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Sylter Rundschau

15. Dezember 2017 | 23:17 Uhr

Graugänse : Gänse-Ärger in Wenningstedt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Weggefressene Ernte, vollgekotete Wege: Wenningstedter fordern von Gemeinde konsequenteres Vorgehen gegen Graugänse.

von
erstellt am 04.Mär.2015 | 05:18 Uhr

Sie sind treue Partner, kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Jungen und kehren gern dahin zurück, wo sie sich wohlfühlen: Gäste mit diesen Charaktereigenschaften sind im Familienbad Wenningstedt-Braderup eigentlich herzlich willkommen. Allerdings nicht, wenn es sich bei den beschriebenen Besuchern um Graugänse handelt. Seit Jahren wird die Gemeinde mit einer steigenden Anzahl der Tiere besucht. Bei einigen Dorfbewohnern kommt das nicht so gut an.

Wer in der Inselmitte nach Gänsen sucht, wird schnell fündig: Bei Biobauer Eckhard Volquardsen sammeln sich die Tiere auf den Wiesen. „Es werden Jahr für Jahr mehr“, sagt Volquardsen, der unter anderem Gänsekot auf seinen Erdbeeren fürchtet. Auch Bauer Jörg Runkel hat auf seinen Feldern hinter der Friesenkapelle schlechte Erfahrungen mit den Tieren gemacht: „Von den zweieinhalb Hektar Gerste, die ich dort vergangenen Sommer angebaut habe, haben sie mir drei Viertel weggefressen.“ Und auf seinen Grünflächen rund um den Leuchtturm würden zu Hochzeiten bis zu 500 Tiere sitzen: „Mich fragen ja schon Leute, ob ich unter die Gänsebauer gegangen bin.“ Der Ernteverlust sei nicht das einzige Problem: Runkel sorgt sich, dass sich seine Rinder durch den Gänsekot Krankheiten zuziehen könnten.

Aber nicht nur die Landwirte stören sich an den Tieren: Die steigende Zahl der Graugänse rund um Dorfteich und Friesenkapelle sind auch dem Kirchenvorstand der Norddörfer Kirchengemeinde ein Dorn im Auge. Dass sich die neugierigen Tiere auch mal bis in die Friesenkapelle vorwagen, sei dabei nicht das größte Problem: „Es liegt manchmal so viel Kot auf dem Kirchenweg, dass wir mit dem Saubermachen gar nicht dagegen an kommen“, beklagt Kirchenvorstand Bernd Ußner.

Was also tun? Dass das Schießen der Gänse gerade in Urlaubsorten eher schwierig ist, ist auch Gänse-Gegnern klar. Was allerdings erlaubt werden kann, ist das Absammeln der Eier – das muss allerdings die Gemeinde Wenningstedt beantragen. Warum das im vergangenen Jahr nicht geschehen ist, kann Ußner nicht verstehen. „Wenn die Tiere am Dorfteich weiter alles zukoten, kann es auch passieren, dass der Teich wieder kippt.“ Bürgermeisterin Katrin Fifeik lag hierzu eine Anfrage der Sylter Rundschau vor, die sie bis Redaktionsschluss nicht beantwortete.

Biobauer Volquardsen hofft, die Gemeinde für ein umfassendes „Gänse-Management“ begeistern zu können. Dabei sollen die Gemeinden Wenningstedt und Kampen in Zusammenarbeit nicht nur dafür sorgen, dass die Tiere hin zu weniger störenden Brutflächen geleitet werden, sondern die Tiere auch ins touristische Konzept einbinden: „Für Besucher, aber auch Sylter, kann es doch interessant sein, etwas über diese Tiere zu erfahren.“

Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer plädiert generell für mehr Toleranz gegenüber den gefiederten Gästen. Durch die steigende Zahl der Tiere in Europa insgesamt häufen sich nicht nur auf Sylt die Klagen - doch Günther wünscht sich eine etwas differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema: „Man sollte auch schauen, dass man sich an den Vögeln erfreuen, sie als Bereicherung erleben kann.“ Auch wenn das Thema Graugänse sicherlich schwierig sei, sehe er mögliche Vergrämungen der Vögel oder das Wegsammeln der Eier aus Naturschutzsicht eher kritisch. Häufig, sagt er, regele die Natur das Thema Überpopulation früher oder später selbst.

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