Standortfrage : Funkmast-Dilemma in List auf Sylt

Landschaftsverschandelung? Mit dieser Fotomontage wollen die Sylter Naturschützer verdeutlichen, warum sie gegen einen Standort des Funkmastes in den Lister Dünen sind. Foto: Foto: Hans Jessel / Montage: Mareike Toth
Landschaftsverschandelung? Mit dieser Fotomontage wollen die Sylter Naturschützer verdeutlichen, warum sie gegen einen Standort des Funkmastes in den Lister Dünen sind. Foto: Foto: Hans Jessel / Montage: Mareike Toth

Ein Funkmast muss her. 40 Meter hoch und für die Sicherheit gut soll er sein. Aber wo kommt er hin? Die Lister, Naturschützer und das Innenministerium in Kiel streiten.

shz.de von
21. März 2013, 09:06 Uhr

List | Seit über einem Jahr wird in List über den besten - besser gesagt über den am wenigsten schädlichen - Standort für einen sogenannten BOS-Funkmast diskutiert und gestritten. Mittlerweile ist Schleswig-Holstein mit Ausnahme des Zipfels im äußersten Norden als fünftes Bundesland flächendeckend mit einem digitalen Funknetz für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ausgestattet. 160 Masten wurden neu errichtet oder aufgerüstet und laufen seit Ende letzten Jahres im Testbetrieb. "Das Netz steht", verkündete Innenminister Andreas Breitner (SPD) am 19. Dezember stolz. Und überging dabei geflissentlich das letzte digitale Funkloch: In List wird weiterhin um den Standort für den fast 40 Meter hohen Funkmast gerungen.

Seit Bekanntwerden des vom Land favorisierten und jederzeit realisierbaren Standortes im Jenslongtal Ende 2011 laufen Anlieger Sturm gegen den hässlichen und ihrer Ansicht nach gesundheitsgefährdenden Funkmast mitten im Ort. Mittlerweile vertritt die Interessengemeinschaft gut 160 Mitglieder, die bereit sind, sich mit allen juristischen Mitteln zu wehren.
Nach anfangs scharfer Kritik der Anwohner an der ihrer Ansicht nach tatenlos zusehenden Gemeinde List und einer Einwohnerversammlung, bei der sich die Mehrheit der Anwesenden im März letzten Jahres gegen den Mast im Ort ausgesprochen hat, fasste die Gemeindevertretung den Beschluss, dass dieser mindestens 500 Meter von der bebauten Ortslage entfernt stehen soll.

"Eine Verschandelung der Landschaft"

Hauptproblem dabei: List ist umgeben von Naturschutzgebiet und Nationalpark, die Kritik der Naturschutz organisationen und -behörde also vorprogrammiert. Nachdem das alte Klärwerk im Lister Koog von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) als Standort abgelehnt wurde und auch weitere Alternativen nicht in Frage kamen, brachte die Gemeinde Ende des Jahres einen weiteren Standort ins Spiel: das ehemalige Brunnenfeld am westlichen Ortsrand. Das liegt zwar 550 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt, aber auch mitten im Naturschutzgebiet.

Nachdem eine erste Anfrage von der UNB negativ beantwortet wurde, forderte die Gemeinde eine ausführliche Begründung an und bat das Innenministerium, der Behörde dafür die Pläne des Mastes zukommen zu Lasten. "Meines Wissens läuft die Prüfung noch", sagt Bürgermeister Wolfgang Strenger und verweist darauf, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sei, einen Standort zu finden. "Aber wir wollen natürlich dazu beitragen, dass unser Beschluss auch realisiert wird." Nach einer von allen Beteiligten akzeptierte Lösung sieht es derzeit jedoch nicht aus. Für die Naturschutzgemeinschaft Sylt und die Söl’ring Foriining wäre der Mast "eine Verschandelung der urwüchsigen und einzigartigen Dünenlandschaft des ältesten Naturschutzgebietes des Landes", wie Dr. Roland Klockenhoff argumentiert. Zum Beleg haben die Naturschützer den Mast in eine Landschaftsaufnahme von Hans Jessel montieren lassen (siehe Foto).

Dritte Komponente: Die Sicherheit der Bürger

In der Diskussion, ob die Landschaftsästhetik oder die Wohn- und Lebensqualität höher zu bewerten ist, verweist Strenger auf eine dritte Komponente, "die Sicherheit der Bürger". Erst kürzlich hat der Großeinsatz zur Rettung von drei Forschern aus dem Königshafen (wir berichteten) gezeigt, dass der Digitalfunk im Inselnorden dringend benötigt wird, wie Arne Dekarz, Leiter der DRK-Rettungswache, betont. Da die analoge Funkverbindung mehrfach zusammenbrach, "war die Koordination der Einsatzkräfte zeitweise so gut wie unmöglich".

Noch schaut das Innenministerium dem Lister Funkmast-Dilemma vermeintlich gelassen zu. Die Frage nach einer Standortentscheidung ohne Einvernehmen der Gemeinde stelle sich derzeit nicht, heißt es aus Kiel. Klar ist, dass das Land den Mast auch ohne Zustimmung der Gemeinde bauen kann. Und wie Breitner bereits ankündigte, soll der Analog-Funk Ende dieses Jahres abgeschaltet werden. Strenger: "Die digitalen Funkgeräte für die Feuerwehr sind schon bestellt."

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