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Spielbank Westerland: : „Für einen Umzug ist es zu spät“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview mit unserer Zeitung warnt Spielbank-Direktor Knut Pauker vor den wirtschaftlichen Folgen einer Casino-Schließung

von
erstellt am 21.Aug.2017 | 05:23 Uhr

Bleibt die Spielbank im Westerländer Rathaus oder muss sie einer zentralisierten Inselverwaltung Platz machen? Die Gemeindevertretung ist sich nicht einig, ob sie den Mietvertrag über den 31. Dezember 2018 hinaus verlängern soll. Am Donnerstag wurde das Thema aus formalen Gründen vertagt. Wir sprachen mit Spielbank-Direktor Knut Pauker über die Hängepartie.

Es gibt fünf Spielbanken in Schleswig-Holstein – in Schenefeld, Lübeck, Kiel, Flensburg und Westerland. Wie wichtig ist der Standort auf Sylt?

Sylt ist ein wichtiger Traditionsstandort, die zweitälteste Spielbank in Deutschland und eine der bekanntesten. Keine andere Spielbank in Deutschland ist so verbunden mit ihrem Standort wie Sylt – höchstens noch Baden-Baden oder Bad Homburg.

Wie viele Arbeitsplätze hängen daran?

Wir haben 18 Mitarbeiter ganzjährig sowie zwei Saisonhilfen im Sommer. Dazu kommen noch die Mitarbeiter der Finanzrevision und die Reinigungskräfte. Das sind Mitarbeiter, die teilweise schon über 20 Jahre hier arbeiten, mit bis zu 15 Monaten Kündigungsschutz. Deshalb wäre ein frühzeitiges Signal, ob die Spielbank abgewickelt werden soll oder nicht, für uns sehr wichtig. Wir müssten jetzt schon Kündigungen aussprechen.

Warum zieht die Spielbank nicht einfach an einen anderen Standort auf der Insel?

Wir haben andere Standorte in Erwägung gezogen, hatten sogar schon die Grundrisse auf dem Schreibtisch. Das wäre in Westerland im Luzifer an der Kurpromenade oder in Wenningstedt gewesen. In Wenningstedt hat man sich stattdessen für den Bau eines anderen Kurhausentwurfs entschieden, und in Westerland sah der ISTS keine Möglichkeit, uns dort unterzubringen. Das Hauptproblem ist aber, dass die Zeit so weit fortgeschritten ist und unsere Konzession immer nur für 15 Jahre gilt – derzeit bis 2026. Ein neuer Standort würde sich nicht mehr rechnen. Bei einem Umzug – das haben wir beim jüngsten Relaunch in Schenefeld gesehen – muss man schnell mit anderthalb bis zwei Millionen Euro rechnen. Die Investition wäre so hoch, dass wir die Abschreibung nicht mehr erwirtschaften können. Das ist schon hier im Rathaus schwierig. Wir haben einen großen Investitionsstau, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht. Die Sozialräume müssen renoviert werden, wir brauchen dort eine neue Küche und eine neue Klimaanlage ist für die Spielbank überfällig. Wir brauchen mindestens eine dreijährige Verlängerung über 2018 hinaus, damit sich die anstehenden Investitionen amortisieren können.

Der mondäne Ruf der Spielbank geht zurück in die 60er Jahre. Ist nicht seitdem die Zahl der Besucher zurückgegangen?

Ja, das Rad dreht sich natürlich weiter. Heute gibt es viel mehr Freizeitangebote als in den 60er oder 70er Jahren. Heute kann man auch im Internet spielen. Internetgambling bei Anbietern ohne gültige Konzession ist grundsätzlich verboten, machen aber trotzdem viele, weil es nahezu nicht kontrollierbar ist. Die gewerblichen Spielhallen preschen auch vor und wollen so sein wie die Spielbanken, ohne allerdings deren gesetzlichen Hürden einzuhalten. Stattdessen macht man den Spielbanken im Land das Leben schwer. Wir müssen Einlasskontrollen durchführen, beteiligen uns an der Suchtprävention, sind von der Landessuchtstelle für „Responsible Gambling“ zertifiziert, müssen Mitarbeiter schulen und sind einer Sperrdatei für Gäste angeschlossen.

Aber Spielhallen dürfen kein Poker, Black Jack und Roulette anbieten. Werden die Spiele am Tisch überhaupt noch nachgefragt?

Ja, absolut. Es kommen viele Gäste auf die Insel, weil es hier eine Spielbank gibt, 92 Prozent unserer Gäste sind Touristen. Wir bieten hier ein wichtiges Mosaiksteinchen im Freizeitangebot, auf das viele Besucher nicht verzichten möchten. Natürlich kann Spielen auch eine Sucht sein, genauso wie Alkohol oder Zigarettenkonsum, das ist ganz klar. Aber es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Und wir haben ein geschultes Auge darauf, dass sich hier keiner übernimmt.

Kommt nicht auch ein räumlicher Kompromiss infrage? Sie haben einen Teil ihrer Fläche ja an die Galerie untervermietet.

Wir stehen allen Vorschlägen gegenüber offen und kämen auch mit weniger Raum zurecht. Die Politik hat beschlossen, dass ein Architektenwettbewerb die beste Lösung für das Rathaus entwickeln soll. Im Grunde genommen hat die Politik die Entscheidung über ihre Spielbank aus der Hand gegeben und den Architekten überlassen. Es gibt ein Gutachten zur Rathaus-Zentralisierung vom Beratungsunternehmen Drees & Sommer. Da steht ganz klar drin, dass es unwirtschaftlich wäre, die Spielbank aus dem Rathaus rauszuwerfen, wenn kein alternativer Standort geschaffen werden könnte. Wenn man die Spielbankabgabe und die Miete zusammenrechnet, überweisen wir jedes Jahr eine Viertelmillion Euro an die Gemeinde. Hinzu kommen die Sozialabgaben für 18 Mitarbeiter. Wir bereichern uns nicht für die eigene Tasche, sondern sind im Grunde genommen ein soziales Unternehmen, das seine Erträge abführt an die Gemeinde und das Land. Diese Abgaben müssen zweckgebunden für soziale und kulturelle Einrichtungen verwendet werden. Und was einen bei einem Umbau in so einem alten Gebäude erwartet – da haben wir unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Wenn die Gemeinde hier ihr Bürgerzentrum errichten will, dann macht sie die Büchse der Pandora auf. Meiner Meinung nach ist es aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht überhaupt nicht klug, sich gegen die Spielbank zu entscheiden. Ein Bauernsprichwort sagt, eine Kuh, die ich melke, schlachte ich nicht.
Das Gespräch führte Ralf Henningsen.

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