Flüchtlinge auf Sylt : Flüchtlinge sollen nicht in Massenunterkünften leben

Nun soll geprüft werden, ob das ehemalige Jugendaufbauwerk als Wohnraum für Flüchtlinge genutzt werden soll.
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Nun soll geprüft werden, ob das ehemalige Jugendaufbauwerk als Wohnraum für Flüchtlinge genutzt werden soll.

Der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt beriet darüber, wie Flüchtlinge künftig untergebracht werden sollen. Ein Integrationskurs soll beim Einleben helfen.

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25. Juni 2015, 05:19 Uhr

Wie soll die steigende Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber auf Sylt untergebracht werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt in nicht-öffentlicher Sitzung. Ergebnis: Die Menschen sollen möglichst nicht in Massenunterkünften leben, sondern weiterhin in kleineren Wohngruppen beherbergt werden. Einzige Ausnahme: Das ehemalige JAW-Heim in Hörnum wird weiterhin als mögliche Unterkunft für eine größere Zahl von Flüchtlingen gesehen. Aus der Debatte derzeit ausgeklammert: Die ehemalige DAK-Klinik Haus Quickborn, die die Gemeinde einst für die Unterbringung von Flüchtlingen beschlagnahmen wollte.


Haus Quickborn


Nachdem die Beschlagnahmungs-Pläne des Hauses Quickborn durch die Gemeinde vor einigen Wochen abgebrochen worden sind (wir berichteten), hat der neue Eigentümer des großen Klinikgebäudes nun angeboten, dass Haus an die Gemeinde zu vermieten. Allerdings verlangt der süddeutsche Investor fast 60  000 Euro Miete im Monat. Nach Abzügen von Zuschüssen und der Kostenabdeckung durch das Sozialzentrum würde die Insel bei der Nutzung des Hauses Quickborn auf rund 150    000 Euro im Jahr sitzen bleiben. Dieses Angebot hat der Hauptausschuss abgelehnt. Auch sollen nach dem Willen der Politik keine weitere Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer stattfinden, der die Klinik von der DAK gekauft hat.

Da die Bauleitplanung auf dem Gelände keine andere Nutzung als eine Kinder-Kureinrichtung erlaubt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Investor das Gebäude per Rücktrittsrecht an die DAK zurück gibt. Sollte dieser Fall eintreten, könnte die Gemeinde das Haus beispielsweise für die Unterbringung von Lehrlingen kaufen, deutete der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm an.


Das JAW-Heim


Auch wenn die Politik dafür ist, dass Flüchtlinge möglichst nicht in Massenunterkünften auf der Insel leben, gibt es eine Ausnahme: Kommende Woche soll bei einem Ortstermin gemeinsam mit Mitarbeitern des Landes Schleswig-Holstein geprüft werden, ob und wie das ehemalige Gebäude des Jugendaufbauwerks (JAW) in Hörnum für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden kann. Der Grund dafür ist, dass das Land wohl Fördermittel für die Nutzung des Gebäudes zahlen würde. „So könnte die dortige Unterbringung für die Insel eventuell sogar kostenneutral sein“, sagte Kerkamm.

 Integrationskurse auf Sylt

Auf Sylt soll es bald einen so genannten Integrationskurs  für Asylbewerber geben. Außer einem Sprachkurs werden dort  Themen aus dem alltäglichen Leben wie  Arbeit, Kindererziehung,  Freizeit, Gesundheit und Wohnen behandelt. Außerdem soll über die deutsche Rechtsordnung, Geschichte sowie über Rechte und Pflichten gesprochen werden.  Rund zehn potenzielle  Kursteilnehmer fanden sich gestern zusammen, teilte die  Sylter Volkshochschule (VHS) mit. Gemeinsam mit der Husumer VHS will sie die Kurse so schnell wie möglich starten. „Es gibt eine super Resonanz – wir setzen alles daran, dass der Kurs auf der Insel stattfinden kann“, sagt Sabine Rosenthal, Leiterin  der Sylter VHS. Einen geeigneten Raum mit Internet und eine Lehrerin gäbe es  bereits, die Pläne müssten jetzt vom Bundesamt für Migration  genehmigt werden. Spätestens im September soll es losgehen – genügend Interessierte gibt es auf der Insel.

Bisher müssen Asylbewerber, die auf Sylt leben, nach Niebüll fahren, um dort den  Integrationskurs zu besuchen. Die Fahrtkosten werden  vom Bundesamt übernommen. Trotzdem bedeutet es für viele eine große Erleichterung, wenn sie bald in Westerland unterrichtet werden. „Ich freue mich sehr, wenn ich  nicht vier Mal pro Woche  nach Niebüll pendeln muss“, sagt Shaikh Muss Hekmat (31) aus Syrien.

Bei den Anmelde-Formalitäten, die nicht für jeden auf Anhieb zu durchschauen sind, wollen Ehrenamtler die  Menschen  unterstützen. Für die Teilnahme und Kosten an diesen Kursen sieht das Aufenthaltsgesetz unterschiedliche Regeln vor. Es gibt diejenigen, die sofort am Kurs teilnehmen könnten und bei denen die Kosten größtenteils vom Bundesamt übernommen werden. Asylbewerber ohne Aufenthaltstitel können den Kurs zwar besuchen, müssen allerdings die Gesamtkosten von insgesamt rund 1935 Euro selbst zahlen. Diese „Selbstzahler“ sucht die  VHS noch für den Kurs – ob sich Spender finden, die bereit sind, die Gebühr für sie  zu übernehmen, ist noch unklar.

Info: Integrationskurse

Im Integrationskurs lernen Asylbewerber Deutsch sowie Dinge über Deutschland, zum Beispiel über die Geschichte, die Kultur und die Rechtsordnung. Der Kurs dauert rund 660 Stunden. Ziel ist es, einen Abschlusstests zu bestehen, der  aus einer Sprachprüfung und dem Test „Leben in Deutschland“ besteht. Beides ist  für die Einbürgerung nötig.  www.bamf.de

Info: Asylbewerber auf Sylt

Momentan leben 101 Flüchtlinge und Asylbewerber auf Sylt, sie sind in acht Häusern oder Wohnungen untergebracht, zudem leben einige von ihnen in einem angemieteten Haus in Leck. In diesem Jahr sollen rund 57 weitere Personen der Insel zugewiesen werden.

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