Serie "Historische Ansichtskartenmotive" : Folge 53: Sylt schmilzt

Diese historische Abbildung aus dem Jahre 1648 dokumentiert die einstige Größe der Insel. Foto: Archiv Deppe
Diese historische Abbildung aus dem Jahre 1648 dokumentiert die einstige Größe der Insel. Foto: Archiv Deppe

Viele Fluten verkleinerten die Insel. Seit dem 13. Jahrhundert soll das Eiland zwei Drittel seiner Fläche verloren haben.

Avatar_shz von
06. Januar 2009, 11:38 Uhr

Sylt | Wenn im Herbst und Winter Stürme übers Meer fegen und die schäumende See gegen die Ufer brandet, dann muss die Insel Sylt regelmäßig Tribut zahlen: Jahr für Jahr rauben ihr die Wellen etwa 1,5 Meter Strand. Sturmfluten suchen seit jeher die Nordseeküste heim - im Laufe der Jahrhunderte verloren unzählige Menschen dadurch Haus und Hof oder gar ihr Leben.

Erst im 20. Jahrhundert gedieh der Küstenschutz so weit, dass der Macht des Meeres weitgehend Einhalt geboten wurde. Dennoch: Sylt schmilzt. Schätzungen gehen dahin, dass die Insel seit dem 13. Jahrhundert mehr als zwei Drittel ihrer Fläche verloren hat. Und Anno 1648 soll die Sylter Küstenlinie noch drei Kilometer weiter westlich gelegen haben.
Westerland entstand, nachdem Eidum gesunken war

Von den ersten nachweisbaren Sturmfluten an der Nordseeküste gibt es nur vage Angaben. So soll die "Luciaflut" anno 1287 etwa 50.000 Menschen das Leben gekostet haben. Noch schlimmer entlud sich anno 1362 die "Grote Mandrenke", die an die 100.000 Todesopfer forderte. Für die Insel Sylt bedeutete die "Allerheiligenflut" im Jahre 1436 eine Zäsur: Sie zerstörte das Sylter Hauptdorf Eidum; die Überlebenden gründeten weiter nordöstlich eine Siedlung, die sich um die kleine, neu erbaute gruppierte. Das Dorf bekam Mitte des 15. Jahrhunderts einen Namen: "Weesterlön", der friesische Name für "Westerland".

Vom Untergang Eidums indes ist nur wenig überliefert. Chronisten berichteten, dass am 1. November 1436 "um Mitternacht eine schwere Flut ging". Hans Kielholt, Sohn eines Sylter Pastors, notierte: "Ach und wehe und jämmerlich ist zu beklagen, dass viel Volk ertrunken und das schöne Land ganz mit Wasser überlaufen ist."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen