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Papierkrieg auf Sylt : Fragebogen stellt ehrenamtliche Organisatoren vor Herausfoderung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wenn Vereine Veranstaltungen organisieren wollen, müssen sie ein neues Dokument ausfüllen, das einigen Aufwand erfordert.

von
erstellt am 15.Mär.2016 | 05:09 Uhr

Da platzte Alfred Bartling die Hutschnur: In der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Gemeinde Sylt meldete sich der Morsumer lautstark zu Wort und kritisierte den Aufwand, den Vereine unternehmen müssen, wenn sie ein Fest oder eine andere öffentliche Veranstaltung organisieren wollen. In der Hand hielt der Ehrenvorsitzende der Morsumer Kulturfreunde das vierseitige Dokument „Anzeige auf Durchführung einer öffentlichen Veranstaltung auf der Insel Sylt“, das das Ordnungsamt der Gemeinde erstellt hat.

Darin müssen die Veranstalter seit diesem Jahr unter anderem recht ausführlich erläutern, was für eine Veranstaltung sie planen, wie viele Personen kommen werden und wo die Veranstaltung stattfinden soll. In dem Fragebogen geht es weiterhin auch darum, wie hoch das Eintrittsgeld ist, welcher Musiker zu welcher Uhrzeit spielt, wie für die Veranstaltung geworben wird, ob eine Tombola, ein offenes Feuer, Gas-Ballons oder ein Feuerwerk geplant ist. Und vor allem diese Fragen-Masse scheint es zu sein, die Bartling erbost: „Die Gemeinde soll diesen Kram für ihre eigenen Veranstaltungen auch mal ein Jahr lang ausfüllen“, forderte Bartling, „dann sehen wir mal, ob dieser Fragenkatalog danach auch noch existiert.“ Den Ehrenamtlern, die ja viele der Feste auf Sylt organisieren, würde der Papierwust den Spaß an ihrem Engagement verderben.

Carsten Kerkamm, Vorsitzender des Hauptausschusses, versicherte Bartling, die Politik werde sich den Fragebogen zu Gemüte führen und in der kommenden Sitzung des Hauptausschusses darüber beraten, ob er überarbeitet werden müsse.

Birgit Damer, die für den ehrenamtlichen Verein Kulturhaus Sylt jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen organisiert, ist mit Blick auf den umfangreichen Fragebogen froh, dass er nur für Open-Air-Veranstaltungen gilt, und somit nicht für ihre Events im Friesensaal: „Manche Fragen kann man als Veranstalter doch im Vorfeld gar nicht beantworten. Beispielsweise, wie viele Gäste nun genau kommen“, so Damer, „ich finde auch, dass den Ehrenamtlern auf Sylt die Arbeit dadurch weiter erschwert wird.“

Jörg Elias, Veranstaltungsleiter des Insel Sylt Tourismus-Service und Chef der Freiwilligen Feuerwehr Westerland, ist, wenn es um den Fragebogen geht, in einer gewissen Doppelfunktion unterwegs: Als ehrenamtlicher Wehrführer der Westerländer Wehr gehört er zu den „Opfern“ dieser Vorlagen, die er beispielsweise vor dem Feuerwehrfest ausfüllen muss. Als Veranstaltungsleiter des Insel Sylt Tourismus-Service dagegen sieht er den Sinn der Aktion: „Ich muss sie auch für die zahlreichen Veranstaltungen des Insel Sylt Tourismus–Service bearbeiten“,so Elias. Und betont trotzdem: Auch wenn damit eine Mehrarbeit verbunden ist, hält er das Vorgehen für sinnvoll. Unter anderem sei es für den Fall, dass bei einer Veranstaltung etwas passiert, sinnvoll und richtig, die notwendigen Daten vorab gesammelt zu haben. „Veranstaltungen müssen schon immer eine Genehmigung haben“, betont Elias. Bisher habe man sich darum schlicht nicht so intensiv gekümmert wie seit Jahresbeginn. Wie viel Zeit das Er- und Ausfüllen der Vorlagen kostet, hängt laut Elias davon ab, wie groß die Veranstaltung ist: So muss der Veranstalter bei mehr als 1000 Gästen zusätzlich auch noch ein Sicherheitskonzept einreichen - dann dauert es länger. Für ein Feuerwehrfest dagegen rechnet der Wehrführer dagegen mit einer halben Stunde Zeitaufwand für den Fragebogen, inklusive der angeforderten Planzeichnung des Veranstaltungsortes sei man vielleicht bei zwei Stunden. „Wer aber jedes Jahr die gleiche Veranstaltung anbietet, muss dann ja nur wenige Daten ändern und ist in fünf Minuten mit dem Thema durch.“

Gabriele Gotthardt sitzt als Ordnungsamtsleiterin gemeinsam mit Polizei, Feuerwehr und anderen Beteiligten in der Lenkungsgruppe, die die neue Vorlage erarbeitet hat. Sie weist zum einen auf die Notwendigkeit der Datensammlung hin, und betont außerdem, dass die Verwaltung alle Veranstalter schriftlich über die neuen Bögen informiert habe. Zudem stünden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zur Verfügung, sollte es beim Ausfüllen zu Problemen kommen.

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