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Ehemalige Bürgermeisterkandidatin : Gabriele Pauli: „Auf Sylt brodelt zu oft die Gerüchteküche“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Was macht die „rote Rebellin“ eigentlich seit ihrer Wahlniederlage? Und gab es Unstimmigkeiten bei der Wahl? Ein Interview.

von
erstellt am 17.Feb.2015 | 05:07 Uhr

Sylt | Knapp sechs Wochen ist es her, als ihr großer Wunschtraum doch nicht in Erfüllung ging: Gabriele Pauli verlor am 11. Januar die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegen ihren Konkurrenten Nikolas Häckel mit 45 zu 55 Prozent – für viele Beobachter ein überraschend klares und in allen neun Wahllokalen der Gemeinde weitgehend gleiches Ergebnis. Wie sie ihre Sylt-Ambitionen rückblickend beurteilt und warum sie weiter auf der Insel aktiv sein möchte, beantwortet die als „rote Rebellin“ bekannt gewordene bayerische Politikerin im Interview mit der Sylter Rundschau.

Frau Pauli, es hat doch nicht geklappt mit einer Karriere als Sylter Bürgermeisterin. Bereuen Sie es, überhaupt kandidiert zu haben?

Nein, ganz und gar nicht. Im ersten Wahlgang habe ich gegen immerhin fünf, übrigens ausschließlich männliche Mitbewerber knapp ein Drittel aller Stimmen erhalten. Und dann bei der Stichwahl hat sich fast die Hälfte der Wähler für mich entschieden: Häckel hat ja mal gerade 650 Stimmen mehr gekriegt als ich. Das ist doch ein sehr gutes Ergebnis – vor allem nach nur einem halben Jahr, seit ich auf die Insel gekommen bin.

Der Kreis Nordfriesland hat bestätigt, dass das Ergebnis der Stichwahl von einem Bürger angefochten wurde – dieser Einspruch wird aktuell geprüft.

Tja, ich kann die Bedenken mancher Sylter verstehen. Der Wahlvorgang war nicht unbedingt klar, denn es gab zum Beispiel noch nicht einmal eine offizielle Wahlbenachrichtigung für die Stichwahl.

Außerdem soll es offene finanzielle Forderung gegen Sie geben ...

Hier auf Sylt brodelt leider all zu oft die Gerüchteküche. Selbst prominente Insulaner greifen in die unterste Schublade. Aber ganz klar gesagt: Jede meiner Mietrechnungen ist bezahlt. Ich bin erschüttert, was manche politische Verantwortliche an Falschbehauptungen schüren. Das ist eines Mandates unwürdig.

Zurück zu den harten Fakten: Zehn Prozent mehr für den Sylter Häckel sind ein sehr deutliches Votum. Waren Sie in Runde Zwei zu siegessicher?

Zugegeben: Ich habe – wie ja viele andere, egal aus welchem Lager auch immer – geglaubt, dass ich es sicher schaffe. Aber ich bin nicht enttäuscht, im Unterschied eben zu manchen meiner Anhänger. Die sind noch immer fassungslos und völlig fertig. Doch für mich weiß ich bereits seit langem, auch wenn etwas mal nicht klappt: Es gibt immer nur gute Entscheidungen. Dann geht meinen Lebensweg halt in eine andere Richtung.

Heißt das, Sie wollen sich woanders in Deutschland wieder als Landrätin oder als Bürgermeisterin bewerben?

Nein. Das eine habe ich ja schon sehr erfolgreich hinter mir. Und bei meiner Kandidatur für das Amt im Westerländer Rathaus stand die Insel Sylt als Gesamtes, als etwas ganz Besonderes und Einmaliges an erster Stelle. Das werde ich nirgendwo sonst so finden – und das suche ich auch gar nicht.

Sondern ...

Also Verwaltung oder überhaupt Politik muss es nicht zwingend sein. Ich bin ja viel im Ausland unterwegs, habe aber beruflich auch auf Sylt noch was vor. Was genau, konkretisiert sich gerade.

Nach der Wahlniederlage haben Sie allerdings angekündigt, sich weiter für die Insel zu engagieren. Stehen Sie nach einigen Wochen Bedenkzeit noch zu Ihrem Wort?

Selbstverständlich. Ich bin ja quasi von unsichtbarer Hand auf die Insel geführt worden. Der Wahlkampf war nur der Anfang. Sylt gehört jetzt zu meinem Leben. Deshalb werde ich meine Projekte fortsetzen: vor allem, damit wieder Kinder auf Sylt geboren werden können. Dafür werde ich mich gemeinsam mit engagierten Insulanern wie zum Beispiel der Hebamme Anke Bertram einsetzen. Es wird schon bald eine gute Lösung geben. Ob es jedoch unbedingt eine Stiftung sein muss, da bin ich nicht mehr so sicher ...

Besonders von den „starken Sylter Frauen“ hätten Sie ein positives Feedback erhalten, betonten Sie im Wahlkampf immer wieder.

Ja, das stimmt und das sind ganz wertvolle Erfahrungen für mich. Denn Frauen denken und handeln über den Tag hinaus, können Prozesse in Politik und Gesellschaft visionär und zukunftsorientiert wahrnehmen und einen neuen Politikstil finden. Deshalb werde ich auf jeden Fall den so genannten Frauen-Ting fortführen. Nach der Saison, ab Oktober, wird das der Start sein für eine bundesweite Initiative. Sylt ist das ideale Aushängeschild für Tagungen und Seminare mit Teilnehmerinnen, die sich engagieren, zum Beispiel in Ehrenämtern oder im kirchlichen Bereich.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Sylter Lokalpolitik sammeln können? Was läuft hier anders als in Fürth oder München?

Hier wird über vieles sehr lange diskutiert. Oft mit sehr starken Emotionen und großen Anläufen. Vieles wird dann leider zerredet und mit immer neuen Vorlagen geradezu erstickt. Um das zu ändern, muss allerdings auch die Verwaltung dringend effektiver und zielorientierter arbeiten. Häufig steht sie ja nicht einmal selbst zu ihren Ausarbeitungen. Was den Gemeindevertretern vorgelegt wird, muss umfassend geprüft worden sein. Und es gilt auf Sylt wie überall: Beschlossen ist nun mal beschlossen.

Während des Wahlkampfes wurde deutschlandweit über Ihre medienwirksamen Auftritte der Vergangenheit berichtet und über die Ernsthaftigkerit Ihre Sylt-Ambitionen spekuliert. Hat Ihnen das geschadet?

Wer mich näher kennengelernt, sich auf mich eingelassen hat, merkte schnell, dass ich ganz anders bin. Aber vielleicht hatte ich ein zu großes Feuerwerk von Ideen im Kopf und habe besonders vor der Stichwahl vieles salvenartig gefordert. Es hätte wohl noch ein Vierteljahr gebraucht, um alles besser zu erläutern. Für manchen war es zu komprimiert und wohl zu viel des Guten. Aber alles ist machbar.

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