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Flughafen Sylt : Flughafendefizit: Einigung in Sicht

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wenningstedt ist zu Verhandlungen über neuen Verteilerschlüssel bereit. Hebt Gemeinde Sylt die umstrittene Fluggast-Abgabe morgen wieder auf?

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erstellt am 18.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Kurz vor Toresschluss kommt offenbar Bewegung in die insularen Verhandlungen zur Minimierung des Flughafen-Defizits. Sollte bis zum Jahresende keine Lösung gefunden sein, die die Kosten für die Gemeinde Sylt als größtem Gesellschafter der kommunalen Flughafen GmbH deutlich reduziert, würde ab 2015 die im Februar von der Politik beschlossene Sonderabgabe von fünf Euro pro Flug und Passagier eingeführt werden (wir berichteten). Um diese von Touristikern und der Sylter Wirtschaft heftig kritisierte Fluggast-Abgabe doch noch zu verhindern, steht das Thema morgen Abend, bei der letzten Gemeindevertretersitzung des Jahres, erneut auf der Tagesordnung der Gemeinde Sylt.

Bürgervorsteher Peter Schnittgard gab sich der Sylter Rundschau gegenüber optimistisch, dass eine Umsetzung der Sonderabgabe zumindest aufgeschoben, wenn nicht gar komplett aufgehoben werden könnte. „Es gibt insular eine erkennbare Bewegung, sich auf einen neuen Verteilerschlüssel für die Finanzierung zu verständigen“, sagte Schnittgard. Da es aus den anderen Gemeinden zwar durchweg positive Signale, aber noch keine Beschlüsse gibt, wollte Schnittgard vor der Sitzung (Donnerstag, 19 Uhr, Rathaus) nicht näher ins Detail gehen. Gesellschafter des Flughafens sind die Gemeinden Sylt (88 Prozent), Wenningstedt-Braderup (7) und Kampen (5); List und Hörnum beteiligen sich mit freiwilligen Zuschüssen.

In den letzten Monaten hatte es unter Schnittgards Führung zahlreiche Gespräche und Verhandlungen mit allen Beteiligten gegeben, um die festgefahrene Diskussion über eine gerechtere Lastenverteilung unter den Inselgemeinden zu erreichen. Schnittgard: „Dabei gab es den erkennbaren Willen aller, eine tragfähige Lösung zu finden.“ Der sogenannte Bäderschlüssel, also eine Verteilung der Kosten auf Grundlage der Übernachtungszahlen der Gemeinden, wird es allerdings nicht sein. Für die Gemeinde Sylt, die über ihren Tourismus-Service zwar 88 Prozent der Flughafen GmbH hält, an den inselweiten Übernachtungen aber nur einen Anteil von 64 Prozent hat, würde dies bei einem Defizit von 860 000 Euro eine Entlastung um 200 000 Euro bedeuten. Dies wird von der Gemeinde Wenningstedt-Braderup, die mit sieben Prozent am Flughafen beteiligt ist, aber 17,7 Prozent der Übernachtungen verbucht, jedoch strikt abgelehnt.

Da Wenningstedt (wie Hörnum und List) jedoch bereit ist, sich stärker an der Flughafenfinanzierung zu beteiligen, soll nun bis Ende März ein neuer Verteilerschlüssel gefunden werden. „Als kurzfristige Lösung für 2014 würden wir eine zusätzliche Einmalzahlung leisten, darüber hinaus streben wir einen neuen Verteilerschlüssel als dauerhafte Lösung an“, sagte Wenningstedts Tourismusdirektor Henning Sieverts. Voraussetzung sei allerdings, dass die Gemeinde Sylt die Fluggast-Abgabe aufhebt – „als positive Außenwirkung gegenüber den verunsicherten Fluggesellschaften“.

Nach Gesprächen mit den Spitzen aller sieben Fraktionen geht Schnittgard davon aus, dass die Gemeinde Sylt zumindest einem Aufschub zustimmen wird. Zumal Flughafen-Geschäftsführer Peter Douven in Aussicht gestellt hat, das erwartete Defizit durch Mehrerlöse bei den Privatfliegern und Einsparungen bei den Personalkosten um eine Viertelmillion Euro zu reduzieren. Ein weiterer Baustein zur Minimierung des Defizits könnte eine Aktion des Vereins Sylter Unternehmer sein, bei der sich 50 Sylter Firmen bereit erklären sollen, drei Jahre lang jeweils 1 000 Euro für Dienstleistungsverträge mit dem Flughafen zu investieren. Voraussetzung wäre auch für sie der Verzicht auf die Fluggast-Abgabe – sowie ein zukunftsfähiger Umlageschlüssel unter den Inselgemeinden.

Sollte sich beides bis April realisieren lassen, dürfte die Zukunft des Flughafens gesichert sein. Eines Flughafens, der für die Insel einen entscheidenden touristischen Vorteil bedeutet, wie Peter Schnittgard betont. „Ich sehe die Finanzierung nicht als Defizitausgleich, sondern als Wirtschaftsförderung.“ Im Vergleich mit anderen Regionalflughäfen zeigt sich zudem, dass der Sylter Airport so wirtschaftlich wie möglich arbeitet. Wird die Rentabilität durchschnittlich erst ab einer Million Passagiere erreicht, wäre dies auf Sylt bereits bei 300 000 Fluggästen der Fall. Langfristig hält Douven 210 000 Passagiere für eine realistische Größe.

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