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Keine Hebammen : Geburtshilfe auf Sylt beschäftigt die Politik

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Nordseeklinik auf Sylt sind keine Entbindungen möglich - die einzige Hebamme der Geburtstation ist krank, Ersatz nicht in Sicht. Das beunruhigt nicht nur die werdenden Mütter.

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erstellt am 01.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Die bislang erfolglosen Bemühungen der Nordseeklinik eine Vertretung für die einzige Beleg-Hebamme der Geburtsstation zu finden, sorgt nicht nur bei werdenden Müttern für Beunruhigung, sondern zunehmend auch bei der Politik. Anlass ist ein Schreiben der Klinik an das Gesundheitsministerium des Landes. „Asklepios hat mitgeteilt, dass die Geburtshilfe zukünftig nicht dauerhaft durch die Klinik aufrecht erhalten werden könne. Das Ministerium wird vor diesem Hintergrund mit der Klinik Gespräche über die Situation und Möglichkeiten der zukünftigen Gestaltung der Geburtshilfe führen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Vorstellung, dass es künftig keine gebürtigen Sylter mehr geben könnte, ist für Eberhard Eberle „ein echtes Armutszeugnis“. Der Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Gemeinde Sylt hat für morgen (19 Uhr, Rathaus) eine Sondersitzung einberufen, um mit den Beteiligten die Situation und mögliche Konsequenzen zu diskutieren. Als eine mögliche Konsequenz nennt Klinik-Geschäftsführer Norbert Nachtwey die Umwandlung der Geburtsstation in eine Art Geburtshaus, bei dem die Klinik lediglich den Kreißsaal zur Verfügung stellt. „Unser Ziel ist es, weiterhin Geburten auf der Insel zu ermöglichen“, beteuert Nachtwey, der an der öffentlichen Sitzung am Mittwoch jedoch nicht teilnehmen wird. Statt einer sachlichen Diskussion befürchtet man bei Asklepios nach den Erfahrungen des Streiks im vergangenen Jahr offenbar eine erneute Negativ-Stimmung gegenüber der Klinik.

Kritik kommt von der SPD-Landtagsabgeordneten und ehemaligen Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht, die einen Rückzug aus der Geburtshilfe für „völlig inakzeptabel“ hält: „Die Landesregierung hat Asklepios mit finanziellen Mitteln für Investitionen großzügig unterstützt und den Sicherstellungszuschlag für die Inseln durchgesetzt. Die finanzielle Situation des Konzerns und Renditeerwartungen auf dem Rücken der Schwangeren und ihrer Familien auszutragen, ist für ein so bedeutendes Unternehmen der Krankenhausbranche nicht akzeptabel.“

Dem hält Nachtwey entgegen, dass es nicht nur ums Geld gehe, sondern vorrangig um die Qualität der Geburtshilfe, da ab 2014 auch ein zweiter Gynäkologe fehle. Zudem übernehme die Klinik die Versicherungsbeiträge der Hebammen und würde einer Vertretung die Unterkunft stellen. Hauptproblem sei jedoch die Insellage. „Von den sechs Hebammen, mit denen ich gesprochen habe, haben fünf abgesagt, bevor es überhaupt ums Geld ging.“

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