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Sylter Heimatverein : Friesische Tradition, aktuelles Thema

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Theatergruppe der Söl’ring Foriining präsentierte ein Stück von Maike Ossenbrüggen zum Thema Müll auf der Insel

Die Theatergruppe „Wü snaki Sölring“ der Söl’ring Foriining hat es sich zur Aufgabe gemacht, die über 150 Jahre währende Tradition des friesischen Amateurtheaters auf Sylt wieder aufleben zu lassen. Im Friesensaal konnten am Dienstagabend 80 Besucher die Uraufführung des von Maike Ossenbrüggen im Jahr 1997 geschriebenen Theaterstückes „Broket Tennen“ erleben. Das Thema Müll ist auf Sylt so aktuell wie eh und je und so musste die Inszenierung nur unwesentlich den heutigen Verhältnissen angepasst werden.

Zum Inhalt: Der Sylter Bürgermeister Petersen macht sich zunehmend Gedanken um die wachsenden Müllmengen durch stetiges Bauen und boomenden Tourismus auf Sylt. Der Umweltminister schickt den Beamten Johannsen und führt Wertstofftonnen für jeden Haushalt sowie essbare Verpackungen für Besserverdienende ein. Er regt zu guter Letzt sogar Abfallentsorgungsseminare für Touristen, eingebettet in Folkloreabende in inseltypischer Tracht an. Petersens Frau Matje und ihre Nachbarin Minna haben ihre liebe Not, mit den neuen bunten Tonnen und sind einhellig der Meinung, man brauche ja fast Abitur, um die sachgemäße Mülltrennung zu begreifen. Selbst die eingehende Instruktion des Müllmannes, der die Tonnen wirkungsvoll auf die Bühne schiebt, kann die Frauen nicht recht überzeugen. Nach einem Spaziergang kommen die Nachbarinnen mit einem großen Müllsack vom Strand zurück, unter anderem befinden sich darin Beutel mit Gift, die von der Nordsee angespült wurde. Johannsen platzt der Kragen, er füllt alles in einen großen Karton und schickt den Inhalt zurück an den Verursacher, dessen Firmenadresse noch lesbar ist, zurück.

Damit die Freunde des Sölring-Marionettentheaters auch auf ihre Kosten kamen, wurde kurzerhand frei nach Jens Emil Mungard (1885-1940) das kleine Stück „Bluat niin Seechen“ inszeniert. Der Dichter beschreibt in seinen Anekdoten, wie Sylter Kinder bei einer etwas strengeren Erziehung als heute Ende des 19. Jahrhunderts trotzdem ihren Spaß hatten. Das tägliche Essen war einfach und sparsam. Fett lieferte die nötige Energie im Alltag und so kamen recht häufig Kartoffeln mit den bei Kindern unbeliebten ausgelassenen Schafgrieben, auf Sölring: „Sjip-Seechen“, auf den Tisch. Die Zuschauer konnten amüsiert verfolgen, wie zwei Brüder trotz Verbotes immer wieder das Bett verließen und herumtobten, weil sie noch gar nicht müde waren; vom Vater war die Rasselbande kaum zu bändigen.

Der Abend im Friesensaal konnte von der elfköpfigen Theatergruppe als voller Erfolg verbucht werden. Alle Besucher, die der Einladung des Heimatvereins gefolgt waren, fühlten sich bestens unterhalten und genossen das Miteinander sowie die vielen guten Gespräch im Anschluss. Die Freunde der Sylter Sprache dürfen bereits gespannt sein, wann und zu welcher Jahreszeit die nächste Vorstellung der Sölring-Theatergruppe „Wü snaki Sölring“ angekündigt wird.


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erstellt am 27.Apr.2017 | 05:34 Uhr

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