Studiengang Frisistik : Friesisch büffeln bis zum Master

Professor Jarich Hoekstra ist Inhaber des Lehrstuhls für Frisistik an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.
Professor Jarich Hoekstra ist Inhaber des Lehrstuhls für Frisistik an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

An der Christian-Albrechts-Universität in Kiel können Studenten Frisistik studieren: Neben Mooring und Fering steht auch Sölring auf dem Studienplan.

shz.de von
25. Juli 2015, 05:15 Uhr

Das gesamte Jahr steht für die Sylter Rundschau unter dem Motto „Rettet das Sölring!“ Neben Sprichwörtern werden auch Kultur und Brauchtum der Insel vorgestellt. Heute geht es um den Studiengang Frisistik der an der Universität in Kiel.

Über 17  000 Studiengänge werden aktuell an deutschen Hochschulen angeboten. Neben den klassischen Fächern wie BWL, Medizin oder Germanistik gibt es aber auch die sogenannten Orchideenfächer, also ausgefallene, ungewöhnliche und seltene Wissenschaftsgebiete, die nur an wenigen Universitäten angeboten werden.


Frisistik hat an der Kieler Uni eine lange Tradition


Das Studienfach Friesistik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, also ein Fach, das sich mit den friesischen Sprachen und Literaturen befasst, zählt dazu. Auch Sölring kann dort studiert werden. „Wenn man als Student zu uns kommt, muss man zwei friesische Mundarten lernen“, erklärt Professor Jarisch Hoekstra, Inhaber des Frisistik-Lehrstuhls. „Eine davon müssen die Studenten fast so gut sprechen können wie ein Muttersprachler – das ist unbedingte Voraussetzung für das Studium.“ Dabei können die Studenten aus einer der zwei größten nordfriesischen Mundarten, Mooring oder Fering, wählen. Einen weiteren friesischen Dialekt müssen sie passiv beherrschen, dieser ist allerdings frei wählbar. „Wir können im Prinzip jede gewünschte Mundart anbieten, die die Studenten lernen möchten, dazu gehört natürlich auch Sölring“, so Hoekstra, der sämtliche friesischen Dialekte beherrscht. „Das wird bei uns zwar nicht als Standard angeboten, aber unser Institut ist sehr klein und wir daher flexibel.“ Gerade erst wurde ein zweijähriger Sölring-Kurs von vier Studenten abgeschlossen.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Friesischen hat an der Kieler Uni eine lange Tradition. Schon im Wintersemester 1879/80 wurde vom Germanisten Hermann Möller eine Lehrveranstaltung dazu angeboten. Auch andere Kieler Sprachwissenschaftler haben das die Sprache in Forschung und Lehre mit berücksichtigt. Das Fach Friesische Philologie oder Frisistik, das heute gelehrt wird, entstand 1972 auf Initiative einer Gruppe von friesischen Studierenden mit Unterstützung des Nordisten und Altgermanisten Dietrich Hofmann. 1978 wurde schließlich eine Professur für Friesisch eingerichtet, die 1999 mit Jarich Hoekstra besetzt werden konnte. Kiel ist der einzige Ort in Deutschland, an dem man Friesisch als vollständiges akademisches Fach (Bachelor und Master) studieren kann, 30 bis 40 Studenten sind dort immatrikuliert.

Die Studenten, die sich für ein Friesisch-Studium entscheiden, kommen nicht zwangsläufig aus Norddeutschland und haben einen friesischen Hintergrund. „Manchmal gibt es natürlich irgendwelche Verbindungen der Studenten nach Friesland“, sagt Hoekstra, „viele haben dort Urlaub gemacht oder einen friesischen Freund oder eine friesische Freundin.“


Von Studenten meist als Zweitfach gewählt


Meistens sei Frisistik allerdings nur das Zweitfach der Studenten, so der Professor. „Sie studieren Skandinavistik, Englisch oder Germanistik und möchten nebenbei noch etwas Besonderes machen. Im Studienangebot sehen sie dann, dass es auch Frisistik gibt und da das sehr speziell und spannend ist, kommen sie zu uns.“

Die Unterrichtssprache im Institut sei trotz der Sprachkurse meistens Deutsch. „Nur mit Studenten, die schon ein bisschen weiter sind, sprechen wir Friesisch“, sagt Hoekstra. „Unter den Dozenten und Mitarbeitern des Lehrstuhls ist zur Zeit allerdings Westfriesisch die Hauptsprache.“

Geeignet ist das Fach vor allem für Studierende, die sich für Sprachgeschichte, Sprachvergleich, Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit und Minderheitensprachen interessieren. Der Bachelorstudiengang vermittelt die grundlegenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden auf dem Gebiet der Friesischen Philologie. Gegenstand sind dabei Sprach- und Literaturwissenschaft, die Landeskunde der friesischsprachigen Gebiete sowie die Vermittlung der friesischen Sprache. „Nach dem abgeschlossenen Studium landen die Absolventen meistens an den Stellen, wo man sie auch erwartet“, sagt Hoekstra, „also am Nordfriesischen Institut, an der Universität in Flensburg oder in kulturellen oder politischen Ämtern in Schleswig-Holstein, wo das Wissen über die friesische Kultur, Sprache und Geschichte eine Extra-Qualifikation sein kann. Manche sind aber auch über das friesische Programm schon beim NDR gelandet.“

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