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Sylter Rundschau

18. Oktober 2017 | 21:19 Uhr

Gegen den Trend: Sanieren statt abreißen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Drei Geschwister aus Hamburg entschieden sich gegen den Abriss zweier Wohnhäuser in Westerland und sanierten stattdessen ihre Immobilien

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Statt in die Jahre gekommene Sylter Immobilien zu modernisieren, entscheiden sich viele Besitzer und Investoren für deren Abriss. Dort wo früher die alten Wohnhäuser standen, werden dann oft lukrativere Ferienappartements errichtet. Anders ist das in der Westerländer Steinmannstraße 22 und 24. Hier entschieden sich die Besitzer gegen einen Neubau und sanierten ihre 75 Jahre alten Häuser. Damit entgingen die Gebäude dem Schicksal ihrer Nachbarn – denn ursprünglich waren die Häuser Teil eines Ensembles, das 1939 entstand und fünf Immobilien umfasste. Doch von den Backsteinbauten stehen heute nur noch die frisch renovierten Hausnummern 22 und 24.

„Vor zwei Jahren standen wir vor der Wahl, ob wir sanieren, verkaufen oder die Häuser abreißen lassen und neu bauen“, erinnert sich Sabine Kabelitz. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ulrike Friedrich und einem Bruder erbten sie die zwei Immobilien von ihrem Vater Hans Winkelmann in den 90er-Jahren. Bald gab es Handlungsbedarf für die bei Hamburg lebenden Geschwister: Feuchte Wände und ein horrender Energieverbrauch waren die größten Probleme, die es zu lösen galt.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen und wir haben lange überlegt“, gibt Ulrike Friedrich zu. „Aber wir fühlen uns als Sylter, haben seit unserer Kindheit jeden Urlaub hier verbracht und wollen die Wohnungen auch für Sylter erhalten.“ Das sei vielleicht etwas trotzig gewesen, analysiert Sabine Kabelitz die Entscheidung der Geschwister, „aber wir wollten hier nicht noch mehr Ferienwohnungen bauen und außerdem hängt hier viel Herzblut dran.“ Zudem werde es für Sylter auch immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden, so die Besitzerin.

Schließlich lief die Komplettsanierung der beiden Gebäude im Oktober letzten Jahres an. Kurz vor Weihnachten waren die Arbeiten abgeschlossen. Der rote Backstein ist seither unter weißer Farbe verschwunden, Dach und Gauben sind erneuert und das Gebäude energetisch saniert. Auch wenn ihnen im Vorfeld viel Geld für die Immobilien geboten worden sei, die Investition von rund 750 000 Euro habe sich gelohnt, sind sich die Schwestern einig. „Auch die Heizkosten haben sich fast halbiert.“

Die Rückmeldung von Seiten der elf Familien, die jeweils eine der rund 100 Quadratmeter großen Wohnungen bewohnen, ist ebenfalls positiv: „Wir sind total glücklich, dass die Vermieter diesen Schritt gegangen sind“, sagt Mieterin Andrea Horn. „Vergleichbare Angebote für Familien so dicht am Zentrum und zum Strand findet man sonst nicht mehr.“

Auch aus der Kommunalpolitik kommt Zustimmung für die Entscheidung der Hamburger Geschwister. Hier wird ihr Vorgehen zudem als ungewöhnlich wahrgenommen: „Auf der Insel wird sehr häufig auf Neubau gesetzt, insofern handeln die Besitzer hier eindeutig gegen den Trend“, findet der Vorsitzende des Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Sylt, Bernd Christensen.


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