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Buhnen auf Sylt : Gefährliche Überbleibsel vergangener Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Viele Menschen auf er Insel haben die Buhnen als Motive lieb gewonnen. Fachleute des Küstenschutzes schätzen die Holz-, Beton- oder Stahlbuhnen allerdings schon lange nicht mehr als wirksam ein, ja sogar als gefährlich.

Die langen Pfahlreihen aus Holz, die sich am Sylter Strand rechtwinklig zur Uferlinie ins Meer erstrecken, gehören zu unserem Strandbild dazu. Viele Menschen auf er Insel haben die Buhnen seit ihrem bestehen als Motive lieb gewonnen. Die Fachleute des Küstenschutzes schätzen die Holz-, Beton- oder Stahlbuhnen allerdings schon lange nicht mehr als wirksam ein. Seit 1867 gehörten sie in die Liste der Küstenschutzmaßnahmen. Im Laufe der Jahrzehnte musste man jedoch erkennen, dass mit dem Setzen dieser Buhnen das gesteckte Ziel nicht erreicht werden konnte. Die starke Brandung an der Westküste der Insel verhinderte die Bindung von Sandmassen. Es war sogar zu beobachten, dass entstehende Sandablagerungen durch die Verwirbelung des Wellenschlages fortgespült wurden. Neben der Erkenntnis, dass die Buhnen an der Westküste kein geeignetes Küstenschutzmittel sind, kam eine andere bedrohliche Erfahrung hinzu: Im Laufe der Verwitterung wurden die als besonderes Küstenschutz Element gepriesenen Buhnen zu einer Gefahr. An den Holz- und Betonbuhnen setzten sich Seepocken fest. Das sind „Rankenfüßer“, die zur Gruppe der Krebse gehören. Diese Tiere setzen sich am Holz fest und ihre weißlichen Kegel bilden scharfe „Kanten“ an denen sich badende Menschen verletzen können. An den Stahlbuhnen sorgte Rost und das salzige Wasser für messerscharfe Kanten. Mit der Zeit mussten Badende vor diesem gefährlichen Teilen im Wasser gewarnt werden. Trotz der warnenden gelben Kreuzen am Ufersaum nahm die Zahl der Verletzungen zu.

Im Allgemeinen bildete sich die Auffassung, dass diese ehemaligen Küstenschutzbauwerke entfernt werden müssten. Die Errichtung der Buhnen waren einstmals von den staatlichen Wasserbaubehörden in Auftrag gegeben worden. Eine Verantwortlichkeit für eine mögliche Entfernung der gefährlichen Teile war daher nicht geregelt. Nach und nach konnten einige Buhnenanlagen im Rahmen von Sandvorspülungsmaßnahmen entfernt werden. Vom Landschaftszweckverband Sylt konnten einige Stahlbuhnen probeweise aus dem Unterwasserbereich „gezogen“ werden. Einige gezogenen Stahlbuhnen, die „aufgewickelt“ am Strand lagen, lockten Menschen an. Es gab auch Abnehmer, die die Stahlteile als Kunst sahen. Man hoffte damals, dass die weiteren Stahlbuhnen auch nur 1,50 Meter tief im Sand steckten. Bei dem Versuch, weitere Stahlbuhnen zu ziehen, musste allerdings tief gegraben werden: Bis zu sechs Meter tief waren diese „Spundwände“ in den Sand gerammt worden. Der Gedanke, den sichtbaren Teil der Stahlbuhnen abzuschneiden, musste verworfen werden, da die Schnittstelle als eine gefährlich scharfe Kante bleiben würde. Von mehr als 200 Buhnen stehen an der Westküste der Insel noch 81 Anlagen. Da die Frage der Finanzierug auch nicht geklärt werden konnte, blieben die gelben Kreuze am Flutsaum die einzige Warnung vor den Gefahrenstellen.

Am Kampener Strand hatten im Jahr 2011 zwei Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren damit begonnen, bunte Freundschaftsbänder zu knüpfen. Die Aktion war erfolgreich und nach Abschluss der Saison spendeten sie einen Teil ihres Verkaufserlöses an die Gemeinde, zweckgebunden zur Entfernung von Buhnen. Nach mehreren Jahren hatte sich auf den Sonderkonto der Gemeinde so eine große vierstellige Summe angesammelt, doch ein Einsatz dieses Geldes konnte vor der Abklärung, ob die Buhnen entfernt werden dürfen, nicht erfolgen. Nach konsequenten Bemühen war vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz ein Konzept entwickelt worden, mit dem die Entfernung von Buhnen im Zusammenhang mit den Ausgleichsgeldern bezüglich der Sandvorspülungs-Maßnahmen finanziert werden kann. Es bleibt dabei aber noch eine Lücke. Der Landschaftszweckverband Sylt will sich um die Bereitstellung weiterer Gelder kümmern. Das Geld der beiden Mädchen wird auch als Zuschuss Verwendung finden.

Die Stiftung Küstenschutz Sylt möchte im Rahmen einer besonderen Aktion dazu aufrufen zweckgebunden Geld für die Entfernung eines Gefahrenpotentials an unserer Nordsee zu spenden. Die Entfernung einer alten Buhnenanlage wird einem Kostenumfang von etwa 20  000 Euro haben. Im Jahr 2018 soll mit dieser Aktion begonnen werden.

Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

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erstellt am 27.Jun.2017 | 05:15 Uhr

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