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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 14:03 Uhr

Ehrenamt auf Sylt : Gelebte Nächstenliebe

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Babystube ‚Robin Hood‘ in Westerland erhalten bedürftige Eltern kostenlos Kleidung, Windeln, Cremes und Seife für ihre Kinder

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 05:08 Uhr

Meist werden sie schon sehnlichst erwartet, wenn die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Babystube in Westerland an jedem Mittwoch um 15 Uhr die Tür des unscheinbaren Hauses in der Käpt’n-Christiansen-Straße 10 öffnen. Denn hier bekommen bedürftige Eltern das, was sie für ihre Kinder am dringendsten brauchen. Darunter Windeln, Cremes und Seife, aber auch Kleidung und, wenn es nötig ist, auch mal ein Baby-Bettchen.

Das Haus, in dem die Babystube untergebracht ist, ist eigentlich das Zuhause einer Frauengemeinschaft, die nach dem Vorbild des heiligen Bonifatius lebt und die die Schirmherrschaft für die Babystube übernommen hat. Zum Wirken der Gemeinschaft gehört es auch, Menschen in der Not zu helfen. Und so kommen jeden Mittwoch Eltern zu ihr, die ihre Hilfe brauchen. „Die Babystube ‚Robin Hood‘ ist eine bargeldlose Tauschbörse für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr“, erzählt Christiane Scheffke, die sich ehrenamtlich in der Babystube engagiert. Das macht sie in der Regel gemeinsam mit Schwester Patricia Döbbeler – und hin und wieder ist auch Zahra Mohammadi aus Afghanistan dabei, um bei Sprachproblemen zu helfen.

Für Neugeborene gibt es dort eine Erstausstattung mit allen nötigen Dingen, die junge Eltern brauchen. „Wenn die Kinder dann aus den ersten Sachen herausgewachsen sind, tauschen wir sie in die nächste Größe“, sagt Scheffke. Und für die meisten Eltern sei es ganz selbstverständlich, sich an den „Tauschhandel“ zu halten.


Entstanden aus einer Notsituation


Enstanden sei die Babystube aus einer Notsituation heraus, erinnert sich Scheffke. „Es kam jemand zu uns, der nichts hatte – und in ganz kurzer Zeit haben es Kindergarteneltern möglich gemacht, die nötigsten Sachen zusammenzutragen. Da wussten wir, wir können und müssen etwas auf die Beine stellen, damit auch die Menschen und vor allem die Babys, die nichts haben, versorgt sind.“

Zielgruppe sind alle bedürftigen Eltern, die auf der Insel leben: „Uns ist es ganz wichtig, dass wir Sylter und Flüchtlinge versorgen können“, sagt Scheffke. „Flüchtlinge haben wir derzeit natürlich mehr, aber die Sylter kommen auch. Zwar seltener, aber dafür holen sie meist ganz gezielt die Sachen, die sie dringend brauchen.“

Im Juli 2017 wird die Babystube bereits zwei Jahre alt und ist seitdem für viele Eltern auf der Insel ein wichtiger Anlaufpunkt. 25 bis 30 Familien würden regelmäßig kommen, schätzt Scheffke. Dennoch würden viele Insulaner die Einrichtung noch nicht kennen: „Wir haben uns extra zurückgehalten und sind wenig an die Öffentlichkeit gegangen, sondern haben uns auf die Mundpropaganda verlassen“, sagte Scheffke. „Da wir nur zu zweit sind, darf eine gewisse Größe nicht überschritten werden, das können wir sonst nicht mehr bewältigen.“ Von der Babystube erfahren die Eltern meist über die Beratungsstelle „Familie im Mittelpunkt“ oder auch über die Sylter Frauenärztin Bettina Köhne, die die Eltern in ihrer Praxis gezielt in die Babystube schickt.

Die Kleidung bekommt die Babystube gespendet, daran beteiligt sich auch die AWO. Aber auch Geldspenden erreichen die Babystube. „Davon kaufen wir dann Windeln, Wundcreme, Seife und Hautcreme“, sagt Scheffke, die für den Einkauf zuständig ist. Durch eine bedürftige Familie ist auch der Lions-Club Sylt auf die Babystube aufmerksam geworden und wollte aktiv werden: 500 Euro für Windeln spendete der Club erst kürzlich dem Haus Bonifatius für den Kauf von Windeln (siehe Foto).

Aber die Hilfe, die die Babystube erfährt, beginnt auch im Kleinen: Ein älterer Herr aus Stade sammele zum Beispiel in seinem Umfeld Zehn-Prozent-Gutscheine für Rossmann, erzählt Scheffke. „Die schickt er uns mit der Post zu und dadurch sparen wir.“ Es gäbe auch einige Sylter, die Windelpakete vor die Tür stellen, der Bischoff hat schon gespendet und es gab auch schon eine Großspende von einem Sylter. Durch eine bedürftige Familie ist auch der Lions-Club Sylt auf die Babystube aufmerksam geworden und wollte aktiv helfen: 500 Euro für Windeln spendete der Club kürzlich dem Haus Bonifatius. Aber auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sammeln, wenn sich die Möglichkeit ergibt: „Bei meinem letzten Geburtstag habe ich keine Geschenke gewollt, sondern nur Spenden für die Babystube“, sagt Scheffke. Dem Großteil der Sylter gehe es so gut, „wenn von mehr Menschen nur einmal die Woche ein Paket Windeln gespendet werden würde, dann wären wir aus dem Schneider.“

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