Klimawandel : Fürst Albert von Monaco lädt zur „Climate Conference Sylt“ ein

Rissiger Teer statt rotem Teppich: Fürst Albert II. am Westerländer Flughafen.
Rissiger Teer statt rotem Teppich: Fürst Albert II. am Westerländer Flughafen.

Besuch von Prominenten ist die Promi-Insel Sylt durchaus gewohnt - doch ein Monarch reist nicht allzu oft an die Nordsee. Der Fürst von Monaco kommt aber nicht zum Strandurlaub, sondern mit einem ernsten Thema im Gepäck.

shz.de von
29. Mai 2015, 15:00 Uhr

Sylt | Viel Glamour gab es nicht: Um 12.53 Uhr landete der Flieger mit dem royalen Besuch auf Sylt. Ohne roten Teppich, dafür über rissigen Teer ging Fürst Albert II. vom Flugzeug zur dicken Limousine mit Hybridantrieb. Auch auf seine Frau Charlène und die Zwillings-Babies mussten Royal-Fans verzichten. Denn der Besuch des Monarchen aus Monaco hat einen ernsten Hintergrund: Es geht um den Klimawandel.

Fürst Albert II. von Monaco lud am Freitag zur „Climate Conference Sylt“ ein. Als Präsident der von ihm gegründeten Stiftung „Fondation Prince Albert II de Monaco“ hielt der Regent in List an der Nordspitze Sylts vor geladenen Gästen eine Rede. Darin forderte er eine Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte, um dem Klimawandel zu begegnen. Es gehe darum, das Ausmaß des Klimawandels zu begrenzen, sagte er. Bei der Tagung sprachen auch der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer und TV-Wettermoderator Sven Plöger. Etwa 70 geladene Gäste waren dabei. Thema waren der Klimawandel und die Auswirkungen auf Meeresspiegel und Küstenländer.

Albert engagiert sich seit langem für den Umweltschutz. 2006 gründete er die Stiftung, die private und öffentliche Initiativen unterstützt. Im selben Jahr machte er mit einer Reise an den Nordpol auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam.

Großer Pomp und die Klatschpresse sind dem Regenten an der Côte d'Azur zuwider. Dennoch dominieren sie die bereits zehnjährige Herrschaft von Fürst Albert II. von Monaco. Die glamouröse Hochzeit mit der südafrikanischen Schwimmerin Charlène Wittstock 2011 und die Geburt der Thronfolger-Zwillinge Jacques und Gabriella im Dezember 2014 bescherten dem 57-jährigen Monarchen mehr Schlagzeilen als sein Engagement in der Umweltpolitik.

Als Kronprinz bestritt Albert lieber Wettkämpfe, hatte lange Zeit vor allem den Ruf des Lebemanns und passionierten Sportlers. Als Bobfahrer nahm er von 1988 bis 2002 an fünf olympischen Winterspielen teil, von denen er jedoch keine Medaille mit nach Hause brachte.

Immer wieder war von Romanzen die Rede, kurz nach dem Tod seines strengen Vaters Rainier III. erkannte Albert offiziell zwei Kinder an, die er mit zwei früheren Freundinnen gezeugt hatte.

Zu Beginn seiner Amtszeit 2005 hatte er sich auf die Fahnen geschrieben, Monaco vom Jetset-Kleinod und Steuerparadies an der französischen Riviera zu einem Mittelpunkt des weltweiten Klimaschutzes zu verwandeln.

Heute reist der Fürst aus dem Haus Grimaldi in Sachen Umwelt um die halbe Welt. 2006 fuhr Albert von Russland aus 100 Kilometer per Hundeschlitten zum Nordpol, um die Öffentlichkeit auf die Eisschmelze aufmerksam zu machen. Als erste Amtshandlung ratifizierte er das Kyoto-Protokoll und gründete die „Fondation Prince Albert II de Monaco“, die sich mit Klimawechsel, Biodiversität und Wasser beschäftigt.

Mit Sylt hat sich der Fürst eine Insel als Konferenzort ausgesucht, die ständig gegen Sandverlust kämpft. Insgesamt wurden auf der Insel seit 1972 bis Ende 2013 mehr als 43 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült. Die Kosten beliefen sich auf 189 Millionen Euro. Nach dem Fachplan Küstenschutz Sylt müssen jährlich eine Million Kubikmeter Sandverluste ausgeglichen werden.

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