Flüssiges Gold aus der Lister Heide

Hans-Werner Dollichon wirft einen Blick in die Schleuder - vorne läuft der Honig raus.
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Hans-Werner Dollichon wirft einen Blick in die Schleuder - vorne läuft der Honig raus.

Die Heideblüte ist fast vorbei, da beginnt die Arbeit der Imker: Honig schleudern steht auf dem Programm

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01. September 2012, 08:10 Uhr

Tinnum | Die ersten Tropfen Honig landen mit einem kleinen "Plopp" im Eimer, der unter der Schleuder steht. Mit jeder Umdrehung der Waben werden es mehr Tropfen, bis sich schließlich ein ganzer Strom des flüssigen Goldes in den Eimer ergießt. Ein Lächeln stiehlt sich auf das Gesicht Hans-Werner Dollichons. Der 73-jährige Imker ist zufrieden mit der Honigernte.

Am Morgen hatte er zwei seiner acht Völker die oberen Kästen weggenommen, in denen die Bienen den Honig gelagert haben. "Man fegt die Tiere mit einem Besen von den Waben und trägt die Kästen ins Auto. Dann geht’s nach Hause." Die Bienen suchen sich ihren Weg zurück in den Stock, der noch einige Tage in der Heide stehen bleiben wird. "Erst wenn die Ernte durch ist, kommen alle wieder mit zu ihrem eigentlichen Standort."

Mit einer kleinen Karre transportiert Hans-Werner Dollichon Kiste für Kiste voller Honigwaben in ein kleines Häuschen in einer Ecke seines Gartens. "Mein Honigraum", stellt der Imker vor. Die Fenster sind mit Insektengitter abgedichtet, in der einen Ecke steht die Schleuder, auf dem Tisch vor dem Fenster das Entdeckelungsgeschirr und ein Heidehoniglösgerät. Sobald der Honig in den Waben gereift und eine Zelle vollständig gefüllt ist, bauen die Bienen einen Wachsdeckel darüber. Die Waben, die Dollichon aus der Lister Heide mitgebracht hat, sind fast alle zu 100 Prozent verdeckelt. "Bevor ich schleudern kann, müssen erst die Wachsdeckel runter, sonst kommt der Honig nicht raus." Eine Besonderheit, die der Imker bei der Heidehonigernte beachten muss: Das flüssige Gold ist nicht wie bei anderen Sorten relativ flüssig und läuft so einfach heraus. Heidehonig muss "gestippt" werden. Dazu hat der 73-Jährige ein spezielles Gerät in das die Wabe reingehängt wird und mit einer Art langem Streichholz aus Plastik wird in jede Zelle reingepiekt, um den Honig zu lösen. Und dieser Mehraufwand für Heidehonig macht sich dann auch im Preis pro Pfund bemerkbar: Zehn Euro für 500 Gramm nimmt Dollichon. "Andere nehmen auch mehr."

Sind dann alle Zellen gestippt, was einige Minuten dauert, kommen die Waben in die Schleuder. Deckel zu, Motor an und schon dreht sich alles im Kreis. Bevor der Honig durch verschiedene Siebe läuft, muss Dollichon ihn einmal Stampfen - ordentlich durchrühren - damit die kleinen Pfropfen, die sich gebildet haben, nicht alle im Sieb hängen bleiben.

Pro Tag hat er sich in dieser Woche zwei Völker vorgenommen. "Da bin ich dann gut beschäftigt." Morgens vor dem Bienenflug in die Heide Honig holen, nach Hause, entdeckeln, stippen, schleudern, sieben - das macht einiges an Arbeitsstunden. "Früher hab ich das alles an einem Tag gemacht, aber das ist mir jetzt zu viel." Aufpassen muss er auf den richtigen Zeitpunkt zum Abfüllen in die Gläser. Wenn man zu lang wartet, ist der Honig so fest, dass er nicht mehr in die Gläser läuft. Und die Nachfrage nach Sylter Heidehonig ist groß. "Oft habe ich hier Leute stehen, die wollen mir den gleich Kartonweise abkaufen. Aber das mache ich nicht." Hans-Werner Dollichon ist es lieber, dass möglichst viele Leute in den Genuss des flüssigen Goldes kommen, als die Ernte schnell los zu werden. Die Ausbeute des Tages: geschätzte 100 Pfund von zwei großen und einem kleinen Volk. "Das ist schon ordentlich."

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