„Form und Farbe“ in der Galerie Falkenstern Fine Art

Galerist Armin Sprotte mit dem Gemälde „Gesichter einer Landschaft“ (Öl, 1998) von Siegward Sprotte.  Fotos: Lorkowski
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Galerist Armin Sprotte mit dem Gemälde „Gesichter einer Landschaft“ (Öl, 1998) von Siegward Sprotte. Fotos: Lorkowski

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18. Juli 2018, 05:30 Uhr

Der Ausstellungstitel „Form Farbe“, Motto der am 21. Juli beginnenden neuen Werkschau der Galerie Falkenstern Fine Art /Sprotte in der Kampener Alten Dorfstraße, ist gut gewählt. Ist er doch nicht nur Programm, sondern den Besuchern zugleich hilfreicher Fingerzeig auf ein Spektrum an Werken, das über Fotos und Bildern bis hin zu Skulpturen unterschiedlichster Art reicht. Künstler wie Karl Hofer, Georg Tappeiner, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Antoni Tápies, Liu Yonggang oder Jörg Plickat sind in dieser aktuellen Sonderschau ebenso vertreten wie natürlich Siegward Sprotte. Er darf hier nicht fehlen.

Eine kleine Broschüre empfängt den Besucher gleich eingangs zur Galerie. Sie sollte nicht übersehen werden, veranschaulicht sie doch auf den ersten Blick wichtige Exponate dieser übersichtlich und geschickt arrangierten Ausstellung. In ihr sind exemplarisch wichtige Werke abgebildete, die zum näheren Entdecken einladern. Ein Zitat des romantischen Dichters Novalis auf dem Titelblatt - „Die Kunst heilt die Wunden, die der Verstand geschlagen hat“ - mag zusätzlicher Anreiz sein, sich auf den Weg durch die lichtdurchfluteten Räume zu machen.

Im Obergeschoss lädt Siegward Sprottes großformatiges „Gesicht einer Landschaft“ (Öl,1998) regelrecht zur Meditation ein. Dazu mag die Abgeschiedenenheit der Örtlichkeit beitragen. Blau als Farbe der Versenkung lädt zum Innehalten ein. Und zum schweigenden Betrachten, denn „wer schweigt, der schaut.“ Gerade dieses Schauen ist für Sprotte ein qualitatives Mehr als ledigliches Hingucken. Und so wie der Künstler hier „mit künstlerischen Mitteln die Fülle reduziert“, so mag der Betrachter (vielleicht) auf Wesentliches durch sein Betrachten gelangen.

Hilfreich dabei: verschiedene Texte Sprottes, die sich in der kleinen Broschüre finden. Sie weisen ihn (auch) als literarisch kompetenten Zeitgenossen aus, der in seinen Texten manchen Schlüssel zu seinem Bildern liefert. Seine Gattin Cosmea Sprotte dazu: „So wie mit der Intensität des Malens hat er auch gedacht, gesprochen und geschrieben!“

Jörg Plickat, Mit-Begründer der weit über Schleswig-Holstein hinaus bekannten NORD-ART ist mit Skulpturen vertreten. „Love Poem“, ein aus glänzend poliertem schwarzen Granit gearbeitetes Werk, ist unschwer zu deuten. Ein Objekt mit starker Aussagekraft. Und voller innerer Schönheit.

Ernst Wilhelm Nay will alleine durch die Farbe sprechen. Seine Werke, jeweils ohne Titel, wirken einzig durch den „Gestaltwert der Farbe“. Nay eliminiert (fast) ganz den Gegenstand, lässt in seinen Werken die Farbe „autonom“ werden. Die Fläche wird bei ihm zur Gestalt erhoben. Man muss nur lange hinsehen, sich jeweils auf sein Werk in Muße einlassen.
Anders Karl Hofer mit „Stehender Mädchenakt vor Rot“ (Öl, 1954). Der 1936 als „entarteter Künstler“ aus der Berliner Akademie Entlassene mag mit seinem hier präsentierten Werk Rätsel aufgeben. Oder auch nicht? Arme und Hände vermitteln unterchiedliche Botschaften, die Gesichtszüge tun ein Übriges. Hofer wird ein „psychologischer Expressionismus“ nachgesagt – wer wollte das bei diesem Werk bestreiten!

Vielleicht ist ein mehrmaliger Besuch dieser Ausstellung anzuraten, um immer wieder aufs Neue der jeweiligen Form und der Farbe nachzuspüren. Bis zum 30 September ist dazu Gelegenheit.

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