Landgericht Kiel : Frau getötet - Angeklagter bricht in Tränen aus

Nach 30 Jahren Ehe soll Egon S. aus Neumünster seine Frau aus Wut getötet haben. Vor Gericht schweigt der 62-Jährige. Erkenntnisse zum Tod von Margit S. liefern andere.

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07. Oktober 2011, 11:53 Uhr

Neumünster/Kiel | Er ist angeklagt, seine Frau nach über 30 Jahren Ehe mit bloßen Händen erwürgt zu haben: Egon S. (62) aus Neumünster verweigert vor dem Kieler Landgericht noch immer jede Aussage zum Tathergang. Erkenntnisse zum Tod der ehemaligen Boutique-Besitzerin Margit S. lieferten andere.
Der dritte Prozesstag war von vielen Emotionen geprägt. Während Familie und Freunde vor dem Richter aussagten, versuchte der Angeklagte seine Gefühle hinter vorgehaltener Hand zu verstecken. Doch das Schluchzen war nicht zu überhören. Mehrfach brach S. in Tränen aus als von alten Zeiten die Rede war.
"Er fühlte sich nicht wohl in der Wohnung in Gadeland"
"Ich hätte Egon so etwas niemals zugetraut. Er war immer ein toller Schwager", berichtete die Schwester der Toten. Doch die Ehe sei belastet gewesen. Egon S. litt an Depressionen, hatte schon 1995 versucht, sich das Leben zu nehmen. "Margit hat die Krankheit ihres Mannes nie verstanden", sagt ein enger Freund der Familie. Wenn ihr Mann oft tagelang antriebslos war, nicht das Bett verlassen wollte, soll sie ihn wütend angegangen und beleidigt haben. "Warum muss ich das ertragen?", soll sie einst entnervt gefragt haben. "Meine Schwester war immer hilfsbereit, manchmal aber auch aufbrausend. Dann merkte sie nicht, dass sie andere verletzte", erzählt die Schwägerin. Als die Boutique Pleite ging, musste das Ehepaar in eine günstigere Wohnung umziehen. Egon S. war dagegen, konnte sich gegen seine selbstbewusste Frau aber nicht durchsetzen. "Er fühlte sich nicht wohl in der Wohnung in Gadeland", erzählt der Freund.
Margit S. soll das egal gewesen sein. Ihr habe so viel an einem Tapetenwechsel gelegen, dass sie wohl sogar eine Trennung von ihrem Ehemann in Kauf genommen hätte. Der Bruder des Angeklagten berichtete von einer schweren Kindheit. Die Eltern seien geschieden gewesen. Die Brüder wuchsen beim Vater auf, der viel Alkohol trank und seinen Lohn ins Lotto spielen investierte. Erklärungen für seine Tat? Die Verwandten und Freunde sind fassungslos. Doch laut Anklage erwürgte Egon S. seine Frau aus Wut. Anschließend soll er die Leiche in der Küche zugedeckt und sich selbst mit einer Flasche Magenbitter ins Bett gelegt haben. Die Anklage lautet Totschlag. Am 17. Oktober wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird auch Egon S. über seinen Anwalt seine Aussage verlesen lassen.

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