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Zugunglück auf Sylt : Galloways verursachten Zugunglück

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Unfall auf dem Hindenburgdamm: Eine Rinderherde entkam aus gesicherter Weide. NOB-Pendlerzüge und Syltshuttle fielen über zwei Stunden aus.

„Das ist schon ein großer Schreck und auch ein herber Verlust “, sagte Landwirt Kai Petersen am Mittwoch, als er erfuhr, dass um 4.45 Uhr morgens ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) in eine auf dem Hindenburgdamm laufende Rinderherde gefahren. Vier seiner Tiere sind bei dem Zusammenprall noch am Unfallort gestorben. Ein weiteres Gallowayrind wurde mit schweren Verletzungen auf der Weide gefunden und musste getötet werden. Zwei der Jährlinge genannten Rinder sind durch die Wucht des Aufpralls, rund drei Kilometer vom Festland entfernt, sofort aus dem Gleis geschleudert worden. Jedes Tier hat einen Wert von zirka 1  000 Euro – Besitzer Petersen ist somit ein Schaden in Höhe von 5  000 Euro entstanden.

Personenschäden gab es bei dem Unfall zum Glück nicht. Der Lokführer blieb ebenso unverletzt wie die 20 Fahrgäste im Zug, teilte Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizei Flensburg, mit. Sie wurden von Einsatzkräften ins Freie und anschließend zum Keitumer Bahnhof gebracht. Auch der technische Schaden hält sich in Grenzen: Zunächst sollte eine Reservelok aus Husum den liegengebliebenen Zug abschleppen. Schließlich konnte der Zug trotz beschädigter Bremsschläuche eigenständig im Schritttempo zurück nach Westerland fahren. Während der Räumungsarbeiten musste die Strecke in beiden Richtungen für rund zwei Stunden voll gesperrt werden. Gegen sieben Uhr waren die Gleise wieder frei. Vier Züge der NOB fielen am Morgen aus, viele Berufspendler waren betroffen, auch zwei Autozüge der Deutschen Bahn konnten nicht fahren. „Wir haben dann die Fahrzeuge mit späteren Zügen transportiert – Ausfälle hat es in diesem Sinne also nicht gegeben“, sagte ein Syltshuttle-Sprecher.

Nach der Alarmierung waren Feuerwehren aus Keitum und Morsum, die Landes- und Bundespolizei sowie der Rettungsdienst im Einsatz. Normalerweise leben die Rinder auf einer gesicherten Weide am Morsum Kliff und können nicht auf die Schienen gelangen. Laut Angaben der Bundespolizei sei der Zaun jedoch in 200 Meter Länge niedergetrampelt worden, die Ursache konnte noch nicht ermittelt werden. Auch, wie hoch der mögliche finanzielle Schaden für die NOB ist, ist unklar: „Dazu machen wir keine Angaben, da es sich um ein laufendes Verfahren der Staatsanwaltschaft handelt“, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft.

Die Auswirkungen des Zugunglücks bekamen auch Zeitungsleser zu spüren: Die Sylter Rundschau wurde in einigen Teile der Insel erst am Vormittag verteilt. Der Grund: Zeitungsausträger vom Festland erreichten ihren Arbeitsplatz viel später als sonst. Noch am Mittag war der Zusteller in Keitum unterwegs – bis neun Uhr liegt dort normalerweise die Zeitung im Kasten.

 

Landwirt Petersen:„Alles war perfekt gesichert“

Kai Petersen vom Keitumer Gänsehof, dem die Rinderherde des gestrigen Unfalls auf dem Hindenburgdamm gehört, kann sich bisher nicht erklären, wie es zum Ausbruch der zirka 30 Galloways gekommen ist. „Auf dem Elektrozaun liegen 7000 Volt“, sagt er, „das ist schon full power.“  Außerdem sei die Umzäunung der Weide im Hiir nahe der Bahnlinie erst in den vergangenen Wochen überprüft und neu gesichert worden. „Zuvor hatten wir dort über hundert Tiere. Die Größeren haben wir wie jedes Jahr auf eine andere Weide in Archsum gebracht“, erzählt Petersen. „In Morsum blieben zirka 45 Rinder, ausschließlich so genannte Jährlinge – also Tiere, der erst ein Jahr alt sind.“

Besonders verwundert ihn, dass ein junger Ochse schwer verletzt innerhalb der abgezäunten Weide lag und nicht, wie die vier anderen getöteten Tiere, neben der Bahnstrecke. „Von den Gleisen dorthin geschleppt haben konnte er sich auf keinen Fall. Er hatte drei offene Beinbrüche und sich unglaublich gequält. Dann mussten wir ihn leider erlösen“, sagt Kai Petersen im Schlachtraum an der Keitumer Koogstraße. Über mögliche finanzielle Forderungen durch das Unglück macht er sich wenig Sorgen: „Wir haben eine Betriebshaftpflichtversicherung  für Landwirte, die in solchen Fällen greift“, erläutert der Rinderzüchter. „Allerdings gibt es keine Kaskoversicherung für unseren Verlust der wertvollen jungen Tiere.“pbo

 

 


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