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Sylter Rundschau

18. Oktober 2017 | 18:51 Uhr

Naturschutz : Frischzellenkur für die Heide

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Plaggen, brennen und entkusseln: Naturschutzgemeinschaft, Söl’ring Foriining und Landschaftszweckverband betreuen die Heideverjüngung

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 04:34 Uhr

Heide – das ist eine der wenigen Spielarten der Natur, die gefährdet sind, wenn der Mensch nicht in ihren Lebensraum eindringt. Weil Heide heute nicht mehr genutzt wird, droht sie zu überaltern und zu verholzen. Damit das nicht geschieht, investiert das Land 200  000 Euro in die Pflege der Heideflächen auf Sylt.

Das Land zahlt, die untere Naturschutzbehörde beim Kreis vergibt die Aufträge an Landschaftsbauer und die Naturschutzgemeinschaft Sylt, die Söl’ring Foriining und der Landschaftszweckverband betreuen die Ausführung vor Ort. Bis Anfang März müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann beginnt die Brutzeit in den Naturschutzgebieten. Am Dienstag stellten die drei Sylter Institutionen das Projekt im Braderuper Naturzentrum vor und erläuterten, wie der Naturschutz auf den Heideflächen funktioniert.

Plaggen, brennen und entkusseln – darum geht es bei der Pflege der Heidelandschaft. Beim Plaggen wird die oberste und nährstoffreiche Humusschicht abgetragen, so dass die Heide nachwachsen kann, ohne gleich wieder zu verholzen, erklärt Peer Knuth vom Landschaftszweckverband. „Heide benötigt immer wieder eine Frischzellenkur“, erläutert Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt, „und den Entzug des nährstoffreichen Mutterbodens.“ Beim Plaggen werden maschinell bis zu zehn Zentimeter der Bodenoberfläche abgetragen. Ein kontrolliertes Feuer wurde zuletzt 2014 eingesetzt, um die Heide zu verjüngen – das spart den teuren Abtransport des Oberbodens. Und beim Entkusseln werden junge Gehölze – die „Kusseln“ – von den Heideflächen entfernt.

Eine vierte Möglichkeit ist die Beweidung durch Schafe. Im kommenden April setzt sich wieder der vierbeinige Pflegetrupp von rund 500 Heidschnucken in Bewegung.

Die Heidelandschaften der Geestheide sind selten geworden – noch vor 160 Jahren bestand die Fläche Schleswig-Holsteins zu 17 Prozent aus der Kulturlandschaft Heide. Heute sind es nur noch 0,5 Prozent, und die Hälfte davon findet sich auf Sylt.

Heide – das ist nicht zuletzt ein Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Biologen haben etwa 160 Pflanzenarten, von denen 45 Prozent auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen, und 2500 Tierarten gezählt.

„Jahrzehntelang ist nichts gemacht worden,“ erinnert sich Sven Lappoehn, Geschäftsführer der Söl’ring Foriining, „heute arbeiten alle Hand in Hand.“ Allerdings – „Natur hat ihren Preis“, wirft Margit Ludwig ein. Von dieser Naturschutzmaßnahme profitiere aber auch der Tourismus. Die Heidelandschaft gehöre zu den Gründen, warum Urlauber auf die Insel kommen.

In der Braderuper Heide werden seit Anfang Februar rund viereinhalb Hektar Heide durch ein Tiefbauunternehmen geplaggt und entkusselt. Im Klappholttal nördlich von Kampen wird nur entkusselt – dort wird der Kiefernwald auf seine ursprüngliche Größe verkleinert. Die Landschaftsbauer entnehmen Kiefern, damit die Heide wieder wachsen kann.

„Wir wollen diese alten, nahezu 1000 Jahre alten Kulturlandschaften erhalten“, bekräftigt Margit Ludwig. Die Touristen sollten sich nicht irritieren lassen, wenn nun Trecker durch die Heide fahren und alles platt machen. Im Moment machen die Plagger aber Pause – der Boden ist zu feucht.

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