geben die Johanniter dann allerdings auf. Auch dieses Gebäude wird vom KLM gekauft, die dort schon vorhandenen 48 Senioreneinrichtungen bleiben bestehen. Geplant ist, die bisherige Pflegestation in ein modernes, betreutes Wohnpflegeprojekt umzuwandeln. Dort sollen die Senioren zwar rund um die Uhr von einem ambulanten Pflegedienst betreut werden, gleichzeitig aber ihre Privatsphäre durch eigene Schlaf- und Badezimmer behalten können. Ob dieses Konzept umsetzbar ist, ist allerdings noch unklar. Sollte es klappen, könnten insgesamt 24 Senioren in einer dieser „WGs“ leben. So könnten auch einige der Pflegeplätze aufgefangen werden, die durch die Schließung der stationären Pflege wegfallen, sagte der Leiter des KLM. Sollte dieses Projekt allerdings scheitern, erläuterte Marcus Kopplin weiter, würde die Gemeinde als Plan B seniorengerechte Wohnungen in dem Gebäude bauen. So ein Prinzip hat KLM gerade bei der ehemaligen AWO-Senioreneinrichtung Ida-Ehre-Haus im Alten Kirchenweg umgesetzt. Wie viele Arbeitsplätze durch die Schließung der Pflegestation verloren gehen, sei noch unklar, sagte der Geschäftsführer der Johanniter, Horst Molenaar.

Dass die AWO nun auch dieses Altenheim aufgibt, hat natürlich auch Konsequenzen für die Anzahl der Pflegeplätze auf der Insel: Rein rechnerisch werden in der Gemeinde Sylt im Jahr 2015 149 stationäre Pflegeplätze gebraucht. Fallen jetzt die Plätze der Einrichtung an der Steinmannstraße weg, gibt es auf Sylt nur noch 85 stationäre Pflegeplätze – damit ist die Insel rechnerisch unterversorgt. Die Geschäftsführer von Johanniter und AWO betonen allerdings unisono, dass es real auf Sylt keinen Mangel an Pflegeplätzen geben wird, auch weil die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen tendenziell sinke und immer mehr Menschen auf ambulante Pflege setzen.

Marcus Kopplin ist dabei wichtig deutlich zu machen, dass es nicht am Kauf durch die Gemeinde liegt, dass die Pflegeplätze verschwinden: „Wenn wir nicht eingeschritten wären, würden die Pflegeplätze auch wegfallen.“ Denn auch ein privater Investor hatte Interesse an dem Grundstück in Sahnelage signalisiert, von ihm wären wohl eher luxuriöse Seniorenwohnungen geplant worden. Kopplin hält es deshalb „für gut, dass die Gemeindevertreter sich dazu entschlossen haben, diese Gebäude zu kaufen.“

Auch Petra Reiber lobte das Projekt als „Meilenstein“: „Andere Gemeinden geben ihre Immobilien auf, wir schwimmen gegen den Strom und kaufen neue.“ Dass die Umsetzung des neuen Konzepts in der Steinmannstraße nicht zu Lasten der dort lebenden Senioren geht, soll ein neu geschaffener Beirat, in dem auch Mitglieder der verschiedenen politischen Fraktionen dabei sind, die Veränderungen begleiten. Der Startschuss für die Umbauten und Umzüge soll im ersten Halbjahr 2015 fallen.

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erstellt am 22.Nov.2014 | 15:30 Uhr

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