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Kunst auf Sylt : Fotoausstellung: Stadtgalerie Alte Post zeigt Schwarz-Weiß-Bilder

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bis zum 29. April sind die Schwarz-Weiß-Fotografien von Jutta Schwöbel in der Stadtgalerie Alten Post zu sehen.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2015 | 05:24 Uhr

Die blonde Frau sitzt auf der vorletzten Stufe einer Treppe. Ihr Kopf ist nach unten geneigt, das Gesicht nicht zu erkennen und auch die Umgebung liegt im Schatten. Das Bild „Die Treppe“ (Foto oben rechts) ist eines von Jutta Schwöbels Lieblingsmotiven. Die Frau auf dem Foto hat von der Aufnahme nichts mitbekommen, sie blieb der Fotografin eine Unbekannte, ebenso wie ihre Geschichte.

„Unsichtbare Nähe“ ist der Titel zu der Ausstellung von Fotografin Jutta Schwöbel, die noch bis zum 29. April in der Stadtgalerie Alte Post in Westerland besucht werden kann. Der Titel trifft ins Schwarze, denn zwischen dem Betrachter und den Bildern baut sich trotz der Distanz sofort eine Nähe auf. Wie bei dem Foto mit der Frau auf der Treppe: Das Motiv erzählt sofort eine eigene Geschichte. Dabei ist der Fotografin schon oft aufgefallen, dass der persönliche Lebensweg des Betrachters nicht unwichtig für die Interpretation ist. „Ältere Menschen, die schon mehr erlebt haben, sehen meist eine traurige Frau, vielleicht mit Liebeskummer, vielleicht aufgrund eines Verlustes“, sagt sie, „ich habe aber auch schon von Jugendlichen gehört, dass sie wahrscheinlich auf ihr Handy schaut.“

Wenn die zierliche Frau mit ihrer analogen Kamera durch die Straßen zieht, sehe sie die Motive in ihrem Kopf schon in Schwarz-Weiß, erzählt sie. Sie habe die Kamera eigentlich immer dabei. Die Motive finden sich dann zufällig, wie auch das des großen Hundes, der hinter einer beschlagenen Fensterscheibe beim Tierarzt sitzt und fest in die Kamera schaut, oder das der Frau auf einer Bank, die einem vorbeilaufenden Pärchen hinterherschaut. Obwohl ihr Gesicht nicht zu sehen ist, meint man, den Ausdruck zu kennen.

Viele Bilder der Ausstellung haben einen Sylt-Bezug. Schon vor 40 Jahren hat die gebürtige Tübingerin auf der Insel Fotos gemacht, die erst durch ihre Farblosigkeit ihren besonderen Ausdruck erhielten. Denn Jutta Schwöbel fotografiert fast ausschließlich in Schwarz-Weiß. Lediglich ein Farb-Foto ist unter den ausgestellten Bildern zu sehen. „Schwarz-Weiß-Bilder sind irgendwie wahrhaftiger und charaktervoller“, sagt sie, „man sieht einfach ein bisschen mehr als auf Farb-Fotos. Für unsere Augen ist das natürlich abstrakt, denn wir sehen ja alles in Farbe. Aber durch das Schwarz-Weiße bekommt man einen völlig neuen Eindruck von seiner Umwelt.“

Für die Frau auf der Treppe hat auch Carsten Kerkamm, der die Ausstellung eröffnete, eine eigene Interpretation: „Ich habe gerade von einer Trennung in meinem Freundeskreis erfahren“, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Sylt, „meine erste Assoziation war, dass die Frau auf der Treppe dort meine Freundin ist.“

Die Geschichte hinter diesem wie auch vieler anderer Bilder wird auch der Fotografin verborgen bleiben. Darum geht es ihr aber auch nicht. Denn, wie Sabine Peters, Schriftstellerin und Freundin Schwöbels, bei ihrer Laudatio zur Vernissage in der Stadtgalerie sagte: „Alles ist ihr Beachtung wert. Die Wesen und die Dinge und Erscheinungen sollen genügend Raum für sich haben.“

Die Ausstellung „Die unsichtbare Nähe“ ist noch bis zum 29. April, Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und Sonnabend von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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