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Bürgermeister-Kandidatur : Gabriele Pauli: „Für Sylt kann ich mich begeistern“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie zwang Stoiber zum Rücktritt – nun will sie Sylt erobern: Gabriele Pauli spricht im Interview über Frauen, Politik, Rebellentum und ihre mögliche Bürgermeister-Kandidatur auf der Nordseeinsel.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 09:32 Uhr

Sylt | Sie gilt als „Rote Rebellin“, als „Königsmörderin“ von Bayern, die den damaligen Ministerpräsidenten des Freistaats, Edmund Stoiber, zum Rücktritt zwang – aber Dr. Gabriele Pauli gilt auch als medienerfahrene Frau, die sich gut in Szene zu setzen versteht. In ihrem 2013 erschienen Buch „Die rote Rebellin. Fortschritt braucht Provokation“, schildert sie ihren Lebensweg, ihre politische Karriere und ihre politischen Ansichten. Anfang Mai überraschte die 57-Jährige mit der Nachricht, dass sie überlege, als Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt zu kandidieren. Am Dienstagabend wird sich die ehemalige Landrätin von Fürth auf der Insel erstmals in einer öffentlichen Diskussion zu ihrer Kandidatur und ihren politischen Ansichten äußern. Vorab gab sie dem sh:z ein Exklusiv-Interview.

Frau Pauli, Sie haben Politik als hartes Geschäft erlebt. Was bewegt Sie, sich weiterhin für politische Arbeit zu engagieren?

Politik ist doch die Grundlage von allem. Das Land braucht fähige Politiker, die nicht auf ihren Eigennutz schielen und Wahrheiten aussprechen, auch wenn sie nicht populär sind. Ich wurde oft unfair angegangen, aber eine gewisse Härte gehört dazu. Politik ist ja auch ein Wettbewerb, bei dem der Grundsatz gilt: Wem es in der Küche zu heiß ist, der sollte sich nicht als Koch bewerben. Ich habe mich schon in der Schule als Schulsprecherin für andere engagiert. Es gibt keine größere Befriedigung, als Menschen zu helfen und die Welt ein wenig lebenswerter zu machen.

Mittlerweile sind einige Frauen in Deutschland Spitzenpolitikerinnen. Hat sich dadurch unsere politische Kultur verändert?

Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber es ist enorm wichtig für dieses Land, dass wir eine Kanzlerin haben, vier Ministerpräsidentinnen, eine Verteidigungsministerin. Frauen entscheiden selten leichtsinnig, wenn es um Menschen geht, sie sind es doch, die Menschen zur Welt bringen. Und sie sind – Ausnahmen bestätigen die Regel – oft deutlich teamorientierter und brauchen keine Machoposen.

Sie sehen sich selbst als Rebellin. Ist das eine Position, die nur in bestimmten Konstellationen richtig oder eine Grundhaltung, die in der Politik dauerhaft notwendig ist?

Sich trotzig in der Rebellenecke einzurichten, wäre natürlich verfehlt. Als jüngste Landrätin in Bayern war ich eher eine Gestalterin, die aber immer offen für unkonventionelle Ideen ist. Zur Rebellin wird man durch den Lauf der Dinge gemacht, die Medien verpassen einem solche Etiketten. Als ich 2006 zum Sturz des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber aufrief, hat das viele Journalisten fasziniert: Weil die Männer in der CSU damals nicht den Mut aufbrachten, das Offensichtliche auszusprechen: dass Stoiber abgewirtschaftet hatte. Sogar aus Sylt habe ich damals große Zustimmung erfahren.

Mit Ihrer Überlegung, sich eventuell um den Bürgermeisterposten der Gemeinde Sylt zu bewerben, haben Sie ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Hat Sie das überrascht? Und wenn ja, warum?

Nein, der Name Pauli ist offenbar immer noch ein Reizthema für viele Journalisten. Ich bin nun mal eine der wenigen Kommunalpolitikerinnen, die bundesweit bekannt sind und in Talkshows eingeladen werden. Ich verkörpere die Lebensfreude, die manche Politiker nicht mehr ausstrahlen.

Bis heute haben Sie sich nicht endgültig für oder gegen die Kandidatur auf Sylt entschieden. Was lässt Sie hadern?

Von hadern kann keine Rede sein, nur von genauer Abwägung. Gründlichkeit geht dabei vor Schnelligkeit, ich möchte ein tragfähiges Konzept für die Probleme der Insel erarbeiten und viele einbinden. Auch mit dem neuen Bürgervorsteher möchte ich mich koordinieren. Aber ich werde mich bald entscheiden – wenn ich antrete, dann mit ganzer Kraft. Ich habe mit vielen Syltern gesprochen, die sich eine erfahrene Politikerin wünschen, die nachgewiesen hat, dass sie einen weitaus größeren Landkreis 18 Jahre lang geleitet hat – mit immer steigenden Wahlergebnissen. Am Ende hatte ich eine Zweidrittelmehrheit. Als Politikerin muss man Menschen mögen und ihre Anliegen ernst nehmen. Und für Sylt kann ich mich begeistern.

Dr. Gabriele Pauli liest heute um 19.30 Uhr im Friesensaal in Keitum aus ihrem Buch „Die rote Rebellin“ und stellt sich der Diskussion: Im Gespräch mit dem Publikum sowie mit Michael Stitz, Chefredakteur vom sh:z-Medienhaus Sylt und mit Manfred Otzelberger, Redakteur bei die „Bunte“.
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