Chaos : Folgen des Säureunfalls in Niebüll: Sylt-Fähre fuhr die ganze Nacht

Stau bis zum Ortsausgang: Die Autofahrer brauchten viel Geduld.
Stau bis zum Ortsausgang: Die Autofahrer brauchten viel Geduld.

In der Zeit hätte man um die halbe Welt reisen können: Weil an der Autoverladung in Niebüll Säure ausge- treten war, brauchten Sylter Donnerstag bis zu zwölf Stunden für die eigentlich 40-minütige Heimfahrt.

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19. September 2008, 07:13 Uhr

Sylt/Röm | Der Archsumer Lütje Thaysen benötigte gestern zwölf Stunden, um von Niebüll aus über Dänemark nach Sylt zu kommen. Westerlands Bürgermeisterin Petra Reiber und Bürgervorsteher Peter Schnittgard hatten einen Termin in Kiel (siehe Seite 10) und waren auf dem Rückweg vier statt etwa zwei Stunden unterwegs. Sylts Dänen-Pastor Jon Hardon Hansen ließ sein Auto in Klanxbüll stehen, um mit dem Personenzug nach Hause zu fahren, der Sylter SPD-Vorsitzende Eberhard Eberle kam gut zwei Stunden zu spät zu einer Sitzung in Husum ("Der Zug stand eineinhalb Stunden in Niebüll und niemand durfte aussteigen")
Patient wurde umgeladen

Der Essigsäure-Unfall am Donnerstag im Niebüller Bahnhof (wir berichteten), brachte nicht nur die Zeitpläne von Insulanern und Urlaubern durcheinander, sondern sorgte beispielsweise auch bei der Rettungsleitstelle in Westerland für Aufregung: Ein Krankentransport war noch vor dem Unfall per Autozug erfolgt und kam - mit einem vom Festland zurück zu bringenden Sylter - per Fähre wieder auf die Insel. Beschwerlicher wurde der Weg für den Patienten, der mit dem Autozug um 12.05 Uhr nach Niebüll gebracht werden sollte. Sein Zug stand nämlich zweieinhalb Stunden auf den Gleisen, bevor er in den Bahnhof Niebüll einfahren und mit Feuerwehr-Begleitung entladen werden durfte. Andreas Reyer, stellvertretender Rettungsdienstleiter in Westerland: "Die Fahrer haben abgeklärt, ob die Wartezeit medizinisch zu verantworten ist und die behandelnden Ärzte sahen da keine Probleme." Der Patient wurde in Niebüll in einen dort wartenden Krankentransport umgeladen, das Sylter Fahrzeug trat seinen Heimweg ebenfalls über Dänemark an - und das ganz ohne Wartezeit. Reyer: "Weil es sich um ein Einsatzfahrzeug handelt, durften sie an der Schlange vorbei direkt auf die Fähre fahren."
Extra-Schicht bei Gosch

Direkt vorbei an Autos, die bis zu acht Stunden auf Röm warteten. Peter Rathke, Betriebsleiter der Sylt-Fähre, berichtete gestern, dass dort um die 500 Autos standen. "Normal wären an einem Donnerstag vielleicht 120 bis 180 Fahrzeuge gewesen." Bis kurz nach 4 Uhr nachts pendelte die Fähre zwischen Röm und List - und nur eineinhalb Stunden später ging der fahrplanmässige Verkehr schon wieder los. Eine Belastung für die Mitarbeiter, die Rathke durch Ruhepausen an Bord und durch den zeitigeren Dienstbeginn für die Kollegen der Frühschicht auffangen ließ.

Eine, allerdings deutlich weniger anstrengende, Extra-Schicht bedeutete der ungeahnte Hochbetrieb am Lister Fähranleger für Angestellte von Fisch-Gosch: Sie zogen mit einem Geschirrwagen durch die vollen Straßen und verkauften Fischbrötchen sowie Getränke.

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