Fluggastabgabe: Douven warnt Politik

Klein, aber wichtig: Der Flughafen Sylt.
Klein, aber wichtig: Der Flughafen Sylt.

Flughafen-Chef empfiehlt die Rückname des Gemeinderatsbeschlusses / Zusatzgebühr würde "Abwärtsspirale" bis hin zur Insolvenz auslösen

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

SYLT | Droht der von der Gemeindevertretung Sylt im Februar gefasste Beschluss, auf dem Flughafen eine Zusatzgebühr von fünf Euro pro Passagier und Flug zu erheben, weitaus mehr Schaden anzurichten als Nutzen zu erbringen? Diese Befürchtung konkretisierte Flughafen-Geschäftsführer Peter Douven jetzt in einem umfangreichen Schreiben an alle Gemeindevertreter. Angesichts einer "neuen, konkreteren Sachlage" empfiehlt er der Gemeindevertretung folgenden Beschluss: "Die Erhöhung des Entgelts wird zur Vermeidung der zu erwartenden wirtschaftlichen Nachteile für den Flughafen wie auch für die gesamte Insel zurückgenommen. Vielmehr soll das Entgelt zum Schutz der Entwicklung des Linienverkehrs und damit zu Gunsten des Sylter Tourismus stabil gehalten werden." Darüber hinaus regt Douven eine regionalökonomische Studie an. Ziel sei es, "neben der Betrachtung direkter Erlöse die weiteren wirtschaftlichen Aspekte und steuerlichen Effekte herauszuarbeiten".

Einer der zentralen Gründe für die von Douven bezeichnete "neue, konkretere Sachlage" sind die Stellungnahmen der betroffenen Fluggesellschaften air berlin und Lufthansa sowie des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), die sich sehr kritisch zu dem geplanten Vorgehen äußern. So erklärte der BDF, dass "der Flughafen Sylt - hinsichtlich der Entgeltordnung bereits jetzt einer der kostenintensivsten Flughäfen - dann in die Liga der drei teuersten deutschen Flughäfen aufsteigen würde." Auch die Statements der beiden Fluggesellschaften fielen negativ aus. So schrieb air berlin an die Flughafen-Geschäftsführung unter anderem, dass "das Zusatzentgelt dazu führen würde, dass wir unser Engagement auf Sylt überdenken und bei Unwirtschaftlichkeit Maßnahmen ergreifen müssten".

Douven befürchtet einschneidende Folgen, sofern der Beschluss umgesetzt wird: "Es wäre der Beginn einer Abwärtsspirale. Die Fluggesellschaften würden die Zahl der Verbindungen reduzieren, wodurch dann auch die Nachfrage schwindet. Ich gehe davon aus, dass wir so letztlich bei einer Zahl von deutlich unter 100 000 Passagieren pro Jahr landen. Die Endstation wäre dann das Insolvenzrisiko für den Flughafen Sylt." Nicht nachvollziehbar ist für ihn das Zusatzentgelt, mit dem das jährliche Defizit von zuletzt 860 000 Euro weitgehend ausgeglichen werden soll, auch in anderer Hinsicht. "Wenn eine zusätzliche Gebühr so einfach wäre, warum haben die Fluggesellschaften nicht längst schon selbst an der Preisschraube gedreht? Tatsächlich müssen sie angesichts des hohen Kostendrucks selbst mit jedem Euro genau rechnen."

Nachdem andere Versuche, zusätzliche Erlöse für den Flughafen mit seinen zuletzt 170 000 Passagieren zu generieren gescheitert oder politisch nicht gewollt sind, sieht Douven nur eine realistische Alternative: Einen Ausgleich des Defizits durch die Sylter Kommunen gemäß der Übernachtungszahlen. Dies wiederum würde die Säckel der kleinen Gemeinden deutlich stärker belasten. So müsste Hörnum knapp 60 000 statt bislang 10 000 Euro zahlen, List 48 000 statt derzeit 20 000 Euro und Wenningstedt-Braderup 153 000 statt 58 000 Euro. Lediglich Kampen bliebe mit 44 000 statt 41 000 Euro im Jahr in etwa konstant.

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