Tödlicher "Syltshuttle"-Unfall : Geldstrafe im Berufungsprozess

Der Angeklagte Michael K. und seine Anwältin. Foto: Sörensen
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Der Angeklagte Michael K. und seine Anwältin. Foto: Sörensen

Geld- statt Bewährungsstrafe: Der Zugführer des "Syltshuttle", auf dem im September 2009 ein Lkw-Fahrer starb, muss 3750 Euro zahlen.

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10. September 2010, 06:13 Uhr

Das Landgericht Flensburg hat den Zugführer Michael K. am Donnerstag im Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf dem Hindenburgdamm zu einer Geldstrafe von 3750 Euro wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Damit änderte es das vom Amtsgericht Niebüll im Mai festgesetzte Strafmaß ab.
Der 22-jährige Angeklagte habe die Betriebs- und Beladevorschriften nicht umgesetzt, weswegen es zu dem Unglück gekommen sei, sagte ein Gerichtssprecher in Flensburg. Er habe nicht nach dem tatsächlichen Gewicht der Ladung gefragt, was er hätte tun müssen. Der mit leichtem Dämmmaterial beladene Lastwagen wog nur 1476 Kilogramm und hätte deswegen zusätzlich mit Spanngurten gesichert werden müssen.
Landgericht sieht Mitverantwortung der Bahn
Das Fahrzeug war Anfang September 2009 bei stürmischen Wetter auf der Strecke zwischen Niebüll und der Nordseeinsel Sylt von dem Autozug gestürzt. Dabei wurde der 32 Jahre alte Fahrer so schwer am Kopf verletzt, dass er starb. Im Mai war der Angeklagte vom Amtsgericht Niebüll zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Berufungskammer des Landgerichts schloss sich den Schuldvorwürfen an, sah hingegen keinen Grund für eine Freiheitsstrafe, vor allem da der Angeklagte vom Geschehen stark geprägt sei und sich in psychiatrischer Behandlung befinde, sagte der Gerichtssprecher. "Deshalb war eine Freiheitsstrafe zur Einwirkung auf den Angeklagten nicht erforderlich".
Das Landgericht hat in seiner Entscheidung unter anderem eine mögliche Mitverantwortung der Deutschen Bahn und die Verlade- und Betriebsanweisungen berücksichtigt. Die Anweisungen sind nach dem Unglück verschärft worden. Die Anwältin des Angeklagten hatte gegen das Niebüller Urteil Berufung eingelegt.
Vieles nur theoretisch vermittelt bekommen
Anders als im ersten Strafprozess äußerte sich K. selbst zu den Vorwürfen und sorgte mit der Schilderung des Unfall und zu Bahnbetriebsabläufen für Überraschungen. So sei er über eine Zeitarbeitsfirma der Bahn für den "Syltshuttle" eingesetzt worden. Viele Vorschriften seien ihm nur theoretisch vermittelt worden. Zudem hatte er zu dem Zeitpunkt keinen Führerschein - "daher kannte er sich über Lkw-Tonnagen und vieles andere gar nicht aus", sagte die Rechtsanwältin des Angeklagten. Auch sei der Zeitdruck bei der Bahn so enorm gewesen, dass einige Fragen mitunter auf der Strecke blieben.
Den Vorwurf, ihr Mandant habe sich nicht ausreichend über die Beladung und das Gesamtgewicht des dann verunglückten Lastzuges erkundigt, wies die Anwältin zurück. Der Fahrer hätte die geringe Beladung konkret nennen müssen, das hätte ihr Mandant nicht sehen können.
"Auch der Angeklagte ist ein Opfer"
Nebenklägerin Monika Stubbe und ihr Mann Walter, die Eltern des bei dem Unfall getöteten Lkw-Fahrers, wollten vor allem eine Aufklärung dessen, was sich wirklich bei der Verladung und während der Zugfahrt ereignet hat. "Wir sehen den Angeklagten auch als Opfer in dem großen Getriebe der Bahn", sagen sie. Eine Mitschuld ihres Sohnes an dem Unfall schließen die Nebenkläger allerdings vollständig aus.
Bereits eine Woche nach dem Unfallergebnis, wurden auch auf Drängen des Angeklagten, sowie mit der Unterstützung von Bahnexperten, die Anweisungen zu Betriebsverladevorgaben umfassend überprüft und in Teilen geändert.

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