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Schiffe auf Sylt : Frachtsegler auf Sylt könnte bald von der Insel verschwinden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kommt die Undine nie wieder? Hohe Verbindlichkeiten des Schiffeigners lassen befürchten, dass der Frachtsegler vor dem Aus steht.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 04:58 Uhr

Die Sympathien gehörten am Anfang ihm, dem ehemaligen Gorch-Fock-Offizier und Wiederentdecker der deutschen Frachtsegelei: Torben Hass. Das war 2013, als der 40-Jährige die Sylter mit seinem Frachtsegler „Undine“ geradezu entzückte.

Berichte, Reportagen und Interviews über seine Touren von Hamburg nach Hörnum und zurück sorgten für eine fast bundesweite Bekanntheit des über 90-jährigen Frachters und seines Kapitäns, der so freundlich in die Kameras lächeln und fast jeden von seiner Idee im Sturm überzeugen konnte. Doch auch damals gab es erste skeptische Stimmen, die bezweifelten, dass sich mit dem Frachter und seinen Möglichkeiten tatsächlich Geld verdienen lässt. „Ich biete den Transport zum gleichen Preis an wie die Straße – also den Transport mit dem LKW“, entgegnete Hass zum Start seiner Hamburg-Sylt-Line seinen Kritikern in einem Zeitungsinterview, und machte folgende Rechnung auf:. „Das kann ich machen, weil die Straße hier sehr teuer ist. Die Speditionen müssen über den Hindenburgdamm fahren oder mit der Fähre, und das ist kostspielig. Ein großer LKW kostet hin und zurück rund 560 Euro, das sind nur die Gebühren für den Autozug. Dann gibt es ja auch noch Ladung, die zu breit ist für die Bahn. Die geht bisher nur über die Fähre – und das ist mit noch höheren Kosten verbunden. Wenn ich solche Güter mit Sonderbreite in Hamburg lade, ist das sogar günstiger“. Hörte sich für manche Ohren überzeugend an.

Doch nun scheinen die Skeptiker Recht zu bekommen. „Er ist ein netter Kerl, dem wir gar nicht schaden wollen“, sagt Uwe Köhler von der Hamburger Sailing Cargo Schifffahrtsbeteiligungs GmbH. Nur will Köhler auch klarstellen, dass sie „nix mit ihm und seiner Geschäftsidee zu tun haben wollen“. Denn die hält Köhler für nicht tragbar. Das scheinen auch die Außenstände zu belegen, die Hass bei Gläubigern hat, die als Investoren fünfstellige Summe gaben, damit er die Undine, „Europas einziges Segel-Frachtschiffs“, kaufen beziehungsweise halten konnte.

In einem auf seine Glaubwürdigkeit überprüftem Schreiben, das der Sylter Rundschau vorliegt, werden Hass schwere Vorwürfe bezüglich seiner Zahlungsmoral gemacht. Danach liegt inzwischen auch ein vollstreckbares Urteil des Landgerichtes Hamburg gegen Herrn Hass auf Zahlung der geliehenen Gelder vor.

Im Laufe der vergangenen zwei Jahre war die Undine immer wieder in schweres Wasser geraten. Mal waren es Schäden am Schiff, mal „bürokratische Hürden“, die die Undine nach Auskunft ihres Eigners an der Weiterfahrt hinderten. Im Juni dieses Jahres fragte die Sylter Rundschau bei Hass nach, warum das Schiff monatelang nicht im Hörnumer Hafen gesichtet werden konnte. Hass äußerte damals die Hoffnung, dass der Frachter in wenigen Wochen wieder Sylt anlaufen könnte, räumte aber auch ein, dass Finanzierungsprobleme dem Frachter den Wind aus den Segeln genommen hätten.

Seitdem ist Hass auf Tauchstation gegangen, das heißt nicht erreichbar. Auch nicht für Nachfragen zu diesem Artikel. Noch aktiv ist dagegen seine Internetseite windjammer-shipping.de. Darauf stellt er nicht nur seine „eigene Flotte“ wie die „Undine“ und den alten Ewer „Annemarie“, ein Frachtsegelboot mit Motor, sondern auch Neubauprojekte vor, zu denen unter anderem ein Ecoliner gehört.

Das „nervt“ Uwe Köhler von Sailing Caro besonders. „Denn das ist eine ganz andere Spielklasse, in der Herr Hass gar nicht mitspielt“, stellt Köhler verärgert fest. Dabei betont der Hamburger auch, dass er Hass „nicht schaden will“, aber sich zugleich deutlich vom ihm und seinem Geschäftsgebaren distanziert. „Wir und die Ecoliner haben nix mit ihm zu tun“. Fraglich dürfte jetzt sein, ob die Undine je wieder Richtung Sylt segeln wird oder nur noch eine schöne Erinnerung bleibt.

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